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Gottesdienst zum Reformationsfest

Zum Reformationsfest feiern wir Gottesdienst in der St. Leonhardkirche mit Prädikantin Michaela Wilfert.

 

Zum Eingang

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Der Herr sei mit euch, und mit deinem Geist.

Liebe Gemeinde,
ich grüße Sie herzlich zu unserem Gottesdienst. Der Gedenktag der Reformation erinnert uns daran, dass die Kirche und wir selbst immer wieder Erneuerung brauchen. Wir sind angewiesen auf Gottes Wort und seinen Geist. Und wir brauchen die Besinnung auf den, der der Grund unseres Glaubens ist. So mahnt uns auch der Spruch für diesen Tag: Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Ich wünsche uns einen gesegneten Gottesdienst!

Lied EG 362,1+2 – Ein feste Burg ist unser Gott

 

Sündenbekenntnis

Liebe Gemeinde,
manchmal ist es mühsam, Glauben zu leben.
Reformationstage erinnern uns,
unseren Lebensweg genauer zu betrachten.
Sie ermuntern uns, wieder neu nachzudenken:
Bin ich in der Nachfolge Jesu Christi unterwegs?
Muss ich mein Leben verändern,
dass Jesus Christus wieder das Fundament meines Glaubens wird?

In der Stille wollen wir mit diesen Fragen vor Gott treten.

[Stille]

Allmächtiger Herr, lebendiger Gott,
du willst unsere feste Burg sein,
du willst als unser Halt da sein
in allem, was uns begegnet.
Wir dürfen auf deine Zusagen trauen.
Aber wie wenig wissen wir davon in unserem Alltag?

Wir sind müde geworden,
dein Wort zu bezeugen vor den Menschen.
Wir sind müde geworden,
deinen Sohn zu bekennen in dieser Welt.
Wir sind müde geworden,
der Ungerechtigkeit und Unbarmherzigkeit
unserer Gesellschaft entgegenzutreten.
Wir sind müde geworden,
uns und deine Kirche von Dir erneuern zu lassen.

Allmächtiger Gott,
Dir bekennen wir unsere Sünde und Schuld.
Wir beugen uns in Demut vor dir
und bitten aus Herzensgrund:
Gott, sei uns Sündern gnädig
und vergib uns unsere Schuld!
Amen.

 

Gnadenzusage
Der allmächtige Gott hat sich über uns erbarmt.
Er sagt es uns persönlich zu:
Du bist mir recht,
weil Christus für dich gestorben ist;
und du sollst leben,
weil Christus für dich auferstanden ist.

Wer das glaubt und getauft ist, der wird selig werden.
Das verleihe Gott uns allen.
Amen.

 

Gebet des Tages

Gnädiger Gott,
du schenkst deinen Geist
der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.
Lass uns sehen und erkennen,
wo dein Geist unser Leben erneuert und heilt.
Lass uns erfahren
die Kraft und Ermutigung des Glaubens.
Schenke uns Liebe für die Menschen
und Besonnenheit für unser Handeln.
Das bitten wir durch unseren Herrn Jesus Christus,
der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und regiert in Ewigkeit.
Amen.

 

Verkündigung

Lesung – Röm3,21-28
21 Nun aber ist ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbart, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten. 22 Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben. Denn es ist hier kein Unterschied: 23 Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie vor Gott haben sollen, 24 und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist. 25 Den hat Gott für den Glauben hingestellt zur Sühne in seinem Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit, indem er die Sünden vergibt, die früher begangen wurden 26 in der Zeit der Geduld Gottes, um nun, in dieser Zeit, seine Gerechtigkeit zu erweisen, auf dass er allein gerecht sei und gerecht mache den, der da ist aus dem Glauben an Jesus. 27 Wo bleibt nun das Rühmen? Es ist ausgeschlossen. Durch welches Gesetz? Durch das Gesetz der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens. 28 So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.

Glaubensbekenntnis

Wochenlied EG 341– Nun freut euch, lieben Christen g´mein

 

Predigt

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde!

‚Die Menschen haben vergessen, dass sie Gott vergessen haben.‘ Diesen Satz hat Wolfgang Huber einmal gesagt. Und ja, da ist schon was Wahres dran. Viele Menschen wissen nichts oder nur sehr wenig von Gott und deshalb vermissen sie Gott auch nicht. Gott? Vergessen!

Viele Menschen wissen deshalb auch nicht, dass sie einer sieht und mit Augen voller Liebe anschaut. Sie haben noch nie gehört, dass Gott selbst die Haare auf ihrem Haupt gezählt hat. Und es ist ihnen niemals gesagt worden, wie kostbar und wertvoll sie für Gott sind.

Hört auf die Worte des Predigttextes aus dem 10. Kapitel des Matthäusevangeliums. Dieser Textabschnitt steht im Zusammenhang der Aussendung der Jünger durch Jesus. Ich lese die Verse 26b bis 33:

26 Es ist nichts verborgen, was nicht offenbar wird, und nichts geheim, was man nicht wissen wird. 27 Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht; und was euch gesagt wird in das Ohr, das verkündigt auf den Dächern. 28 Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können; fürchtet viel mehr den, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle. 29 Verkauft man nicht zwei Sperlinge für einen Groschen? Dennoch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater. 30 Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Haupt alle gezählt. 31 Darum fürchtet euch nicht; ihr seid kostbarer als viele Sperlinge. 32 Wer nun mich bekennt vor den Menschen, zu dem will ich mich auch bekennen vor meinem Vater im Himmel. 33 Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem Vater im Himmel.

Soweit die Worte der Heiligen Schrift. Lasst uns in der Stille um den Segen des Wortes Gottes beten!      

[Stille]

Herr, öffne unsere Herzen und Sinne für dich und dein Wort und tu meine Lippen auf, dass mein Mund deinen Ruhm verkündige! Amen.

 

Liebe Gemeinde,

Jesus beauftragt seine Jünger, seine gute Nachricht unter das Volk zu bringen. Gute Nachrichten gehören nicht eingesperrt, sondern sie sollten reichlich geteilt werden. Laut soll das Evangelium ausgesprochen und verkündigt werden. Nicht hinter vorgehaltener Hand oder im stillen Kämmerlein hat es seinen Platz. Nur wenn das Wort Gottes mit Menschen in Berührung kommt, kann es seine befreiende und frohmachende Kraft entwickeln.

Es gibt viele Möglichkeiten und Wege, Gottes Wort unter die Leute zu bringen. Natürlich fällt uns da vor allem die sonntägliche Predigt, eine Andacht oder eine Bibelarbeit sein. Aber es kann auch ein Gespräch in der Familie sein oder das Einüben von Gebeten und kleinen Ritualen mit Kindern. Es kann ein berührendes Musikstück oder eine Karte zur rechten Zeit sein. Oder ein Besuch, ein freundliches Wort, das gemeinsames Aushalten von Ohnmacht, Kummer und Leid. Das alles kann ganz viel von der Kraft und der Hoffnung des Glaubens verkündigen, teilweise auch völlig ohne Worte. Jesu frohe und gute Botschaft muss unter die Leute gebracht werden – mit unserem Reden und Handeln, mit unserem Leben.

Liebe Gemeinde,

Jesus ist bewusst, dass wir Menschen eine ängstliche Natur haben und möchte uns Mut machen. Und so wirbt er um unser Vertrauen. Seid gewiss, ihr steht nicht alleine da. Gott selbst steht an Eurer Seite und lässt Euch nicht allein. Er geht mit und fängt Euch auf, auch wenn es hart auf hart kommt, ja, sogar dann, wenn es ums Äußerste geht und Ihr für Euren Glauben verfolgt werdet und in Eurem Leben bedroht seid. Ihr bleibt – lebendig oder tot – Gottes Kinder und seine Hausgenossen. Verlasst Euch darauf. Im Leben und im Sterben. Geht euren Weg. Ohne Angst, im Vertrauen auf Gott und in seinem Frieden.

Angst, liebe Gemeinde, ist etwas, das wir schwer beiseiteschieben können. Und dabei gibt es eine so unzählig große Anzahl verschiedenster Ängste, die uns befallen können. Unser Predigttext rät uns, nicht vor Menschen Angst zu haben: 28 Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können; fürchtet viel mehr den, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle.

Doch viele von uns beunruhigt der zweite Teil dieses Verses noch viel mehr. Gottesfurcht bzw. regelrechte Angst vor Gott. Höllenängste. Liebe Gemeinde, Sie sind in prominenter Gesellschaft, denn Martin Luther fand sich ebenfalls in dieser Angst vor Gott.

In Gott sah er einen strengen Richter, der alle Sünden und Übertretungen sieht und bestraft. Martin Luther trieb die Angst, er könne Gott nicht genügen. Er wollte Gott ehrfürchtig nachfolgen und alle Gebote halten. Aber immer wieder sündigte er, obwohl er es nicht wollte. Die Angst vor Tod und Teufel quälte ihn. Immer wieder stellte er die Frage: wie bekomme ich einen gnädigen Gott?

Bußübungen, Fasten und unzählige Gebete hatten Martin Luthers Gewissen nicht beruhigen können. Er empfand sich immer fehlerhaft und als einer, der es nicht wert war, von Gott geliebt zu werden. Er fürchtete den gnadenlosen Anspruch eines richtenden und verurteilenden Gottes, den er durch nichts erfüllen konnte.

In der Beschäftigung mit dem Römerbrief schenkte Gott ihm die Erkenntnis, die seinen Glauben von Grund auf veränderte. In unserem Verhältnis zu Gott kommt es nicht auf unser Tun an, sondern allein auf Gottes Handeln an uns.

Gottes Gerechtigkeit ist kein gnadenloser Maßstab, an dem wir gemessen werden und dem wir niemals genügen können. Gottes Gerechtigkeit wird uns von Gott geschenkt und zwar ohne irgendeine Vorleistung. Wir können nichts tun, damit Gott uns gnädig ansieht. Aber wir müssen auch nichts tun. Wir müssen Gott weder überreden, noch müssen wir ihn gnädig stimmen. Gott ist gnädig – und gerecht.

So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.  [Römer 3,28]

Gottes Gerechtigkeit entspricht oft nicht unserem Verständnis von Gerechtigkeit. Gottes Gerechtigkeit beschreibt vielmehr die Beziehung zwischen Gott und uns. Wir sind Gott recht – so wie wir sind. Wir sind wertvoll in Gottes Augen. Das ist uns von Gott geschenkt!

In unserer Gesellschaft bestimmt häufig die Schönheit, die Jugendlichkeit und die Leistungsfähigkeit den persönlichen Lebenswert. Aber was ist mit denen, die aus verschiedenen Gründen nicht mithalten können?

Die Botschaft Jesu hingegen schenkt uns da einen gelassenen Blick: Du bist von Gott geliebt! Du bist wertvoll! Du bist Gott recht! Jesus Christus hat sein Leben für dich gelassen. Gibt es einen größeren Liebesbeweis?

Liebe Gemeinde,

und doch steht da noch der zweite Teil des Verses 28: fürchtet viel mehr den, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle.

Was meint denn nun dieses Fürchten? Ehrfürchtig sein meint anerkennen, dass Gott größer ist. Größer als ich. Größer als alles, was mich umgibt. Größer als meine Sorgen und Ängste und auch größer als mein Können und Vermögen. Größer als all die Ansprüche, die ich an mich selbst stelle und auch die Ansprüche, die andere an mich stellen. Gott fürchten heißt: Gott die Ehre zu geben, indem ich ihm vertraue und alles von ihm erhoffe.

Wir dürfen alles von Gott erhoffen, weil wir in Gottes Augen wertvoll sind. Jesus spricht Gottes Fürsorge in den Bildern von den gezählten Haupthaaren und den Sperlingen an. Gott kümmert sich in Liebe um jedes seiner Geschöpfe. Und auch wenn Sperlinge die billigsten Vögel jener Zeit waren –für sie sorgt der Schöpfer. Wir dürfen unser Leben gestalten in dem Bewusstsein, dass Gott mit uns ist.

Liebe Gemeinde,

offen und ehrlich, einfach und leicht verständlich sollen wir von Gott und seiner Liebe zu uns Menschen erzählen. Nicht kryptisch und mit einem frommen Spezialwortschatz, nein! Wir sind aufgerufen, Jesus groß zu machen. Nichts soll verborgen bleiben. Tragt es also in die Welt mit deutlichen Worten, so dass jeder Mensch sie hören und verstehen kann. Mit glaubwürdigen Worten, denen Taten folgen und die Lust machen, Glauben zu wagen.

Die Leute müssen es doch wenigstens einmal gehört haben: Liebe macht nicht abhängig, sondern frei. Verantwortung vor Gott macht nicht klein, sondern gibt dem Menschen Würde. Und Hoffnung auf Gott macht nicht dumm, sondern zuversichtlich und froh.

Nur einmal wenigstens müssen es die Leute doch gehört haben! Denn: wie sollen sie an den glauben, von dem sie nichts wissen und von dem sie auch nichts gehört haben?

Und der Friede Gottes, der höher ist, als alle menschliche Vernunft
bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Lied EG 604,1-3 – Den Herren will ich loben

 

Gebet und Segen

Fürbittengebet
Heiliger, ewiger Gott,
aus deiner Gnade leben wir.
Du hast sie uns im Leiden, Sterben und Auferstehen
deines geliebten Sohnes geschenkt.
Durch ihn hast du uns zu deinen Kindern berufen.
Du erneuerst uns und unser Leben und so bitten wir dich:

Für alle, die nichts mehr zu hoffen haben in dieser Welt,
dass sie dich als ihre Hoffnung erkennen.
Für alle, die stark und mutig sind in ihrem Leben,
dass sie dich nicht vergessen, als den,
der ihnen Kraft und Mut gegeben hat.

Wir bitten dich für alle, die das Wort deiner Vergebung predigen
und für alle, die das Wort hören.
Für uns alle, dass wir glaubwürdige Zeugen
deiner göttlichen Wahrheit werden.

Du bist der Herr der Gemeinde, der Herr deiner Kirche.
Lass sie in Wahrheit und Frieden wirken und leben.
Wo deine Kirche feige ist, ermutige sie;
wo sie träge ist, erneuere sie;
wo sie irrt, schenke Einsicht durch dein Wort;
wo sie auf dem rechten Weg ist, stärke sie;
wo sie in Not ist, sorge für sie;
und wo sie zerstritten ist, vereine sie.

Wir bitten dich heute ganz besonders für unseren Bischof und alle,
die in der Kirche mitarbeiten,
dass sie aus deinem Wort leben
und sich von deinem Geiste treiben lassen.

Wir bitten für die Schwestern und Brüder,
die ihren Glauben nicht in Freiheit leben können,
stärke sie und halte sie nah bei dir.
Steh ihnen in besonderer Weise bei, wenn ihr Leben bedroht wird.
Lass sie nicht abirren von Dir.

Für Kranke, Sterbende und Trauernde bitten wir,
dass sie deine Nähe in besonderer Weise spüren dürfen.
Für unsere Verstorbenen bitten wir,
dass sie durch deine Gnade gerettet werden.
Für uns selber bitten wir,
dass wir in kindlichem Vertrauen alles von dir erwarten.

Mache uns zu neuen Menschen durch deinen Heiligen Geist.
Dir, dreieiniger, barmherziger Gott,
legen wir unsere Bitten hin und
beten, wie es uns Jesus Christus gelehrt hat:

Vaterunser

 

Sendung und Segen

Gott spricht:
‚Ich will dich segnen
und du sollst ein Segen sein!’

So geht nun in diese neue Woche
unter dem Segen des Herrn!

Der Herr segne euch und behüte euch.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten
über euch und sei euch gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch
und gebe euch + Frieden.
Amen.