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Zum Buß- und Bettag

In der Mitte der Woche halten wir inne. Wir leiden unter Unrecht. Wir sehnen uns nach Freiheit. Gott befreit zu neuem Leben.

 

 

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde,

der Predigttext für den heutigen Buß- und Bettag steht beim Propheten Jesaja im 1. Kapitel, die Verse 10 bis 17:

Höret des Herrn Wort, ihr Herren von Sodom! Nimm zu Ohren die Weisung unseres Gottes, du Volk von Gomorra! Was soll mir die Menge eurer Opfer?, spricht der Herr. Ich bin satt der Brandopfer von Widdern und des Fettes von Mastkälbern und habe kein Gefallen am Blut der Stiere, der Lämmer und Böcke. Wenn ihr kommt, zu erscheinen vor meinem Angesicht – wer fordert denn von euch, dass ihr meine Vorhöfe zertretet?

Bringt nicht mehr dar so vergebliche Speisopfer! Das Räucherwerk ist mir ein Gräuel! Neumond und Sabbat, den Ruf zur Versammlung – Frevel und Festversammlung – ich mag es nicht! Meine Seele ist feind euren Neumonden und Jahresfesten; sie sind mir eine Last, ich bin´s müde sie zu tragen. 

Und wenn ihr auch eure Hände ausbreitet, verberge ich doch meine Augen vor euch; und wenn ihr auch viel betet, höre ich euch doch nicht; denn eure Hände sind voll Blut. Wascht euch, reinigt euch, tut eure bösen Taten aus meinen Augen. Lasst ab vom Bösen, lernt Gutes tun! Trachtet nach Recht, helft den Unterdrückten, schafft den Waisen Recht, führt der Witwen Sache!  So kommt denn und lasst uns miteinander rechten, spricht der Herr. Wenn eure Sünde auch blutrot ist, soll sie doch schneeweiß werden, und wenn sie rot ist wie Purpur, soll sie doch wie Wolle werden.

 

Liebe Gemeinde,

„Right here, right now is where we draw the line. (…) The eyes of all future generations are upon you. And if you choose to fail us, I say: We will never forgive you.“ Genau hier ziehen wir die Linie. Die Augen aller zukünftigen Generationen richten sich auf euch. Die Entscheidung liegt bei Euch. Wenn Ihr uns enttäuscht, dann sage ich Euch: Wir werden Euch niemals vergeben.“

Die immer wieder als Prophetin bezeichnete Greta Thunberg wählt klare Worte. Diese Worte sollen zuspitzen und provozieren. Sie sollen Unrecht benennen und helfen, den guten Weg in die Zukunft zu finden. Solche Worte müssen zugespitzt formuliert sein, sonst werden sie gar nicht wahrgenommen. Der Prophet Jesaja macht es vor.

Wer an einer Situation leidet, kann das Unrecht mit eigenen Worten benennen. Manchmal braucht er aber auch prominente Fürsprecher, die das Leiden an der Situation verstärken.

Die derzeitige Pandemie-Situation verlangt uns selbst Viel ab. Wir erfahren, wie Recht und Freiheit eingeschränkt werden können. Wir sehen nicht immer die klare Linie. Wir suchen selbst nach einem Standpunkt, den wir noch sicher vertreten können.

Das Geschäft muss schon zum wiederholten Male geschlossen bleiben. Der Ausfall des erwarteten Gewinns des Jahresendgeschäfts wird nicht wieder gut zu machen sein. Die Angst vor der Pleite ist nicht nur eine finanzielle. Sie nagt auch am Selbstwertgefühl. Wer ist für dieses Unrecht verantwortlich? Staatliche Willkür, ein undefinierbares Virus? Wem soll man die Schuld geben?

Führt eine klare Ansage überhaupt irgendwie weiter? Mit klaren Worten, die an Deutlichkeit kaum zu überbieten sind, legt auch Jesaja den Finger in die Wunde. Dabei prangert er nicht nur gesellschaftliches Unrecht an, es geht ihm noch vielmehr um die gelebte oder nicht gelebte Beziehung seiner Mitmenschen zu ihrem Gott.

Wie ist das bei uns? Spielt Gott eine Rolle, wenn wir an dem von uns erfahrenen Unrecht leiden? Er wird das Problem nicht lösen können, könnten wir meinen. Aber könnte es nicht sein, dass der Blick auf Gott doch der Schlüssel für unsere Lösungen sein kann?

Dort, wo wir rote Linien gezogen haben, steht für uns Vieles, Alles auf dem Spiel. Wir sind nicht zu Kompromissen bereit. Wir suchen die Schuld beim Anderen. „Ich bin´s nicht!“, lautet die unterschwellige Botschaft. „Fragen ´se doch mal den da!“

Der sollte eine klare Linie vorgeben, damit wir endlich wieder wissen, wie wir uns richtig verhalten sollen. Der muss schonungslos sein Versagen bekennen und offenlegen, damit das Unrecht, das er anderen zugefügt hat, gesühnt wird und es nicht wieder passiert.

Doch so funktioniert das nicht. Da verheddern wir uns in gegenseitigen Schuldzuweisungen. So ist keine Befreiung möglich. Das erkannte schon Jesaja. Er nimmt sich darum Gott zum Anwalt, den einen Gott, Jahwe, den Herrn der Welt. Das ist sehr hoch gegriffen. Und wir könnten fragen: Mit welchem Recht? Dürfen wir das? Dürfen wir Gott zum Anwalt unserer Anklagen gegen das Unrecht zitieren?

Es wäre freilich gefährlich, wenn wir Gott für unsere niederen Zwecke einspannen würden. Jesaja tut das nicht. Er spricht selbst Gottes richtendes Wort, ohne Gott für sich zu vereinnahmen. Der Herr der Welt bleibt der Herr der Welt. Dieser Herr der Welt stellt auch den Propheten, den Diener am Hause Gottes selbst zur Rede. Der Prophet muss sich an seinen eigenen Worten messen lassen – nicht nur vor der Welt, in die er spricht, auch vor Gott.

In diesen Dienst stellt Jesaja sich selbst, wenn er anklagt, was im Tempel von Jerusalem in seinen Augen falsch ist. Auf den richtigen Opferkult legt ihr Wert, da werdet ihr zu wahren Experten: Was ist die rechte Corona-Liturgie? Mit Gesang oder ganz ohne? G1 entschlankt oder ist das nicht gleich G2 Predigtgottesdienst? Ist die Feier des Abendmahls ohne liturgischen Gesang möglich? – Das sind die Expertenfragen dieser Tage. Aber könnte es sein, dass sie weit weniger relevant sind als das, was draußen vor den Toren der Kirche im Argen liegt?

Schafft Recht den Missbrauchten! Bleibt mit denen im Gespräch, die Angst vor der Pleite haben! Sucht die Einsamen auf und bleibt mit ihnen in Kontakt! Trachtet nach Recht, wo immer es in Abrede steht.

Das ist ein schönes Wort der Zuversicht: Trachtet. Sucht, seid bestrebt danach, den Weg zu finden. Wer so vorgeht, der lässt sich auch mal in Frage stellen, weil er noch nicht weiß, wohin die Reise geht. Wer so vorgeht, fragt Gott in Rede und Gebet nach dem rechten Weg für sich. Wer so trachtet, der ist offen dafür, was Gott und der Nächste ihm sagen will. Trachtet nach Recht für alle, die zu Euch gehören.

Darin liegt die Zukunft. Darin steht sie uns offen. Gott ist kompromisslos mit unserer Kompromisslosigkeit. Er ist kompromisslos mit unserer Sturheit. Seine Gnade durchbricht unsere Blockaden. Rote Linien zu ziehen und Grenzen zu markieren, mag ja manchmal sinnvoll sein. Im Besten Fall zeigen sie uns selbst auf, welchen Begrenzungen unser eigenes Leben unterliegt.

Gott vergibt, wo wir nicht zur Vergebung bereit sind. Darum brauchen wir den Blick auf ihn, immer wieder, heute besonders an diesem Buß- und Bettag.

Unsere Sünde soll hinfort genommen werden. Nicht blutrot, sondern schneeweiß, soll sie sein. Ein solches Wunder kann nur der eine Gott an uns vollbringen. Dieser eine Gott lässt sich nicht von uns einspannen. Er bleibt unser Gegenüber, der uns wie ein guter Freund, der Partner, immer wieder mal in Frage stellt, weil er uns liebt. Er will uns auf den Weg des wahrhaftigen Lebens zurückführen.

Diesem Gott lasst uns vertrauen, wenn wir ihm jetzt sagen, was uns belastet. Amen.

 

Beichte

Lasst uns in der Stille vor Gott bedenken, was uns von ihm und voneinander trennt.

Stille

 

Lasst uns gemeinsam beten

Barmherziger Gott,
wir bekennen, dass wir in Sünde gefangen sind
und uns nicht selbst befreien können.
Wir haben gegen dich gesündigt in Gedanken, Worten und Werken,
durch das, was wir getan,
und durch das, was wir unterlassen haben.
Wir haben dich nicht von ganzem Herzen geliebt,
wir haben unsern Nächsten nicht geliebt wie uns selbst.
Um deines Sohnes Jesu Christi willen erbarme dich unser.
Vergib uns erneuere uns und leite uns,
dass wir Freude haben an deinem Willen und auf deinen Wegen
gehen zur Ehre deines heiligen Namens.
Amen.

 

Vor dem heiligen Gott frage ich euch:

Bekennst du, dass du gesündigt hast,
und bereust du deine Sünden,
so antworte: Ja. –– Ja.

Bittest du um Vergebung deiner Sünden
im Namen Jesu Christi,
so antworte: Ja. – Ja.

Glaubst du auch, dass die Vergebung,
die dir zugesprochen wird,
Gottes Vergebung ist,
so antworte: Ja. – Ja.

Wie ihr glaubt, so geschehe euch.

Was Gott euch in der Taufe gegeben hat,
Vergebung der Sünden
und Befreiung von der Macht des Bösen,
das wird euch heute neu geschenkt.

In der Vollmacht,
die der Herr seiner Kirche geschenkt hat,
spreche ich euch frei, ledig und los:
Euch sind eure Sünden vergeben.

Im Namen + des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes.
Amen.

Der allmächtige Gott, der euch eure Sünden vergeben hat,
gebe euch Kraft, nach seinem Willen zu leben.

 

Segen

Geht in diese Nacht unter dem Segen unseres Herrn:

Der Herr segne dich und behüte dich,
der Herr lasse sein Angesicht
leuchten über euch und sei euch gnädig,
der erhebe sein Angesicht auf euch
und schenke euch + Frieden.
Amen.