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Zweiter Advent

Nikolaustag ist Geschenketag. In den leuchtenden Augen der Kinder entdecken auch wir unsere Wünsche und Träume. Dass die Welt zur Ruhe komme, der Neid ein Ende habe und zerbrochene Herzen wieder verbunden werden mögen, ist uns verheißen. Wir feiern den zweiten Advent.

 

 

Predigt

Liebe Gemeinde,

Nikolaustag ist Geschenketag. Zumindest für die Kleinsten und Kleinen ist das ein erstes Innehalten auf dem Weg bis Weihnachten. Es gibt Süßigkeiten, Äpfel, Nuss und Mandelkern und auch so manch andere Spielsachen für den Zeitvertreib.

Die Kinder erfreut es, wenn der Nikolaus kommt. Manchmal haben sie aber auch ein wenig Angst vor ihm. Schließlich hat er ja eine Rute dabei und was er mit seinem Sack noch alles machen kann, wenn er leer ist und wieder geht, war einem nie so ganz geheuer.

Auch die Erwachsenen freuen sich, wenn der Nikolaus kommt. Bei den Weihnachtsfeiern der Vereine ist er ja Stammgast. Nicht selten darf er da auch das Vereinsleben etwas kommentieren, der Vereinsleitung mal auf die Finger schauen und so hinter seinem Kostüm Sachen sagen, die allen auffallen, aber über die man sonst nicht spricht. Immer wohlwollend freilich, aber doch mit einem Schuss Würze auch einen Finger mal in eine Wunde legend.

Wenn er wieder geht, sind dann doch alle beglückt, hat er doch den Kleinsten Geschenke dagelassen. Da werden zwar nicht alle Wünsche in Erfüllung gehen, aber die Erinnerung daran, dass auch wir Wünsche und Träume noch haben, wird doch im Anblick der Geschenke und der leuchtenden Kinderaugen präsent.

Von der Sehnsucht nach einem erfüllten Leben weiß unser heutiger Predigttext aus dem letzten Teil des Jesajabuches. Mit leuchtenden Augen steht der Prophet da und redet erfüllt vom Geist des Herrn:

Der Geist Gottes, des Herrn ist auf mir, weil der Herr mich gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, dass sie frei und ledig sein sollen; zu verkündigen ein gnädiges Jahr des Herrn und einen Tag der Rache unseres Gottes, zu trösten alle Trauernden, zu schaffen den Trauernden zu Zion, dass ihnen Schmuck statt Asche, Freudenöl statt Trauer, schöne Kleider statt eines betrübten Geistes gegeben werden, dass sie genannt werden „Bäume der Gerechtigkeit“, „Pflanzung des Herrn“, ihm zum Preise.

Sie werden die alten Trümmer wieder aufbauen und, was vorzeiten zerstört worden ist, wieder aufrichten; sie werden die verwüsteten Städte erneuern, die von Geschlecht zu Geschlecht zerstört gelegen haben.

Ich freue mich im Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mir die Kleider des Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet, wie einen Bräutigam mit priesterlichem Kopfschmuck geziert und wie eine Braut, die in ihrem Geschmeide prangt. Denn gleichwie Gewächs aus der Erde wächst und Same im Garten aufgeht, so lässt Gott der Herr Gerechtigkeit aufgehen und Ruhm vor allen Völkern. (aus: Jesaja 61)

 

Liebe Gemeinde,

wie verpackte Geschenke liegen sie da, die Verheißungen eines besseren Lebens: Die Elenden soll die gute Botschaft aufbauen, die zerbrochenen Herzen sollen verbunden werden, die Gefangenen frei sein. Freude statt Trauer soll sein. Gerechtigkeit und Recht soll allen widerfahren, die unter dem Unrecht leiden.

Im Geist des Herrn spricht Jesaja diese Worte. Dieser Geist verleiht ihm Kraft. Diese Kraft braucht Jesaja. Denn die Situation, in die hinein diese Worte gesprochen werden, ist Krieg und Zerstörung. Es braucht die Hilfe des Herrn, angesichts dieser Situation an seinen Träumen festzuhalten. Ja, es gehört auch eine gehörige Portion Mut dazu, diese Träume nicht nur zu spinnen, sondern sie auch zu leben.

Nikolaus von Myra wird es in der Legende nachgesagt, dass er genau dies tat. Er lebte aus diesem Geist, das Gute zu tun und die Gerechtigkeit zu suchen. Er brachte den Mut auf gegen die Soldaten und ihre Feldherren einzuschreiten, als diese die Menschen willkürlich mit Gewalt und unrechten Taten überzogen. Er weiß sich dabei vom Geist des Herrn getragen. Ein Bischof ist er, der den Frieden sucht in seinem eigenen beschränkten Bezirk. Ein Bischof, der den Armen zugewandt bleibt und die Sehnsucht der Menschen im Blick hat. Ein Bischof, der das Unrecht, die Lüge, den Betrug sieht und benennt.

Mit dem Mantel der Gerechtigkeit hinaus zu gehen, dorthin, wo es wehtut, das kann auch heute – obwohl unsere Welt trotz Corona eine viel Bessere ist – noch immer eine Herausforderung sein. Elende auf der Flucht ertrinken im Meer. Zerbrochene Herzen sind in Lockdown-Zeiten nur schwer zu erheitern. Eine korrupte Rechtsprechung ist auch in Europa nicht unbekannt. Gewalt in Familien, in der kirchlichen Einrichtungen bleibt auch nach vielen Jahren ungesehen. Menschen werden ausgegrenzt und verleumdet und keiner nimmt sich ihrer an.

Wenn die Geschenke ausgepackt sind, dann ist es manchmal vorbei mit dem schönen Moment der verheißungsvollen Hoffnung. Dann steht man wieder auf dem Boden der Tatsachen. Die Wünsche erfüllen sich nicht alle. Das lernen die Kinder schon. Und doch ist es gut, wenn wir die leuchtenden Augen uns immer wieder bewahren, wenn wir an den Hoffnungen festhalten. Denn diese Welt der unerfüllten Wünsche darf nicht so bleiben wie sie ist.

Darum redet der Prophet vom Tag der Rache unseres Gottes. Dieser Tag leitet das gnädige Jahr ein. Das Unrecht soll nicht so bleiben. Am Tag der Rache wird das Unrecht ins Recht gesetzt, die Gewalt ein Ende haben, die Verleumdung geheilt. Am Tag der Rache bringt Gott alles zu seinem Recht, was im Unrecht liegt.

In einem Traum erschien Bischof Nikolaus dem Kaiser und drohte ihm mit Rache, sollte er seine Truppen erneut in feindlicher Absicht in seine Provinz schicken. Es war ein heilsamer Traum. Die Racheaktion wurde zu einer Geschenkereise. Mit Geschenken beladen kamen sie zurück zu Nikolaus.

Ihnen selbst, den Feldherren, funkelten jetzt die Augen. Denn sie hatten von Nikolaus gelernt: Wer Gutes tut, wird gesegnet. So ist der Geist des Herrn ein fruchtbarer Geist. Er pflanzt sich fort, wo wir in Liebe zueinander, das Gute wollen und auch tun.

Nicht alles Leid der Welt wird damit gemindert. Aber wenn wir bei uns anfangen und dem Unrecht widerstehen, dann wächst das Bäumchen der Gerechtigkeit. Wenn wir selbst zur Lüge stehen und zur Vergebung bereit sind, dann geht der Same der Versöhnung auf. Wenn wir selbst hinausgehen und für andere ein paar gute Worte haben, dann wird die Seele wieder fröhlicher sein.

So arbeiten wir mit am Reich Gottes, das mit Jesu Ankunft in dieser Welt begonnen hat. Aber es ist noch unvollendet. Sein Reich muss wachsen. Es wächst dort, wo wir uns selbst einander schenken, so wie Gott sich uns in Jesus Christus geschenkt hat.

Denn er ist das große Geschenk, dass wir in jedem kleinen Geschenk unerfüllter Hoffnungen mitdenken können. Wenn er einst wiederkommen wird, dann wird die Freude alle Trauer hinweg nehmen. Dann wird auch der letzte Funke unserer Sehnsucht in Erfüllung gehen.

Nikolaustag ist Geschenketag. Das Geschenk muss nicht groß sein. Lasst uns einander, was uns guttut, immer wieder neu schenken.

Amen.

 

Segen

So geht in diesen Sonntag
und die neue Woche
unter dem Segen unseres Herrn.

Der Herr segne euch und behüte euch.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch
und sei euch gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch
und gebe euch Frieden.
Amen.