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Gottesdienst zum Pfingstfest – 1. Juni

Ein Geist – viele Gaben. Ein Leib – viele Glieder. Die Bibel findet zahlreiche Bilder für die Vielfalt der Begabungen in der Gemeinde. Denn der Geist Gottes wirkt auf vielfältige Weise…

 

Zum Eingang

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
‚Nehmt hin den Heiligen Geist!‘ So spricht Jesus seinen Jüngern den Heiligen Geist, den Tröster, die Kraft aus der Höhe zu. So spricht er es auch uns, seiner Gemeinde, zu. Sein Heiliger Geist führt uns zu ihm, sammelt uns, gibt uns die zu Liebe zu Christus ins Herz und hilft uns, wie Petrus zu bekennen: Du bist der Christus, des lebendigen Gottes Sohn.
Möge Gott uns mit seinem Heiligen Geist erfüllen und uns diesen Gottesdienst segnen.

 

Besinnung

Vor Gott halten wir inne und legen in der Stille ab,
was uns beschäftigt und den Atem nimmt,

[Stille]

Gott, wir trauen deinem Geist oft wenig zu.
Wir verlassen uns lieber auf unsere Möglichkeiten
und wir verzichten darauf, aus deiner Kraft zu leben.

Du bist unter uns gegenwärtig durch deinen Geist.
Du willst uns ermutigen und stärken,
aber wir riskieren es selten, aus deinem Geist zu leben.

Du willst uns durchströmen mit deiner Schöpferkraft, deinem Atem.
Du erfüllst uns und bist in uns lebendig,
aber wie oft stehen wir deiner Wirkkraft im Wege.

Komm, Gott! Komm, Heiliger Geist,
sanft wie eine Taube,
brennend wie Feuer,
kraftvoll wie der Wind.
Mach uns lebendig!
Amen.

 

Wir beten mit Worten des 118. Psalms
(Psalm 118, 24-29)

Dies ist der Tag, den der Herr macht;
lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.
O Herr, hilf! O Herr, lass wohlgelingen!

Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!
Wir segnen euch, die ihr vom Hause des Herrn seid.
Der Herr ist Gott, der uns erleuchtet.
Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars!

Du bist mein Gott und ich danke dir;
mein Gott, ich will dich preisen.
Danket dem Herrn; denn er ist freundlich,
und seine Güte währet ewiglich.
Amen.

Lied „O komm du Geist der Wahrheit“
EG 136,1.2.7

 

Verkündigung

 

Lesung aus dem ersten Brief an die Gemeinde in Korinth, Kapitel 12, Verse 4-11:

4 Es sind verschiedene Gaben; aber es ist ein Geist. 5 Und es sind verschiedene Ämter; aber es ist ein Herr. 6 Und es sind verschiedene Kräfte; aber es ist ein Gott, der da wirkt alles in allen. 7 In einem jeden
offenbart sich der Geist zum Nutzen aller; 8 dem einen wird durch den Geist gegeben, von der Weisheit zu reden; dem andern wird gegeben, von der Erkenntnis zu reden, nach demselben Geist; 9 einem andern Glaube, in demselben Geist; einem andern die Gabe, gesund zu machen, in dem einen Geist; 10 einem andern die Kraft, Wunder zu tun; einem andern prophetische Rede; einem andern die Gabe, die Geister zu unterscheiden; einem andern mancherlei Zungenrede; einem andern die Gabe, sie auszulegen. 11 Dies alles aber wirkt derselbe eine Geist und teilt einem jeden das Seine zu, wie er will.  

Dies sind die Worte der Heiligen Schrift.
Der Herr segne sie an uns durch die Kraft seines Heiligen Geistes. Amen.

 

Glaubensbekenntnis
Ich glaube an Gott,
den Vater, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria.
Gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Hinabgestiegen in das Reich des Todes.
Am dritten Tage auferstanden von den Toten.
Aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige, christliche Kirche.
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

 

Lied EG 182, 9 – „Halleluja.“
Freut euch ihr Christen, nehmt war, was Gott verheißt,
dass wir im Dunkel nicht treiben:
Wahrheit und Licht und die Kraft durch seinen Geist
in seiner Liebe zu bleiben.

 

Predigt

Gnade sei mit Euch
und Friede von Gott unserem Vater
und dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

 

Hört den Predigttext aus dem Johannesevangelium. Ich lese aus dem 20. Kapitel die Verse 19-23:
19 Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! 20 Und als der das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite, Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen. 21 Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. 22 Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist! 23 Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.

 

Lasst uns in der Stille um den Segen des Wortes Gottes beten.
Herr, öffne unsere Herzen und Sinne für dich und dein Wort und tu meine Lippen auf, dass mein Mund deinen Ruhm verkündige. Amen.

 

Liebe Gemeinde,

diese Worte aus dem Johannesevangelium stehen unmittelbar im Anschluss an die Auferstehung Jesu. Maria durfte Jesus am leeren Grab sehen und wahrscheinlich ist sie freudig zu den Jüngern zurückgelaufen und hat ihnen von ihrer Begegnung mit Jesus erzählt. Aber: wer glaubte damals schon einer Frau?

Völlig geschockt von den Ereignissen des Karfreitags und aus Angst, vielleicht auch noch verhaftet zu werden, versammelten sich die Jünger hinter verschlossenen Türen.  Verschlossen. Verbarrikadiert. Eng.

So, wie die Türen verschlossen waren, so war es ihnen auch um’s Herz. Zugeschnürt bis oben hin. Tief saßen die Erlebnisse der vergangenen Tage. Schwer lastet der Verrat, die Verleugnung und die Tatsache, dass sie ihn, ihren geliebten Herrn und Meister, in seinen schlimmsten Stunden allein ließen. Trauer, Schwermut und Angst hatten sie fest im Griff.

Ich glaube, liebe Gemeinde, wir können uns sehr gut hineinfühlen, wie es den Jüngern damals ging. Auch wir kennen ja solche Situationen, in denen sich unser Herz wie zugeschnürt, wie verschlossen anfühlt. Wir stehen ja in dieser Reihe der Jünger. Wie oft zweifeln wir? Wie oft wünschen wir uns ein eindeutiges Zeichen von Gott? Wie oft haben wir Angst vor ‚denen da draußen‘, vor der Zukunft, vor dem Leben, vor dem, was uns erwarten könnte?

Doch das Beeindruckende dieses Textabschnittes ist für mich, dass Jesus seine Jünger heimsucht, ihnen begegnet. Gerade in dieser für sie schwierigen Zeit. Er klopft nicht einfach an der Tür und hofft, dass sie ihm schon auftun werden. Er begegnet ihnen tiefer. Er begegnet ihnen in ihrem selbstgewählten Gefängnis. Mit seiner Gegenwart bringt Jesus sie in Beziehung mit ihm, mit der Vergebung, mit dem Leben. Noch in der Isolation rüstet Jesus die Jünger mit dem zu, was sie für ihren Auftrag brauchen, den Jesus ihnen jetzt geben wird.

Friede sei mit Euch!

Das ist der Schlüssel zu ihren Herzen. Friede sei mit Euch – Friede für Eure Herzen. Friede mit Gott. Denn es ist vollbracht! Am Kreuz erwirkte Jesus Vergebung für alle Sünden. Die Verbindung zu Gott ist durch Jesus wieder hergestellt. Friede kann sein. Friede für die verängstigten Seelen. Friede für jedes Leben.

Doch Jesus macht noch etwas Anderes. Er haucht sie an und spricht: ‚nehmt hin den Heiligen Geist‘. Mit dieser Geste macht Jesus einmal mehr seine Göttlichkeit deutlich: so, wie Gott, der Schöpfer, Adam mit Lebensatem füllte, so schenkt Jesus uns neuen Lebensatem. Was tot war, darf neu leben, darf Atem holen.

Der Heilige Geist ist die Lebensenergie, die aus Erstarrung befreit, die Kraft zum Leben schenkt, die die Ketten der Angst sprengt. Da werden aus Toten Lebendige. Jesus selbst lässt sie auferstehen. Nicht erst nach dem leiblichen Tod. Auch schon heute dürfen wir als wahrhaft Lebendige durch das Leben gehen. Das ewige Leben hat bereits angefangen! Lassen wir uns mitreißen, lassen wir uns begeistern von dieser göttlichen Lebensenergie, von der Kraft aus der Höhe!

Liebe Gemeinde,
aber unser Text ist noch nicht zu Ende!

Verbunden mit dieser begeisternden Begegnung gibt Jesus seinen Jüngern einen Auftrag: Ihr seid jetzt dran! Ihr, die ihr Vergebung und neues Leben empfangen habt, geht ihr nun hinaus und lasst es allen kundwerden! Vergebung und Leben soll nicht auf die Gruppe beschränkt sein, die Jesus an diesem Abend sehen durften. Jesus will, dass seine Botschaft alle hören. Grenzen soll es für diese Botschaft nicht geben.

Friede mit Gott, Vergebung, ewiges Leben soll jedem zuteilwerden können. Und so verstehe ich das Wort vom Sündenerlass. Jedem soll kundwerden, dass es einen Ort gibt, wo Sünden abgeladen werden können. Denn Jesus hat die Vergebung der Sünden ja bereits erwirkt. Das gilt, das ist seit dem Tod Jesu am Kreuz wirksam. Aber nicht jeder auf dieser Erde hat davon gehört. Deshalb: Geht hinaus und tragt die Vergebung der Sünden weiter.

23 Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen…

Aber dann steht da noch ein etwas schwer verständlicher Beisatz:

…und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.

Hm? Wie ist denn das gemeint? Kann es sein, dass wir uns als Richter aufschwingen und Menschen den Zuspruch der Vergebung vorenthalten? Nun, ich glaube: sicher nicht!

Ich glaube vielmehr, dass dieser Vers 23 uns der Ernsthaftigkeit versichern soll, die hinter der Vergebung steht. Es geht um das Kostbarste – um das Leben! Jesus hat sein Leben gelassen, damit wir versöhnt werden mit Gott. Da geht es nicht um einen Spaziergang.

Der Vers 23 macht uns bewusst: wo Gottes Wort nicht gehört, nicht im Glauben aufgenommen wird, bleiben Menschen in der Gottesferne. Es geht also nicht darum, den Zuspruch der Sündenvergebung zu verweigern. Das, meine ich, steht uns auch nicht zu, denn Sünden vergeben kann allein nur Gott. Wir dürfen aber als seine Jünger die Botschaft von der Vergebung in die Welt tragen. Und wir sollten in Blick behalten, dass dies ein ernsthaftes Geschäft ist.

Und so dürfen wir getrost um den Heiligen Geist bitten, der aus uns fehlbaren Menschen begeisterte Jünger macht. Wir dürfen um den Heiligen Geist bitten, dass er in uns Glaube wirkt und uns bewegt, Menschen von der Vergebung und der Kraft der Auferstehung zu erzählen. Amen.

Und der Friede Gottes,
der höher ist, als alle menschliche Vernunft
bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen.

Lied: EG 134, 1-3 – „Komm, o komm, du Geist des Lebens“
Text: Heinrich Held 1693. Melodie: Meiningen 1693. Satz: Jürgen Pister 2004.

 

Gebet und Segen

 

Fürbittengebet

Herr, unser Gott, wir bitten dich um deinen Geist,
der uns stark macht im Glauben, fröhlich und geduldig,
der uns mit Hoffnung erfüllt und unsere Phantasie beflügelt.
Komm, Heiliger Geist!

Wir bitten dich, Gott, um den Geist der Freude
für alle, die ihre Freude am Leben verloren haben,
für alle, denen das Lachen vergangen ist.
Komm, Heiliger Geist.

Wir bitten dich, Gott, um den Geist des Verstehens
für alle, die sich unverstanden fühlen,
für alle, die für andere kein Verständnis aufbringen können.
Komm, Heiliger Geist.

Wir bitten dich, Gott, um den Geist des Friedens
für alle, denen Macht mehr gilt als Leben,
für alle, die unter Gewalt und Krieg leiden.
Komm, Heiliger Geist.

Dein Geist helfe unserer Schwachheit auf
und lasse uns erfahren,
dass denen, die dich liebhaben, alle Dinge zum Besten dienen.
Dir sei Ehre in Ewigkeit. Amen.

Vaterunser

 

Lied EG 132 – „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen“

 

Sendung und Segen

Jesus Christus spricht: Friede sei mit euch!
Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

Und so geht in diesen Pfingsttag unter dem Segen unseres Herrn!

Der Herr segne Euch und behüte Euch.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Euch und sei euch gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf Euch und gebe Euch Frieden.
Amen.

Lied: EG 136, 7 – O komm, du Geist der Wahrheit
Text: Johannes Niedling (?) 1651. Melodie: Köln 1623, Samuel Scheid 1650. Satz: Jürgen Pfiester.

 

Herzlichen Dank die Sängerinnen und Sänger
Milly Müller, Michaela Wilfert, Jonas Kaufmann, Michael Grell unter Ltg. von Dekanatskantorin Sophia Lederer
sowie an Tobias Schwarz, der unseren Gesang für diesen Online-Gottesdienst aufgenommen hat.