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Andacht „Meine Zeit“ – jetzt digital!

Meine Zeit  – in Gottes Händen. Nichts kann man mehr planen, so hatte es den Eindruck die vergangenen Tage. Andererseits: Schon gehen wieder die ersten Planungen für die Zeit danach los. Doch alles steht unter dem Vorsatz: „So Gott will“.

 

Meine Zeit steht in deinen Händen.
Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.
Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden.
Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir.

Das ist der Liedwunsch dieser Woche aus unserer Liedwunschbox in der Kirche. Unsere Zeit steht in Gottes Hand. Zur Zeit erleben wir, wie sie sich ganz anders füllt, als wir es noch vor einer Woche geplant hatten. Der Terminkalender ist mit einem Schlag ziemlich leer geworden. Andererseits hat man am Telefon mal mehr Zeit zu einem Gespräch. So füllt sich die Zeit mit guten Gedanken und Worten. Auch wenn wir uns nicht sehen dabei, so hören wir doch voneinander. Das tut gut. 

Es ist auch Zeit für das Gebet, wenn die Glocken am Mittag um 12 Uhr und am Abend um 18 Uhr läuten. Ein Vaterunser können wir für uns sprechen oder ein Gebet für den Frieden am Mittag etwa (EG 720). Oder einfach das alte Lied summen „Verleih uns Frieden gnädiglich…“ (EG 421).

Überhaupt ist unser Evangelisches Gesangbuch (EG) mehr als ein Liederbuch. Es ist ein Hausbuch für den Glauben und das Gebet im Alltag. Wir können es jederzeit zur Hand nehmen. Denken wir bei unseren Gebeten auch an all die, denen es jetzt noch viel schlechter geht als uns selbst. Denken wir auch an die, die krank sind und schließen sie in unser Gebet ein.

Sorgen quälen und werden mir zu groß.
Mutlos frag ich, was wird morgen sein?
Doch du liebst mich, du lässt mich nicht los.
Vater, du wirst bei mir sein.

Sorgen machen uns die zunehmenden Nachrichten von den schweren Erkrankungen. Was wird morgen sein? Wir ahnen, es wird noch schlimmer. Andere meinen wiederum, dass sei doch alles übertrieben. Wir können uns doch nicht wochenlang einschließen. Legen wir all unsere Sorgen in einem Gebet in Gottes Hand. Lassen wir es nicht zu, dass sie uns quälen. Spenden wir unseren Nachbarn ein Lächeln auf der Straße. Lassen wir uns nicht zu sehr von den vielen dramatischen Nachrichten vereinnahmen. Genießen wir die frische Frühlingsluft am offenen Fenster oder bei einem kleinen Spaziergang in der Natur. Erkennen wir, was uns wichtig ist, neu. Gott ist in allem bei uns. Er lässt uns nicht los.

Amen.  

 

 

 

Andacht vom 18. März

Es wird ruhiger um uns herum. Es dauert länger, sagen die Experten. Es braucht Lieder, die berühren und bewegen.

 

When Israel was in Egypt’s land, let my people go,
Oppress’d so hard they could not stand, let my People go.

Go down, Moses,
Way down in Egypt land,
Tell old Pharaoh,
Let my people go.

 

Liebe Gemeinde,

das geht rein ins Ohr. Jedes Mal, wenn ich diesen Gospel mit den Kindern in der Grundschule singe, sieht man, wie sich die Stimmung aufhellt. Es ist ein Lied, das bewegt.

Heute wäre das wieder dran gewesen. Fünfte, sechste Stunde in der Schule drüben. Mitten in der Geschichte von Mose sind wir stecken geblieben. Auf dunkle Wolken haben die Kinder Bilder zu den zehn Plagen gemalt und dabei die Geschichte nacherzählt, in der Mose beim Pharao mit Gottes Hilfe um die Freiheit seines Volkes rang.

Das dauerte bekanntlich lange. In der Bibel wird Plage auf Plage erzählt, erst das blutrote Wasser, dann die Frösche und Stechmücken. Doch der Pharao von Ägypten lässt sich nicht beeindrucken. Er verspricht Mose und seinem Bruder Aaron die Freiheit, aber sobald die Plagen aufhören, nimmt der arrogante König sein Versprechen immer wieder zurück. Dann kommen Ungeziefer, Viehpest und Geschwüre. Da verstockt das Herz des Pharaos zunehmend. Die Kräfte seiner Magier sind am Ende. Schließlich Hagel, Heuschrecken, Finsternis. Der Pharao bekennt sogar, dass er gesündigt habe, aber sobald Mose draußen ist, ist´s mit seiner Reue vorbei.

Die Erzählung beginnt in der Bibel mit dem Satz: „Das Herz des Pharao ist hart. Er weigert sich das Volk ziehen zu lassen.“ (Ex 7,14) Und am Ende heißt es: „Und Mose und Aaron haben diese Wunder alle getan vor dem Pharao; aber der Herr verstockte ihm das Herz, so dass er die Israeliten nicht ziehen ließ aus seinem Lande.“ (Ex 11,10) Es ist, als träten sie auf der Stelle. Erst die Plage, dann verstockt der Pharao. Wieder kommen sie nicht frei. Eine Lösung der Krise kommt nicht in Sichtweite.

Und doch geschieht unter der Oberfläche Einiges. Die Erzählung arbeitet ja mit den Stilmitteln der Übertreibung, mit Horrorbildern, und auch mit ein wenig Komik. Zumindest finden die Kinder den Frosch im Bett des Pharao meist ulkig. Es entsteht eine Spannung, in der Gott, Jahwe, immer stärker als der Handelnde zum Vorschein kommt. Die irdische Macht des Pharao schwindet dagegen dahin. War er zunächst noch von seinen Magiern begleitet, raten ihm schließlich seine „Großen“ dem Gott Israels zu vertrauen. Doch der Pharao denkt nicht daran. Am Ende steht er ziemlich alleine da.

Tagtäglich werden uns aktuelle Zahlen von Infektionen präsentiert. Ein Ende der Krise ist noch lange nicht in Sicht, sagen die Experten. Treten wir auf der Stelle? Für reichlich Horror und Übertreibung ist gesorgt. Zum Glück gibt´s unter der Oberfläche schon etwas Bewegung. Neues beginnt zu wachsen. Wir Pfarrer richten eine Seelsorge-Hotline ein. Andere organisieren Hilfsangebote für Menschen, die nicht mehr das Haus verlassen können. Allerorten wird die Hoffnung genährt, dass uns die Krise wieder menschlicher machen möge. Aber das gilt es erst noch zu beweisen.

Dass Leid und Entbehrung den Menschen zur Besinnung bringen, ist ein oft bemühtes Wort. Der Pharao aus der Plagenerzählung freilich ist das menschliche Gegenbeispiel, das wir auch allzu gut kennen. Wir tun uns so schwer wie er.

Go down Mose. Es ist ein langer, oft vergeblicher Weg, den Mose geht. Er ist nicht allein. Sein Bruder Aaron hilft ihm beim Reden. Gottes Kraft wird von Tag zu Tag stärker spürbar. Das lässt die beiden durchhalten zusammen mit ihrem Volk. Sie wissen, dass der Weg zur Freiheit lange ist. Sie vertrauen dem Gott, der erlöst und befreit.

Solches Vertrauen schenke Gott uns allen. Amen.

O let us all from bondage flee. Let my people go,
And let us all in Christ be free. Let my People go.

 

 

Andacht vom 17. März

Stille-Andachten gehören seit Jahren zur Passionszeit in St. Leonhard. Anbei finden Sie eine kurze Andacht von Pfarrer Grell zum 17. März 2020. 

 

Liebe Gemeinde,

vielleicht geht´s Ihnen wie mir. Die neuen Nachrichten sind kaum zu fassen. Viele Informationen strömen auf mich ein. Ich kann sie gar nicht alle so schnell verarbeiten. Ich darf keine Gottesdienste mehr feiern, auch keine Andachten mehr. Ich darf – nur unter Auflagen – noch Menschen in meiner Gemeinde besuchen. Ich bin, wie viele andere auch, von jetzt auf gleich, aus meiner alltäglichen Arbeit herauskatapultiert.

Aber es ist nicht so, dass ich nichts zu tun hätte. Ich muss ja funktionieren – in der Krise. Schnelle Absprachen, ideenreiche Lösungen, alles das ist jetzt gefragt. Wenn es sich nicht morgen schon wieder als vergeblich herausstellen würde.

Vom Wochenende bis gestern war es wie eine Schock-Situation. Innere Unruhe schaffte sich in Betriebsamkeit bei mir Ausdruck. Eine gewisse Angst, was das alles – auch auf längere Sicht für uns zu bedeuten hat, wird sich jeder eingestehen müssen. Freilich, neue Aufgaben, hoffnungsvolle Ideen, werden schon allerorten geboren.

Heute hätten wir eine Stille-Andacht zur Passionszeit in unserer St. Leonhardkirche gefeiert. Schon viele Jahre feiern wir diese Passionsandachten mit Taizeliedern, vor allem dem Lied „Meine Hoffnung, meine Freude, meine Stärke, mein Licht …“

Dass wir gerade heute nicht miteinander feiern können, schmerzt besonders, da wir die Hoffnung jetzt dringend brauchen. Beim Propheten Jesaja heißt es: durch Stillesein und Vertrauen würdet ihr stark sein. (Jes 30,15b) In der Stille können wir die Geräusche von draußen besonders wahrnehmen. In der Stille besinnen wir uns auf uns selbst. In der Stille denken wir an Gott, der uns das Leben schenkt. Das gilt auch in unserer Zeit.

Jetzt müssen wir uns in Vieles fügen, was uns vorgegeben ist. Innerlich sperrt sich da Manches in uns. Wir möchten am Liebsten rebellieren. Mit dem Stillesein meint Jesaja nicht, dass wir einfach nur schön stillhalten sollen. Er versteht es geistlich. Bleib bei dir selbst und wende dich Gott zu. Vertraue ihm.

So bleibt die innere Unruhe auch bei aller Einkehr und dem Stillesein noch da. Sie ist nicht vom einen auf den anderen Moment weg. Das ist vielleicht auch gar nicht schlimm. Denn eine gewisse Unruhe in uns wird unsere schöpferische Kraft, unsere Kreativität wachhalten, die wir gerade in diesen Tagen brauchen.

Es grüßt Sie,

Ihr Michael Grell, Pfr.

 

Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht,

Christus, meine Zuversicht, 

auf dich vertrau ich und fürcht´ mich nicht,

auf dich vertrau ich und fürcht´ mich nicht. (EG 697)