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Gottesdienst an Christi Himmelfahrt

Christi Himmelfahrt haben wir mit zwei Gottesdiensten im Garten der Wagnerei gefeiert, zu denen ca. 60 Personen gekommen sind. Damit Sie den Gottesdienst auch zu Hause feiern können, führen wir die Reihe der Online-Gottesdienste fort.

„Danke, liebe Kirche, war sehr schön im Garten.“ – „War heute wunderschön. Vielen Dank.“

 

Zum Eingang

 

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Christi Himmelfahrt feiern wir Gottesdienst an getrennten Orten: Im Garten der Wagnerei in Köditz, auf der Wiese der Kreuzkirche, in Leupoldsgrün oder zu Hause. Gottes Himmel spannt sich weit. Unter seinem Himmel sind wir vereint, wo und wann immer wir auch feiern.

Lied EG 561,1.3.4 – Wir feiern deine Himmelfahrt

 

Besinnung
Herr, wir bringen vor dich, was uns in diesen Zeiten bewegt:
Die Stille Freude darüber, das wir wieder gemeinsam Gottesdienst feiern dürfen.
Die Befürchtung, dass all die Lockerungen wieder zu neuen Infektionen führen.
Die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes und weiterer Kurzarbeit.
Die Unmöglichkeit, sich mit anderen in Gemeinschaft treffen zu können.
Die Peinlichkeit und alle Unbequemlichkeit unter der Gesichtsmaske.
Die Sorge, dass diese Krise viel länger dauern wird und unser Leben viel tiefgreifender verändern wird als wir es gerade noch erahnen.
Den Verlust des verlässlichen Planens und Handelns angesichts immer neuer, sich teilweise widersprechender, Anordnungen.

Herr, wir bringen all das, was uns besonders bewegt, vor dich in der Stille:

Stille

Herr, sieh uns an, richte uns auf und lass uns Dein Wort als Stärkung für diesen Tag und die vor uns liegende Zeit erfahren. Amen.

 

Psalm 47
Lasst uns beten mit den Worten des 47. Psalms:
Schlagt froh in die Hände, alle Völker,
und jauchzt Gott mit fröhlichem Schall!
Denn der Herr, der Allerhöchste, ist zu fürchten,
ein großer König über die ganze Erde.
Er zwingt die Völker unter uns
und Völkerschaften unter unsere Füße.
Er erwählt uns unser Erbteil,
die Herrlichkeit Jakobs, den er liebt.
Gott fährt auf unter Jauchzen,
der Herr beim Schall der Posaune.
Gott ist König über die Völker,
Gott sitzt auf seinem heiligen Thron.
Die Fürsten der Völker sind versammelt
als Volk des Gottes Abrahams;
denn Gott gehören die Schilde auf Erden;
er ist hoch erhaben.
Amen.

 

Verkündigung

 

Lesung
Die Lesung für den heutigen Feiertag Christi Himmelfahrt steht bei Lukas 24. Kapitel, die Verse 50 bis 53:
Jesus führte seine Jünger hinaus nach Betanien
und hob die Hände auf und segnete sie.
Und es geschah, als er sie segnete,
schied er von ihnen und fuhr gen Himmel auf.
Sie aber beteten ihn an
und kehrten zurück nach Jerusalem
mit großer Freude
und waren allezeit im Tempel und priesen Gott.

 

Grußbotschaft aus der Kreuzkirche
von Vertrauensmann Stefan Gebhardt (Trompete) und Pfr. Dr. Westerhoff (Geistliches Grußwort)

 

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde,
die Nachricht, dass der heutige Gottesdienst hier stattfinden soll, war noch keine 24 Stunden alt, da waren schon die emsigen Hände beim Unkraut jäten und herrichten des Gartens. Allerorten ist der Drang zu verspüren, etwas für die Gemeinschaft tun zu dürfen; etwas, was bisher nicht möglich war.

Unsere Möglichkeiten, einander zu treffen, sind nach wie vor eingeschränkt. Da müssen die Beziehungen auf andere Art und Weise aufrecht erhalten werden. Die Zeit haben wir uns mit zahlreichen längeren Telefonaten vertrieben. Unendlich viele Textnachrichten wurden gesendet und noch viel mehr aufmunternde und einander erheiternde Smileys oder Emojis.

Diese kleinen Zeichen sagen oft mehr als viele Worte. Sie bringen unsere Gefühlsregungen zum Ausdruck oder vermitteln eine hintergründige Botschaft. Die hochgezogene Augenbraue hinter dem Satz setzt dazu: „Naja, du weißt schon, wie ich´s mein!“. Der lachende Mond mit den Tränen sagt: „Jetzt wär´s schön mal gemeinsam laut zu lachen!“ – auch wenn wir grad nicht beieinander sein können.

Beziehungen leben davon, dass wir unsere Gefühle miteinander teilen können. Oft geschieht das ganz nebenbei. Aber es ist für unser Zusammenleben und uns selbst ganz wichtig. Jetzt, da es uns oft fehlt, wird uns das besonders bewusst.

Von einer engen Beziehung handelt auch unser heutiger Predigttext. Er steht im Johannesevangelium im 17. Kapitel, die Verse 20 bis 26:

Jesus hob seine Augen auf zum Himmel und sprach:
Vater, ich bitte nicht allein für die,
die du mir gegeben hast,
sondern auch für die, die durch ihr Wort
an mich glauben werden,
dass sie alle eins seien.
Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir,
so sollen auch sie in uns sein,
auf dass die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.
Und ich habe ihnen
die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast,
ich in ihnen und du in mir,
auf dass sie vollkommen eins seien
und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast
und sie liebst, wie du mich liebst.
Vater, ich will, das wo ich bin,
auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast,
damit sie meine Herrlichkeit sehen,
die du mir gegeben hast;
denn du hast mich geliebt, ehe die Welt gegründet war.
Gerechter Vater, die Welt kennt dich nicht;
ich aber kenne dich,
und diese haben erkannt, dass du mich gesandt hast.
Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan
und werde ihn kundtun,
damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei
und ich in ihnen.

 

Liebe Gemeinde,
die hier beschriebene Beziehung zwischen Vater und Sohn ist eine sehr innige. Wie viel Vater steckt im Sohne? Diese Frage stellen wir uns auch ab und an selbst. Was haben wir von unseren Eltern, dass wir nicht ablegen werden ein Leben lang. Was lässt unsere enge Beziehung zueinander für immer sichtbar sein? Wir denken oft zuerst an die Dinge, die wir ganz und gar nicht so wie die Eltern machen wollten. Wir wollten, ja wir mussten unseren eigenen Weg finden. Später haben wir doch wiederentdeckt, dass uns Vieles verbindet. So wie es unsere Eltern gemacht haben, war es doch gar nicht so verkehrt. Und ja, an manchen Stellen haben wir auch bewusst unseren eigenen Weg gefunden.

Und trotzdem ist da eine Beziehung, die bleibt – mit all dem Schönen und dem Schweren. Die Bindung bleibt. So ist es auch mit unserer Beziehung zu Gott, sagt der Evangelist. Wir, die wir Jesus vertrauen, sind mit ihm hineingestellt in die Beziehung zu seinem Vater. Mögen wir an Gott verzweifeln oder ihm fest vertrauen, wir kommen dieser Beziehung zu unserem Gott, den auch wir „Unser Vater“ nennen, nicht aus.

Manches, was uns unverständlich bleibt, müssen wir einfach aushalten. Der weit gespannte Himmel ist ein doppeldeutiges Symbol dafür. Er ist unendlich ferne. Hier ist Gott gar nicht nahe. Auch im Himmel ist er unser Vater. Aber dann ist da wieder das Tröstliche, dass dieser Himmel doch überall da ist. Sein Zelt wölbt sich über jeden, der zu ihm aufblickt. Unter diesem Himmel fühlen wir uns derzeit sicherer als in geschlossenen Räumen.

Dieses doppeldeutige Symbol stellt unsere Geduld auf die Probe. Ach möchte, Gott doch ganz bei uns wohnen. Wir müssen die Rätsel des Lebens aushalten. Wir müssen die Rätsel, die uns das Virus aufgibt, wohl noch länger ertragen. Wir dachten, wir wüssten alles, wir könnten alles unter Kontrolle halten und einfach so weiter leben. Diese Haltung erweist sich gerade als Irrtum. Schon Alexander von Humboldt, der sich u.a. auch mit der Beschreibung von Seuchen beschäftigte, stammt der Satz, „dass wir eine Menge Dinge nicht wissen, mit deren völliger Kenntnis wir uns lange geschmeichelt haben.“ Irren ist menschlich. Der Umgang mit dem Irrtum freilich ist ein zweites Ding. Wir lernen aus Fehlern und wir sollten uns Fehler zugestehen und eingestehen. Das gehört zur lebendigen Beziehungsarbeit zwischen Kindern und Eltern, wie in Freundschaften und unseren Gemeinschaften. Davon lebt eine Gemeinschaft, die wirklich trägt.

Das erfordert freilich, dass wir selbst uns zurücknehmen können. Es erfordert, dass wir auf den anderen sehen, und nicht nur auf unseren Vorteil bedacht sind. Als Christen sehen wir in der Welt und in dieser Krise noch einmal besonders auch das Leiden der Menschen. Dieses können und wollen wir niemals ausblenden. Darum irrt, wer jetzt meint: Das war ja alles nicht so schlimm.

Christlicher Glaube sieht das Leid. Er steht in der Nachfolge des Jesus von Nazareth, der in den Tod am Kreuz gegangen ist. Er weiß um die Opfer und vergisst sie nicht. Er fühlt mit im Leiden. Der Christus am Kreuz hat gerade in Seuchen- und Todeszeiten der Menschheit seinen tiefsten künstlerischen Ausdruck gefunden. In ihnen kommt aber auch zum Ausdruck: Wir sind im Leiden nicht allein. Wir sind nicht von Gott verlassen. So wie der Christus erhöht wurde, so gehören auch wir im Leiden zu Gott. Wir dürfen vertrauen: Er ist bei uns alle Tage bis an der Welt Ende.

Aus dieser Gewissheit leben wir, auch wenn Vieles ungewiss bleibt in dieser Zeit. Es ist die Gewissheit, dass wir in der Beziehung zu Gott, unserm Vater bleiben, auch wenn manches uns Sorgen bereitet und Angst macht. Es ist die Gewissheit, dass die Ängste und Sorgen bei Jesus am Kreuz gut aufgehoben sind. Diese Beziehung stiftete ein Gemeinschaft, die umfassender ist als alles, was wir uns vorstellen können.

Eine Möglichkeit, sich in die Beziehung zum Vater zu stellen, ist das Gebet. Jesus hob seine Augen auf zum Himmel und sprach. Unser ganzer Predigttext heute ist ein Gebet, das sog. hohepriesterliche Gebet. Jesus tritt für uns beim Vater ein. Er nimmt uns als Gemeinschaft ernst. Im Beten können wir mit unseren Sorgen und Ängsten kommen, aber auch mit unserer Bitte für andere. Darin drückt sich die Liebe Gottes aus, dass wir einander sehen, in Gemeinschaft heute, aber auch über diesen Tag und diesen Ort hinaus in der nächsten Zeit. Viele Orte der Gemeinschaft werden uns noch längere Zeit fehlen. Die Gemeinschaft in der Liebe aber lässt uns nicht daran zweifeln, dass diese unsere Welt eine Zukunft hat, in der der Himmel Gottes die Erde neu berührt – so wie an diesem Ort heute im Garten der Wagnerei, und ganz bestimmt auch zu Hause. 

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Gebet und Segen

 


Fürbittengebet
Jesus Christus,
du bist bei Gott und du bist uns nah,
du hältst Himmel und Erde in Händen,
du hältst auch uns,
wir bitten dich,
lass uns an deiner Nähe nicht zweifeln,
sondern dir gerade dann vertrauen,
wenn wir von deiner Nähe nichts sehen.

Jesus Christus,
du bist bei Gott und du bist uns nah,
du bist bei allen deinen Gemeinden,
auch wenn wir heute getrennt feiern müssen,
du bist bei uns allen – hier in Köditz, in der Kreuzkirche, in Leupoldsgrün.
Lass uns in deinem Geist die Gemeinschaft erfahren,
die wir heute nicht sichtbar feiern können.

Jesus Christus,
du bist Gott und du bist uns nah,
du kannst Menschenleben verändern
sei du bei allen, die jetzt im politischen Bereich besondere Verantwortung tragen,
sei bei allen Kindern und Jugendlichen, deren Tagesrhythmus durcheinander ist,
sei bei den Eltern, die sich der Herausforderung stellen, ihre Kinder zu Hause zu unterrichten,
sei bei allen, die um die Zukunft ihres Betriebes oder Geschäftes Sorge haben,
sei bei allen, die krank sind sowie bei denen, die ihre Angehörigen nicht besuchen können,
sie bei allen, die um einen lieben Menschen trauern,
tröste und ermutige du uns Tag für Tag neu.

Amen.

 

Segen
Christus sei mit dir auf allen deinen Wegen in den Alltag,
Christus zeige sich dir im Antlitz deines Nächsten,
Christus sei über dir, um dich zu segnen, auf dass du ein Segen wirst für die Menschen, die dir begegnen.
Amen.

 

Gruß der Kreuzkirche an Köditz

 

Gruß von Köditz an die Kreuzkirche