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Vierter Advent

Worte der Freude und des Lobes begegnen uns heute am 4. Advent. Auch Worte über unerwartete Wendungen im Leben, aber auch Worte einer großen Verheißung. – Die Predigt zum 4. Advent von Lektorin Ingrid Schwarz.

 

Predigt

 

Liebe Gemeinde,

Der heutige Predigttext steht geschrieben im 1. Buch Mose Kapitel 18, die Verse 1 und 2 und die Verse 9 bis 15.

Und der HERR erschien ihm im Hain Mamre, während er an der Tür seines Zeltes saß, als der Tag am heißesten war. Und als er seine Augen aufhob und sah, siehe, da standen drei Männer vor ihm. Und als er sie sah, lief er ihnen entgegen von der Tür seines Zeltes und neigte sich zur Erde. Da sprachen sie zu ihm: Wo ist Sara, deine Frau? Er antwortete: Drinnen im Zelt. Da sprach er: Ich will wieder zu dir kommen übers Jahr; siehe, dann soll Sara, deine Frau, einen Sohn haben. Das hörte Sara hinter ihm, hinter der Tür des Zeltes. Und sie waren beide, Abraham und Sara, alt und hochbetagt, sodass es Sara nicht mehr ging nach der Frauen Weise. Darum lachte sie bei sich selbst und sprach: Nun, da ich alt bin, soll ich noch Liebeslust erfahren, und auch mein Herr ist alt! Da sprach der HERR zu Abraham: Warum lacht Sara und spricht: Sollte ich wirklich noch gebären, nun, da ich alt bin? Sollte dem HERRN etwas unmöglich sein? Um diese Zeit will ich wieder zu dir kommen übers Jahr; dann soll Sara einen Sohn haben. Da leugnete Sara und sprach: Ich habe nicht gelacht – , denn sie fürchtete sich. Aber er sprach: Es ist nicht so, du hast gelacht.

Herr, segne unser Reden und Hören durch deinen heiligen Geist. Amen.

 

Liebe Gemeinde!

Eine Geschichte von Abraham und Sara in der Adventszeit? Ungewöhnlich! Was hat der heutige Predigttext adventliches an sich? Im Advent, da erwartet man doch einen Hinweis auf das junge Mädchen, das da schwanger wird und einen Sohn gebärt. Da warten wir doch auf Ermahnungen, dass wir wachsam sein sollen, ja hellwach, um ja das große Fest nicht zu verpassen. Vollmundigen Lobpreis der jungen Maria: Meine Seele erhebt den Herrn und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes.

Stattdessen hören wir heute von einem alten Ehepaar, gut eingerichtet im Leben, aber tief frustriert, dass sich der Kinderwunsch nie erfüllt hat. Nie bekamen sie ein Kind. Das ist eine tiefe Kränkung und Not. Aber sie haben es verschmerzt. Ist halt so. Daran lässt sich halt nichts ändern. Am besten nicht mehr drüber nachdenken und die Gedanken verdrängen und Beiseite schieben. Wie passt das zusammen: Zugehen auf den Tag der wunderbaren Geburt im Stall von Bethlehem und die Begegnung mit dem alten, in diesem Bereich vom Leben enttäuschten Ehepaar Abraham und Sara?

Besuch bekommen sie von drei Männern. Ein Hinweis auf die Dreieinigkeit, so könnte man es deuten. Jedenfalls ein hoher Besuch. Ein göttlicher? Wie bei Maria – der Engel. Mit der Botschaft: „Gegrüßet seist du, Hochbegnadete! Der Herr ist mit dir!“ Der Besuch wird eingeladen zu bleiben. Gastfreundschaft wird groß geschrieben. Bleibt da! Wir bewirten euch! Die Männer vor dem Zelt, die Frau hinten im Zelt, in der Küche. Ein sehr patriarchalisches System. Dann kommt der Satz: Ich will wieder zu dir kommen übers Jahr; siehe, dann soll Sara, deine Frau, einen Sohn haben.

Wie bitte? Abraham und Sara können die Verheißung nicht glauben. Ja, wärt ihr mal mit eurer Ankündigung vor 20 Jahren gekommen, da hätten wir uns gefreut. Aber das Thema ist jetzt durch. Wollt ihr noch mehr in unseren Wunden rühren. Das Thema schmerzt uns, lassen wir das Reden darüber. Ist doch alles nur peinlich. Es hat uns genügend schlaflose Nächte gekostet! „Ich will wieder zu dir kommen übers Jahr; siehe, dann soll Sara, deine Frau, einen Sohn haben.“

Und jetzt lacht Sara. Stellen Sie sich die lachende Sara hinten im Zelt vor. Leider ist es kein herzhaftes, kein fröhliches Lachen, sondern eher ein skeptisches, abwartendes Lachen. Vielleicht mit dem Gedanken, „na da wollen wir doch mal sehen, ihr tollen Männer, ob ihr Recht habt!“ Es gibt einen Spruch, den ich zitieren möchte, von wem er stammt weiß ich leider nicht: „Vieles im Leben ist so hoffnungslos verwickelt, dass uns kein Schwert bleibt, den Knoten durchzuhauen, – als das Lachen.“

Und Sara lachte! Da sprach der HERR zu Abraham: Sollte dem HERRN etwas unmöglich sein?

Sollte dem HERRN etwas unmöglich sein??

 Ist es das, was Abraham und Sara, die Weihnachtsgeschichte und auch unsere heutige pandemiegeplagte Zeit verbindet: Sollte dem HERRN etwas unmöglich sein?

Weihnachten, eine unerwartete Wendung? Weihnachten, eine große Verheißung? Sollte dem HERRN etwas unmöglich sein?

Bei Abraham und Sara heißt die Wendung: Sie bekommen ihr längst nicht mehr erwartetes Kind. Isaak wir geboren! Das Leben geht weiter! Die Verheißung besteht! Ich will dich segnen, dich und deine Nachkommen. Für Maria und Josef heißt es: Sie bekommen ihr Kind, unerwartet, zeitlich total unpassend, und gleich wird klar: Da passiert etwas nicht nur für die überraschten Eltern, da passiert etwas für alle Menschen. Seht die gute Zeit ist nah. Gott kommt auf die Erde. Kommt und ist für alle da, kommt das Friede werden. Kommt dass Friede werde.

Weihnachten – eine unerwartete Wendung und eine große Verheißung? Auch für uns? Für 2020? Ich denke, dass wir uns für Weihnachten 2020 voll und ganz auf unerwartete Wendungen und auch eine große Verheißung einlassen sollten. Wir wünschen uns alle momentan so sehr, dass wir wieder miteinander ein normales Leben führen können. Ohne Einschränkungen, ohne Tests, ohne Quarantäne, ohne Mundnasenbedeckungen. Vertrauen wir auf den HERRN. Bei Abraham und Sara hat er die Wendung herbeigeführt.

Sollte dem HERRN etwas unmöglich sein?

Bei Josef und Maria hat er uns eine wunderbare Verheißung gezeigt. Seht die gute Zeit ist nah, Gott kommt auf die Erde. Kommt und ist für alle da, kommt das Friede werde. Kommt das Friede werde. Sara lachte. Maria bewegte das alles in ihrem Herzen. Und wir?

Vertrauen wir doch auf Gottes Zusagen und glauben an das was er uns verspricht. Die drei Männer aber sagen: und über´s Jahr werdet ihr staunen und gute Erfahrungen gemacht haben. Sollte dem HERRN etwas unmöglich sein? Weihnachten steht für unerwartete Wendung – und für eine große Verheißung. Auch dieses Jahr. Auch jetzt.  Mit Jesus ist Gott ein wenig „begreifbar“ geworden. Gott ist Mensch geworden.

Ich möchte Ihnen jetzt noch ein Gedicht von Ilse Pauls vorlesen:

Näher. Nicht so abstrakt.
Eine unerwartete Wendung:
Doch noch einmal das Leben finden.
Sich aussöhnen mit jemandem.
Mit sich selbst.
Den Glauben wieder spüren.
Vertrauen.

Schöpfer, wie kommst du uns Menschen so nah?
Wie kommst du mir so nah?
Das hilft mir zu Zuversicht und Lebensmut.
Das ist mein tiefstes Weihnachten.
Du wirst in mir geboren. Als Hoffnung und neue Lebenszuversicht.
So kann ich weitergehen. Weiterleben.
Eine glückliche Wendung und Verheißung!
Neue Klarheit finden. Selbstvertrauen.
Bei sich selber sein können, weil da noch jemand ist: das göttliche Kind.
Wieder Licht sehen in der Dunkelheit.

Fürchtet euch nicht!
Weihnachten ist eine unerwartete Wendung und eine große Verheißung!
Für Sara und Abraham.
Josef und Maria.
Für dich und für mich!
Einer wird kommen,
der die Knoten deines Lebens auflöst,
der den roten Faden findet,
der aus dem Labyrinth hinaus führt,
der deine schmerzenden Glieder berührt,
der deine Verletzungen heilt.
Und du wirst staunen – ER kommt nicht als Held.
Als kleines Kind wird ER kommen,
mit einem Lächeln voll Wärme,
das alles in dir zerfließen lässt, mit einem Stahlen,
das Glanz in dein Leben bringt,
mit einem Lachen, das dich vergessen lässt, was einmal war.

Sollte dem HERRN etwas unmöglich sein?

Ihm ist alles möglich!

Und der Friede Gottes, der höher ist, als alle menschliche Vernunft bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.