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„Im Dunkel unserer Nacht…“ – Osternacht

„Im Dunkel unserer Nacht entzünde das Feuer, das nie mehr erlischt…“ – Wir feiern die Osternacht nach einem Jahr der Pandemie, weil wir der Hoffnung bedürfen, die Gott uns durch die Auferstehung Jesu Christi schenkt. Hören Sie hier die Osternacht digital, die wir auf dem Platz an der Kirche und fortgesetzt auf dem Friedhof gefeiert haben.

 

Fotos: Kerstin Schödel, Michael Grell.

 

Gesang: Michaela Wilfert, Milly Müller, Sophia Lederer, Jonas Kaufmann, Michael Grell.
Posaunenchor Köditz
Vertrauensfrau Michaela Wilfert, Pfarrer Michael Grell.

 

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Im Dunkel unserer Nacht

Dialog Feuer

S1          Warum brennt das Feuer in der Nacht?

S2          Weil die Nacht finster ist und kalt. Und weil es guttut, in die Glut zu schauen. Das Feuer kann die Gedanken wärmen. Das Knistern weckt Erinnerungen an wärmere Tage: Am Lagerfeuer unter dem Sternenhimmel mit Liedern und Freunden. Aber warum sind heute die Menschen hierhergekommen am frühen Morgen?

S1          Sie sind gekommen, weil es bald hell wird. Sie möchten das erste Licht des Tages sehen: Heute am Ostermorgen… Es ist die Sehnsucht, dass es auch hier hell wird. Wir wollen miteinander Ostern feiern. Die Sehnsucht nach Leben und Licht ist groß. Erzähl uns bitte die Geschichte von Gott und dem Feuer…

S2          Es ist lange her. Die Geschichte stammt aus einer Zeit, die weit zurück liegt. Hör mir zu:

S2          In einem kargen einsamen Land in hügeligem Gelände weideten Schafe und Ziegen. Es war in der Nähe eines Berges. Der hieß Horeb. Es war ein Tag, der war wie der Tag zuvor. Und der Tag davor war wie dieser Tag und wie viele andere Tage. Da erschrak Mose. Er sah einen Dornbusch, der brannte. Doch die Schafe gerieten gar nicht in Panik. Das verwunderte ihn. Sie weideten in aller Ruhe und Friedlichkeit. Sie schienen durch nichts gestört. Der Dornbusch brannte, aber er verbrannte nicht. Da sprach Mose zu sich selbst: Ich will hingehen und die wundersame Erscheinung besehen, warum der Busch nicht verbrennt.

            Als aber der Herr sah, dass er hinging, um zu sehen, rief Gott ihn aus dem Busch und sprach: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich. 5Er sprach: Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land!

6Und er sprach weiter: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Und Mose verhüllte sein Angesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen. 7Und der Herr sprach: Ich habe das Elend meines Volks in Ägypten gesehen, und ihr Geschrei über ihre Bedränger habe ich gehört; ich habe ihre Leiden erkannt. 8Und ich bin herniedergefahren, dass ich sie errette aus der Ägypter Hand und sie aus diesem Lande hinaufführe in ein gutes und weites Land, in ein Land, darin Milch und Honig fließt, (…).

So geh nun hin, ich will dich zum Pharao senden, damit du mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten führst. Mose sprach zu Gott: Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehe und führe die Israeliten aus Ägypten? Gott sprach: Ich will mit dir sein. (…) Ich werde sein, der ich sein werde.

Und Gott sprach weiter zu Mose: So sollst du zu den Israeliten sagen: Der Herr, der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs, hat mich zu euch gesandt. Das ist mein Name auf ewig, mit dem man mich anrufen soll von Geschlecht zu Geschlecht.

S1          Ich mag diese Geschichte von Gott und dem Feuer. Der Anblick des Feuers fasziniert. Unsere Augen sehen unweigerlich dorthin, wo es lodert. So erging es auch dem Mose. Aber mit Feuer spielt man nicht. Jeder weiß, es ist gefährlich. Darum braucht es Distanz um sich herum.
So ist Gott: Faszinierend und doch nicht greifbar. Faszinierend, anziehend ist Gott. Er zeigt sich uns immer unverhofft. Im monotonen Alltag, zwischen Schafhüten und Schafhüten, unvermittelt. Auf einmal ist alles anders. Das Leben nimmt eine andere Wendung. Ich sehe die Welt in neuem Licht. Aber: Gott ist nicht greifbar, nicht einfach für unsere Zwecke zu haben. Wir können ihn nicht auf Knopfdruck einspannen für unsere Vorhaben.

Er ist und bleibt der Ewige. Wie das Feuer, das nie verlischt, niemals mehr verlischt. So ist er, der: Ich werde sein, der ich sein werde. So stellt er sich vor. Was für eine Verheißung! Sie gilt auch uns an diesem Ostermorgen: Ich bin jedes Mal neu fasziniert von dem ersten Licht des Ostermorgens, von dem, was an Ostern geschah und mit uns geschieht, jedes Mal neu – unbegreifbar, aber doch wirklich!

Christus, unser Licht – Gott, sei ewig Dank

 

Verkündigung

Osterevangelium – Matthäus 28,1-10

Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria Magdalena und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. Seine Erscheinung war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee. Die Wachen aber erbebten aus Furcht vor ihm und wurden, als wären sie tot. Aber der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt und seht die Stätte, wo er gelegen hat; und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern: Er ist auferstanden von den Toten. Und siehe, er geht vor euch hin nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt. Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu verkündigen. Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! Und sie traten zu ihm und umfassten seine Füße und fielen vor ihm nieder. Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht hin und verkündigt es meinen Brüdern, dass sie nach Galiläa gehen: Dort werden sie mich sehen.

Christ ist erstanden – EG 99

 

Ostergruß

Der Herr ist auferstanden!
Der Herr ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja!

 

Predigt

Liebe Gemeinde,

vor Kurzem las ich: Das Händeschütteln ist jetzt bei uns ein für alle Male durch. Nach der Corona-Pandemie wird es nicht wieder zurückkommen. Bei aller Rücksicht auf Hygieneregeln habe ich leider auch die Befürchtung, dass der Artikelschreiber recht haben könnte. Aber so ganz will ich mich damit noch nicht abfinden.

Sie wollten nach dem Leichnam sehen. Darum gingen die Frauen zum Grab. Sie wollten ihm nahe sein, in seiner Gegenwart. Noch heute sind es – das dürfte keine falsche Einschätzung sein – mehr Frauen als Männer, die zu den Gräbern auf Friedhöfen unterwegs sind, um diese zu pflegen.

Auch wir sind heute bewusst hierhergekommen, um das Osterevangelium, das Christ ist erstanden zwischen den Gräbern erklingen zu lassen. Werden wir die wiedersehen, die vor uns gehen mussten?

Inmitten der menschlichen Schicksale erklingt das Osterwort wie ein Hoffnungsschimmer. Das Leben unserer Vorfahren und Geliebten, der Geschwister und Kinder, die wir hier zu Grabe getragen haben, war auch herausfordernd. Plötzlich kam der Tod über den einen. Nach langer Krankheit war es Erlösung, versuchten gute Stimmen zu trösten. In den letzten Kriegstagen, kurz bevor alles vorbei war, noch von einer Kugel tödlich getroffen.

Angesichts solcher Schicksale wirkt die Botschaft der Auferstehung doch machtlos. Auf ein Wiedersehen kann man zwar hoffen, aber sie ist doch nur ein frommes Hirngespinst. Man braucht doch nur hinzusehen, wo wir hier stehen.

Aber freilich: Wir könnten auch von dem erfüllten Leben erzählen, das in unseren Gräbern schlummert. Von den wundersamen Begegnungen, den glücklichen Tagen, die ein Menschenleben reich machen. Zum Beispiel von dieser Geschichte, die sich ein paar Jahre nach Kriegsende oben am Straßenrand der 173 ereignete. Ein Ehepaar war schon länger hier im Ort auf der Flucht geblieben. Er arbeitete als Straßenarbeiter oben an der Straße. Eines Tages kam ein junger Mann die Straße entlang von Hof. Er wollte sich aus der Ostzone in die Westzone absetzen, hatte aber ein paar wichtige Papiere im Osten vergessen. So war er nochmals von Hof Richtung Hirschberg unterwegs. Eine eigentlich ungeplante Strecke ging er zu Fuß, als eine innere Stimme ihm sagte: Bleib stehen. Ein kurzer Moment des Erschreckens, bloßes Erstaunen, dann schnell unbegreifliche Freude.  Der junge Mann hatte in dem Straßenarbeiter seinen Vater wiedererkannt und der Vater seinen Sohn. Beide wussten nichts davon, wo sie der jeweils andere zu der Zeit aufgehalten hatte.

Wunderbare Begegnungen, wie diese, sind wie Schätze, von denen man erzählen muss. Sie verändern unser Leben. Sie lassen es reich werden. Sie müssen aber auch wahre Begegnungen sein, nicht nur schriftlich, virtuell, telefonisch. Nein, leibhaftig.

Es fällt uns schwer, diese leibhaftige Auferstehung Jesu zu glauben, von der im Evangelium erzählt wird. Dem ersten Erschrecken der Frauen vor dem leeren Grab weicht jedoch schnell die Zuversicht. Die vollkommene Freude, freilich, stellt sich erst ein, als sie ihn berühren. Sie umfassten seine Füße. Er ist es wirklich. Ja, er lebt!

Die Sehnsucht nach diesen leibhaftigen Begegnungen mit ehrenamtlichen Mitarbeitern, Gemeindegliedern, Kollegen und Freunden, ja auch entfernteren Verwandten, mit denen wir uns nur telefonisch, schriftlich oder virtuell verständigen konnten, ist nach einem Jahr groß. Wir wissen die wenigen Begegnungen zu schätzen. Manche eins zu eins Gespräche sind wie Inseln im Alltag gewesen, nach denen wir uns sehnen.

Und gleichzeitig wird uns bewusst: Es liegen so manche Kontakte brach. Es sind manche Beziehungen zu kurz gekommen. Eine Journalistin formulierte es so: Was ist mit meinen mittleren Bekanntschaften und Freunden, die ich nicht ständig, aber so alle paar Monate doch mal getroffen habe früher. Sind sie weg? Oder kommt alles wieder? Oder wird etwas anderes wichtig werden?

Die Auferstehung Jesu zeigt mir: Es wird nicht so, wie es sich die Frauen ausgemalt haben. Es wurde kein ruhiger Grabgang. Sie wurden aus ihrer Ruhe herausgerissen, aus dem Alltagstrott, in den sich einzurichten begannen. Fasziniert und erschrocken stehen sie vor dem leeren Grab wie Mose vor dem Dornbusch. Wenn Gottes Gegenwart unser Leben durchkreuzt, dann bleibt nichts beim Alten. Das mag uns erschrecken wie die Frauen einst. Aber es steckt darin auch eine tröstliche Zuversicht. Gott belässt es nicht dabei, dass alles so bleibt, wie es ist. Er zeigt sich auf wunderbare Weise.

So bieten unsere Friedhöfe auch eine Chance, dass sich Menschen leibhaftig begegnen und einander ernstnehmen. Dass sie sich in ihrer Trauer gegenseitig stützen und miteinander ins Erzählen kommen. Das geht auch in Corona-Zeiten. Und es geschieht in der Gegenwart derer, die im Glauben an den Auferstandenen Christus noch unter uns sind, auch wenn sie längst von uns gegangen sind.

Weil er auferstanden ist, dürfen wir auf diese Wiederbegegnung hoffen. Auch auf die zahlreichen Wiederbegegnungen, nach denen wir uns hier und jetzt sehnen – mit einem Händeschütteln oder in den Arm nehmen. Ganz leibhaftig. Aus dieser Hoffnung leben wir. Sie hat ihren Grund in der Auferstehung des Herrn, die wir heute feiern. Darum lasst diese Hoffnung niemals fahren, denn:

Der Herr ist auferstanden!
Der Herr ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja!

 

Er ist erstanden – EG 116,1+2

Glaubensbekenntnis

Er ist erstanden – EG 116,3

 

 

Gebet und Segen

Lasst uns beten:

Allmächtiger Gott,
du rufst das Licht und es wird,
du rufst, und die Toten stehen auf,
du schaffst neues Leben.

Lass uns in deinem Licht leben,
ermutige die Ermatteten,
stärke die Kranken,
richte auf, die an der Seele leiden.

Lass dein ewiges Licht leuchten,
denen, die in Trauer sind,
denen, die alle Hoffnung verloren haben,
die sich sehnen nach wahrer Begegnung.

Lass dein Licht leuchten,
für alle, deren Existenz auf dem Spiel steht,
für alle, die schwierige Entscheidungen zu treffen haben,
für Kinder und Jugendliche, die sich danach sehen,
mit anderen zusammen zu sein.

Erneure uns
und bewege uns,
Dein Licht weiterzugeben –
gerade in dieser Zeit.
Amen.

Vaterunser

Sendung und Segen

Wir wollen alle fröhlich sein – EG 100

Glocken – St. Leonhard