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Silvester

„Meine Zeit steht in deinen Händen.“ – Ein eigenartiges Jahr geht zu Ende. Voller Erwartungen und Hoffnung sind wir im Blick auf das Neue, das kommt.

 

 

Lesung

31[…] Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? 32 Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? 33 Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht. 34 Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja mehr noch, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und für uns eintritt. 35 Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? 36 Wie geschrieben steht (Ps 44,23): »Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe.« 37 Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. 38 Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, 39 weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

 

Predigt

Liebe Gemeinde,

ein kurzer, oberflächlicher Blick auf 2020 verführt uns vielleicht dazu, diesem Jahr den Stempel ‚abhaken‘ aufzudrücken. Aber auch dieses Jahr ist ein ‚anno domini‘ – ein Jahr des Herrn.

Das große Thema war sicherlich Corona. Es beherrschte nahezu seit Beginn des Jahres die Nachrichten. Die daraus resultierenden Einschränkungen machen das Leben schwer. Wir kamen aus der vollen Fahrt von 2019 und machten 2020 eine Vollbremsung. So jedenfalls erscheint es für unsere Großwetterlage in Deutschland.

Aber: es gibt ja nicht nur die Großwetterlage. Jeder einzelne Mensch hier bei uns in Köditz, im Landkreis Hof, in Deutschland, ja, jeder einzelne Mensch auf dieser Erde hatte aber in diesem Jahr nicht nur Corona im Blick.

Viele kamen eben nicht mit Vollgas. Viele wechselten das Jahr mit Bange, Sorge, Angst. Viele hatten überhaupt nicht die Chance, große Pläne für 2020 zu machen. Viele saßen fest in äußerlichen und inneren Zwängen. Ausweglose Situationen. So wie damals… Festgefahren!

Dass sich da nochmal was ändert, damit hatten viele nicht gerechnet! Dass er sie doch noch ziehen ließ. Der Pharao von Ägypten hatte zwar immer wieder versprochen, die Israeliten gehen zu lassen, aber dann hat er es in letzter Sekunde doch immer wieder untersagt.

Viele Jahrhunderte waren die Israeliten in Ägypten und stöhnten unter den Sklavendiensten. Sehnsucht nach Freiheit. Sehnsucht nach dem gelobten Land, das Gott ihnen versprochen hatte. Als kaum noch jemand daran geglaubt hatte, war es so weit…

Hört auf den Predigttext aus dem zweiten Buch Mose im dreizehnten Kapitel:

20 So zogen sie aus von Sukkot und lagerten sich in Etam am Rande der Wüste. 21 Und der Herr zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. 22 Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht.

Lasst uns in der Stille um den Segen des Wortes Gottes beten!

[Stille]

Herr, öffne unsere Herzen und Sinne für dich und dein Wort und tu meine Lippen auf, dass mein Mund deinen Ruhm verkündige. Amen.

 

Liebe Gemeinde,

Gottes Volk ist unterwegs. Aus Ägyptenland führt Gott sein Volk. Aber er führt es nicht mit Vollgas in das gelobte Land. Gott führt sein Volk nach Etam. An den Rand der Wüste. Weg von den Fleischtöpfen Ägyptens, weg von der gewohnten Normalität und der vermeintlichen Sicherheit. Und weg von der brutalen Eingefahrenheit und den Zwängen des Lebens.

Wir ziehen ebenfalls Jahr für Jahr durch unser Leben. Wir ziehen von 2020 hinüber nach 2021 und fragen uns: was wird noch kommen, was wird uns abverlangt werden?

Der Predigttext macht uns Mut. Mit starken Bildern will er uns vergewissern, dass wir mit Gott rechnen dürfen – auch 2021.

Gott ist mit seinem Volk unterwegs. Er löst und befreit von allem, was bindet und festhält. Und auch für uns gilt: Gott will uns befreien, leiten und begleiten auf seinen Wegen. Gott will Wegweiser sein, damit wir gehen können. In den Tag- und Nachtzeiten des Lebens. Aber: woher nehmen wir die Gewissheit, dass auch uns diese Zusage gilt? Müsste man nicht im Blick auf all das Schwere sagen: Gott hat diese Welt verlassen, von seiner Gegenwart ist heute nichts mehr zu spüren?

Ja, es stimmt wohl: Gott zeigt sich uns nicht als der Allmächtige. Nicht als der, der von oben her alles steuert und leitet. Aber, was noch viel erstaunlicher ist: Gott geht mit uns mit. Als Weggenosse, als einer, der mitgeht und mitleidet. In den Nacht- und Wüstenzeiten des Lebens, die schier endlos scheinen. 

21 Und der Herr zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten.

Damit sie Tag und Nacht wandern konnten…

Ich glaube nicht, dass es eine rastlose Wanderung war, die das Volk Gottes absolvierte. Aber egal, ob Tag oder Nacht – Gott lies sein Volk nicht im Stich! Sie konnten im Hellen begleitet wandern, aber auch im Dunkel verloren sie nicht die Orientierung. Die Dunkelheit verlor ihre bedrohliche Macht. Denn hier wie dort ist Gott mit auf dem Weg – in Zeiten der Freude wie auch in Zeiten des Leides.

Mit Feuerschein und Wolke hat Gott sein Volk durch die Wüste geführt. Sie sind aber nicht nur Wegzeichen. Solange die Wolken- und Feuersäule sichtbar war, war für alle sichtbar, dass Gott selbst und direkt anwesend ist. In ihr ist Gott unmittelbar anwesend.

Für uns ist das auch eine Verheißung. Denn auf geheimnisvolle Weise verhüllt, ist Gott auch heute in dieser Welt gegenwärtig. Rund um die Uhr. Tag und Nacht. Er geht voran. Auch im kommenden Jahr. Unübersehbar für jeden, der vertraut.

 

Liebe Gemeinde,

Die Treue, Liebe und Gegenwart Gottes kann man nicht beweisen. Übrigens genauso wenig, wie man die Liebe unter Menschen beweisen kann. Und doch ist Gott bei uns und für uns. Ist Gott für uns, wer kann gegen uns sein? So haben wir es in der Lesung gehört. Wir wissen nicht, was 2021 kommen wird. Aber seid getrost: Gott ist an eurer Seite!

Wie kann ich mir dessen gewiss sein? Seht auf die Krippe mit der brennenden Kerze! Wir kommen von Weihnachten und seiner frohen Botschaft. Das Wort ward Fleisch und wohnte mitten unter uns! Mitten in der finsteren Nacht kam Gott zur Welt und er erhellt dabei auch unsere Nacht. Denn Gott ist nicht der Hocherhabene, der im Himmel fernab von unserem Schicksal thront. Gott ist schon immer ein Gott, der mitgeht. Er wurde Mensch in Jesus Christus!

Selbst wenn 2021 unser letztes Jahr sein sollte: Gott geht auch dann mit uns. Durch den Tod hindurch zum ewigen Leben. So, wie er es bei der Auferstehung Jesu Christi getan hat. Vertraut ihm, dass am Ende nicht der Tod, sondern das Leben auf uns wartet.

Vertrauen wir auf Gott. Schenken wir seinen Verheißungen Glauben. Es ist ein Irrtum, wenn wir meinen, wir hätten das Leben unter Kontrolle und könnten uns verlässlich gegen Unglück und Katastrophen absichern. Das wurde uns in diesem Jahr wohl besonders deutlich vor Augen geführt.

Liebe Gemeinde,
von Erich Kästner stammt das folgende Zitat:
‚Wird’s besser? Wird’s schlimmer?‘ fragt man alljährlich.
Seien wir ehrlich: Leben ist immer lebensgefährlich.

Diese Ausgesetztheit und Ungeschütztheit des Lebens muss aber kein Grund sein, von einer Sorge zur nächsten und von einer Angst zur anderen zu leben. Im Gegenteil.

Denn unser Predigttext lehrt uns ein Grundvertrauen in Gottes helfende Gegenwart. Und so dürfen wir doch trotz der allgemeinen Bedrohungsszenarien, die uns seit Wochen und Monaten begleiten, die Erstarrung überwinden, nur auf alles Bedrohliche vor uns zu blicken.

Wir dürfen und müssen das Jahr 2020 hinter uns lassen. 2021 liegt vor uns wie ein unbekanntes Land. Und Gott geht mit! Er zieht uns voran – als starke und verlässliche Kraft. Tag und Nacht ist er für uns da. Wir sind begleitet und umgeben von Gottes gutem Segen. Er lässt sein Angesicht leuchten über uns und ist uns in seiner Gegenwart freundlich zugewandt.

Ein Gott, der mitgeht, das ist bis heute das wichtigste Merkmal Gottes. So dürfen wir ins Jahr 2021 im Vertrauen gehen, dass wir nicht allein sind. Die große Treue Gottes begleitet und geleitet uns auch im neuen Jahr:

Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben,
weder die Zerbrechlichkeit meiner Existenz
noch meine Sehnsucht nach Jugend
und einem Leben ohne Grenzen,
weder Engel noch Mächte noch Gewalten,
weder die Schlagzeilen dieser Tage
noch die Angst, dass mein Schutzengel
mal nicht aufpasst,
weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges,
weder was heute,
noch was morgen groß und wichtig erscheint,
weder Hohes noch Tiefes,
weder Glückssträhne noch Desaster
noch eine andere Kreatur,
nicht einmal ich selbst
uns scheiden kann von der Liebe Gottes,
die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

Amen.

 

Segen

Gott spricht: Ich will dich segnen
und du sollst ein Segen sein.

Weil Gott dich segnet
kannst du getrost und gelassen
in diesen letzten Abend des Jahres
und das neue Jahr gehen.

Der Herr segne euch und behüte euch.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch
und sei euch gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch
und gebe euch + Frieden.
Amen.