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Gottesdienst am Karfreitag

Wir gedenken des Todes Jesu am Kreuz. Unser Blick richtet sich auf sein Kreuz. Gottesdienst zum Lesen, Mithören und Feiern zu Hause.

 

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Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Karfreitag. Wir erinnern an den Tod Jesu am Kreuz. Unser Blick fällt auf sein Kreuz. Lasst es heute neu zu uns sprechen als heilsames Wort in unsere Zeit.

Psalm 22
Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.
Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht,
und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.
Aber du bist heilig,
der du thronst über den Lobgesängen Israels.
Unsere Väter hofften auf dich;
und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.
Zu dir schrien sie und wurden errettet,
sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.
Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch,
ein Spott der Leute und verachtet vom Volk.
Alle, die mich sehen, verspotten mich,
sperren das Maul auf und schütteln den Kopf:
„Er klage es dem Herrn, der helfe ihm heraus
und rette ihn, hat er Gefallen an ihm.“
Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe;
denn es ist hier kein Helfer.
Meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe,
und meine Zunge klebt mir am Gaumen,
und du legst mich in des Todes Staub.
Sie teilen meine Kleider unter sich
und werfen das Los um mein Gewand.
Aber du, Herr, sei nicht ferne;
meine Stärke, eile, mir zu helfen!
Amen.

 

Lied EG 382,1-2 „Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr“
aus der Münchner Matthäuskirche

 

Verkündigung

 

Evangelium des Johannes, Kapitel 19,16-30

Pilatus überantwortete ihnen Jesus, dass er gekreuzigt würde. Sie nahmen ihn aber, und er trug selber das Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf Hebräisch Golgatha. Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte.

Pilatus aber schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König. Diese Aufschrift lasen viele Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt. Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache. Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreibe nicht: Der Juden König, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der Juden König. Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.

Die Soldaten aber, da sie Jesus gekreuzigt hatten, nahmen seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Soldaten einen Teil, dazu auch den Rock. Der aber war ungenäht, von oben an gewebt in einem Stück. Da sprachen sie untereinander: Lasst uns den nicht zerteilen, sondern darum losen, wem er gehören soll. So sollte die Schrift erfüllt werden, die sagt: „Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über mein Gewand das Los geworfen.“ Das taten die Soldaten.

Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria Magdalena. Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebt hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

Danach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet. Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und legten ihn um einen Ysop und hielten ihm den an den Mund. Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht. Und neigte das Haupt und verschied.

 

Lied EG 85,1+2 – O Haupt voll Blut und Wunden

 

Predigt

 

 

Liebe Gemeinde,
 „Er blutet unter der Dornenkrone am Kopf.“
„Die Dornenkrone hat richtig spitze Dornen.“
„Er ist käsebleich und man sieht die Adern.“
Mit diesen kurzen Sätzen haben Schülerinnen und Schüler der vierten Klasse ihre Beobachtungen unter dem großen Kruzifix in unserer Köditzer St. Leonhardkirche beschrieben.
O Haupt voll Blut und Wunden – ja, die Krone, die normalerweise das Haupt eines Königs schmückt, die hat wirklich spitze Dornen.
O Haupt, zum Spott gebunden mit einer Dornenkron.
Die Farbe deiner Wangen, der roten Lippen Pracht
ist hin und ganz vergangen; des blassen Todes Macht.
Ja, er ist käsebleich, wie die Schüler es notiert haben. Aber es ist nicht nur die Angst, die sich hier spiegelt. Es ist das Gesicht des Todes, das uns hier entgegenblickt.

Unser Blick richtet sich am Karfreitag auf das Kreuz. Normalerweise feiern wir unter dem Kreuz. Die Lesung versetzt uns 2000 Jahre zurück auf jenen Hügel außerhalb der Stadt Jerusalem. Mit diesem Text, den wir eben gehört oder gelesen haben im Ohr bleibt unser Blick am Kreuz hängen.

Im zweiten Korintherbrief hören wir Worte von Paulus. Es sind gar keine typischen Karfreitagsworte. Dennoch können sie uns helfen, für uns zu verstehen, was damals in Jerusalem geschah. Hört und lest die Worte des Paulus:

Denn die Liebe Christi drängt uns, da wir erkannt haben, dass einer für alle gestorben ist und so alle gestorben sind. Und er ist darum für alle gestorben, damit die, die da leben, hinfort nicht sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben ist und auferweckt wurde.

Darum kennen wir von nun an niemanden mehr nach dem Fleisch; und auch wenn wir Christus gekannt haben nach dem Fleisch, so kennen wir ihn doch jetzt so nicht mehr. Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe Neues ist geworden. Aber das alles ist von Gott, der uns mit sich selber versöhnt hat durch Christus und uns das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt.

Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.

 

Liebe Gemeinde,

Gott war in ihm. Gott schickte ihn in das Leben hinein, das wir leben. Gott schickte ihn in den Tod, den wir sterben. Das verbindet uns mit ihm.

Nun ist klar, auf welcher Seite Gott steht. Er steht auf der Seite derer, die leiden. Er steht auf der Seite derer, denen Unrecht geschieht. Er steht auf der Seite derer, die Schuld auf sich geladen haben und nicht wissen, wie sie davon wieder loskommen.

Im Klinikum sind die Patienten jetzt ziemlich allein. Sie halten Kontakt mit ihren Angehörigen über ein Telefon. Mitarbeiter helfen, bei der Einstellung des Smartphones, damit man einander sehen kann beim Telefonieren. Was für ein Segen der Technik. Ein Orgelspieler, der zufällig da ist, setzt sich an die Orgel in der Klinikkapelle und spielt. Das tröstet nicht nur ihn in dieser Zeit.

Der Abiturient sitzt zu Hause. Nicht einmal die Ungewissheit mit den bevorstehenden Prüfungen ist das Schlimmste. Schlimmer noch ist: nicht weggehen zu können, nicht mit den Freunden ein Bier trinken gehen zu können. Stattdessen prosten sie sich jetzt via Zoom-Videokonferenz zu. Mit der Familie spazieren zu gehen ist in diesem Alter sowas von out.

Da ist die erschütternde Gewissheit: Er wird das Virus nicht besiegen können. Hilflos bleiben die Angehörigen zurück. Es ging alles so schnell. Und jetzt auch noch die bange Frage, wie kann das mit einer Bestattung werden. Wer kommt und tröstet einen? Wer darf überhaupt kommen? Man stirbt nicht nur allein, man trauert auch allein.

Doch: Gott war in Christus. Er war und ist immer noch auf unserer Seite. Er ist ganz Mensch geworden. Er hat gehofft, wie wir. Er hat gelitten, wie wir es tun auf ganz unterschiedliche Weise. Das Leid des einen und des anderen ist niemals vergleichbar. Wir stecken nur in unserer Haut, können die des anderen nur erahnen.

Gott war in Christus. Damit ist er in unsere menschliche Schicksalsgemeinschaft eingetreten. Er ist in Christus auf unser aller Seite. Paulus nennt das „Versöhnung“. Gott tritt ganz auf unsere Seite. Er reicht uns die Hand. Er tauscht seine Ewigkeit mit unserer Sterblichkeit.

Das ändert alles. Wir sind nicht verloren. Wir sind nicht allein. Der Christus ist an unserer Seite. Sein Leiden ist unser Leiden. Er tritt in eine Schicksalsgemeinschaft mit uns – bis an des Lebens Ende, bis an der Welt Ende.

Hören wir die wunderbare Aufnahme der Strophen 2,3,5 und 9 von „O Haupt voll Blut und Wunden“

Du edles Angesichte, davor sonst schrickt und scheut
das große Weltgewichte, wie bist du so bespeit,
wie bist du so erbleichet! Wer hat dein Augenlicht,
dem sonst kein Licht nicht gleichet, so schändlich zugericht?

Die Farbe deiner Wangen, der roten Lippen Pracht
ist hin und ganz vergangen; des blassen Todes Macht
hat alles hingenommen, hat alles hingerafft,
und daher bist du kommen von deines Leibes Kraft.

Erkenne mich, mein Hüter, mein Hirte, nimm mich an.
Von dir, Quell aller Güter, ist mir viel Guts getan;
dein Mund hat mich gelabet mit Milch und süßer Kost,
dein Geist hat mich begabet mit mancher Himmelslust.

Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir,
wenn ich den Tod soll leiden, so tritt du dann herfür;
wenn mir am allerbängsten wird um das Herze sein,
so reiß mich aus den Ängsten kraft deiner Angst und Pein.

 

Gott war in Christus. Kraft seiner Angst und Pein, die er am Kreuz erlitten, erscheint er auch uns zum Trost. Er reißt uns aus den Ängsten. Er reißt uns aus unserer Einsamkeit. Er reißt uns aus aller Schuld, in der wir gefangen sind.

Blicken wir zurück auf den Christus am Kreuz. Angst und Pein scheinen trotz äußerer Zeichen der Gewalt verflogen.

Gott war in Christus, den er auferweckt hat vom Tod. Das ist die Versöhnung Gottes mit uns, der neue Anfang, nach dem wir uns sehnen. Amen.

 

Gebet und Segen

Fürbittengebet

Gott, wir bitten dich,
für die Menschen, die sich jetzt einsetzen für andere,
für die Pflegekräfte und für die Ärzte, die helfen in der Not,
für die Mitarbeiter in den Gesundheitsämtern und in den Laboren,
lass das Gute gelingen,
dass sie um anderer Menschenleben willen tun.

Gott, wir bitten dich,
für die Menschen in aller Welt,
die nichts haben als das nackte Leben,
die bereits gezeichnet sind von Krieg und Gewalt,
und nun auch noch das Elend der Pandemie erleiden müssen,
sieh die Not und steh im Leiden bei.

Gott, wir bitten dich
für die Politiker um weise Entscheidungen,
für die Wissenschaftler um kluge Erfindungen,
für die Eltern um gute Nerven,
für die Kinder und Jugendlichen um Geduld,
für die Geschäftsleute um Zuversicht,
für die Sorgenvollen – nimm du ihre Ängste auf.

Gott, wir bitten dich
für die Kranken um Heilung,
für die Sterbenden um Beistand,
für die Verstorbenen um deine Gnade,
für die Trauernden um Trost.

Gott, wir bitten dich
schenke uns allen die Zuversicht,
die du in Christus gestiftet hast,
dass wir durch seinen Tod und seine Auferstehung,
das Leben in dir haben.
Darauf vertrauen wir.
Amen.

Vaterunser

Der Herr segne Euch und behüte Euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht über Euch und gebe Euch Frieden. Amen.