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Gottesdienst am 5. Juli

Den Gottesdienst am 4. Sonntag nach Trinitatis feiern wir mit Prädikantin Michaela Wilfert.

Zum Eingang

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Seid herzlich gegrüßt zu unserem Gottesdienst am 4. Sonntag nach Trinitatis – hier in unserer Kirche, aber auch zuhause in den Häusern.
Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen‘
Der Wochenspruch weist uns aneinander. Den anderen mit seinen Sorgen und Wünschen sehen, barmherzig miteinander sein und gemeinsam Lasten tragen – dazu sind wir als Christen gerufen. Gott weist uns auf den Weg der Liebe; und er stärkt uns, diesen Weg zu suchen und zu gehen. Und so leben und feiern wir als Gemeinde – gemeinsam – diesen Gottesdienst. Möge Gott ihn uns segnen!

Lied: All Morgen ist ganz frisch und neu (EG 440,1-4)

Sündenbekenntnis

 

Wir sind zum Gottesdienst zusammengekommen,
weil Gott uns ruft.
Wir horchen auf und halten inne.
Wo wir versinken im Gleichmaß der Tage,
ruft Gott uns heraus.
Wo uns Sorge gefangen nimmt,
will Gott uns befreien.
Wo Schuld uns belastet,
will Gott sie uns abnehmen.

[Stille]

Barmherziger Gott,
auf dein Erbarmen vertrauen wir
und lassen es selbst oft daran mangeln.

Kyrie eleison – Herr, erbarme dich.

Gnädiger Gott,
von deiner Gnade leben wir
und verhalten uns selbst manchmal gnadenlos.

Kyrie eleison – Herr, erbarme dich.

Geduldiger Gott,
deine Geduld nehmen wir in Anspruch
und verlieren sie selbst viel zu schnell.

Kyrie eleison – Herr, erbarme dich.

Gütiger Gott,
deine Güte empfangen wir reichlich
und geizen oft selbst damit.

Kyrie eleison – Herr, erbarme dich.

 

Gnadenzusage
Der allmächtige Gott hat sich über uns erbarmt, denn:
Barmherzig und gnädig ist der Herr,
geduldig und von großer Güte.
Er handelt nicht mit uns nach unseren Sünden
und vergilt uns nicht nach unserer Missetat.
So fern der Morgen ist vom Abend,
lässt er unsere Übertretungen von uns sein.
Lobe den Herrn, meine Seele,
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.
[Psalm 103, Vers 8.10.12 und 2]

 

Gebet des Tages
Barmherziger Gott, gütiger Vater,
du wendest dich uns zu, um uns aufzurichten
und unser Leben zurecht zu bringen.
Erfülle uns mit deiner Barmherzigkeit,
dass wir über unsere Mitmenschen
nicht lieblos urteilen, sondern sie
mit den liebenden Augen Jesu sehen.
Hilf uns, ihnen in Liebe zu begegnen
und auf dem Weg des Friedens zu gehen.
Das bitten wir durch Jesus Christus,
unseren Herrn und Bruder.
Amen.

 

Verkündigung

 

Lesung – Evangelium Lukas 6,36-42

36 Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. 37 Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben. 38 Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch wieder messen. 39 Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis: Kann auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen? 40 Der Jünger steht nicht über dem Meister; wenn er vollkommen ist, so ist er wie sein Meister. 41 Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr? 42 Wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt still, Bruder, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge und sieh dann zu, dass du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst!

Dies sind die Worte der Heiligen Schrift. Der Herr segne sein Wort an uns durch die Kraft seines Heiligen Geistes. Amen.
Miteinander wollen wir unseren Glauben bekennen.

 

Glaubensbekenntnis
Ich glaube an Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist.
Geboren von der Jungfrau Maria.
Gelitten unter Pontius Pilatus.
Gekreuzigt, gestorben und begraben.
Hinabgestiegen in das Reich des Todes.
Am dritten Tage auferstanden von den Toten.
Aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.
Von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.
Amen.

 

Wochenlied – Komm in unsre stolze Welt (EG 428,1+2)

Komm in unsre stolze Welt,
Herr mit deiner Liebe Werben.
Überwinde Macht und Geld,
lass die Völker nicht verderben.
Wende Hass und Feindessinn
auf den Weg des Friedens hin.

Komm in unser reiches Land,
der du Arme liebst und Schwache,
dass von Geiz und Unverstand
unser Menschenherz erwache.
Schaff aus unserm Überfluss
Rettung dem, der hungern muss.

 

Predigt

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde!

Wenn man im Gebirge unterwegs ist, kann es schon vorkommen, dass die Freiheit fernab einer Wohnsiedlung dazu animiert, einmal das Echo auszuprobieren. Aus vollem Herzen etwas schreien und dann lauschen, was von den Bergwänden zurückhallt…

Doch das Phänomen Echo gibt es nicht nur in den Bergen – wir erleben es fast täglich. Einer brüllt, ich brülle zurück. Einer schikaniert mich, ich reagiere prompt. Sollten wir wirklich alles schlucken, was andere uns zumuten?

Sicher haben Psychologen nicht unrecht, wenn sie sagen, das Hinunterschlucken von erlittenem Unrecht sei noch viel schlimmer als das Abreagieren. Wir sind auf Echo gebaut – daran kann man nicht rütteln…

Und doch hat Jesus daran gerüttelt. Er hat den Spruch ‚Wie du mir, so ich dir‘ nicht gelten lassen. Er hat die unheilvolle Serie der Vergeltung aus den Angeln gehoben und unterbrochen. Er ging auf hochmütig Richtende, Hassende und Spottende zu und gewann sie lieb. Jeden stellte er unter Gottes Segen. Wem dies bewusst wird, bei dem bewirkt die Liebe Jesu ein deutlicheres Echo als die angeborenen und gereizten Reaktionen.

Unser Predigttext will uns zu eben diesem ungewöhnlichen, liebevollen Echo anregen. Ich lese aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom. Dort steht im 12. Kapitel, Verse 17 bis 21:

17 Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. 18 Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. 19 Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5.Mose 32,35): »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.« 20 Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln« (Sprüche 25,21-22) 21 Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Soweit unser heutiger Predigttext. Lasst uns in der Stille um den Segen des Wortes Gottes beten!

[Stille]

Herr, öffne unsere Herzen und Ohren für dich und dein Wort und tu meine Lippen auf, dass mein Mund deinen Ruhm verkündige! Amen.

 

Liebe Gemeinde,
‚Also das, das muss ich mir doch nicht gefallen lassen!‘ und gleich danach folgt der Gedanke: ‚Das werde ich Dir heimzahlen!‘ oder ‚Na warte, ich werd‘ Dir auch irgendwann eins überbrezeln!‘ Und Kindern geben wir auch gerne den Rat: ‚Lass Dir bloß nix gefallen!‘.

Ein Blick in unser Herz genügt, um festzustellen, wie tief darin das Verlangen nach Rache und Vergeltung verwurzelt ist. Wir sind darauf eingestellt, dass wir emanzipiert unser ‚gutes Recht‘ verteidigen. Und wenn wir das Nachsehen haben, überlegen wir, wie wir mit einem Gegenschlag die Gerechtigkeit wiederherstellen und den Gegenspieler gleichzeitig abstrafen können. Doch das, liebe Gemeinde, ist nicht das, was Paulus uns ans Herz legt.

Es mag sein, dass wir im persönlichen und gesellschaftlichen Handeln das unrühmliche Prinzip von Rache und Vergeltung oder ‚auf Schlag folgt ein Gegenschlag‘ als berechtigt ansehen. Aber dieses Prinzip zieht die Beteiligten nur immer tiefer in einen Teufelskreis hinein. Gewalt erzeugt Gegengewalt. Mit Hass kann kein Hass besiegt werden. Der einzige Weg aus dieser, sich immer unkontrollierter drehenden Spirale, ist etwas vermeintlich Schwaches: Liebe und Vergebung.

Liebe Gemeinde,
sicher, Probleme im Zusammenleben mit anderen sind so vielschichtig wie das Leben und die Menschen selbst. Wir werden immer wieder aneinander schuldig. Und wir können sicher sein, dass auch wir mit unseren Charakterzügen, unseren Spleens und ‚Special Effects‘ sowie durch konkretes Fehlverhalten dazu beitragen, dass wir anderen auf die Füße steigen und sie sich an uns ärgern.

Ja, es mag sein: diese Einsicht ist unangenehm, aber wenn wir uns ihr stellen, hilft uns das zu mehr Demut und Milde im Umgang mit anderen. Denn jeder ist auf Vergebung und Langmut angewiesen.

Liebe Gemeinde,
gegen aufkommende Vergeltungsgedanken wird uns empfohlen, Liebe zu üben. Nicht zurückzuzahlen, nicht vergelten, denn das schafft den Streit nicht aus der Welt, sondern verschärft ihn nur. Und – wer Böses mit Bösem heimzahlt, der tut selbst Böses! Denn wer sich selbst rächt, hat dem Bösen Raum gegeben und das beherrscht daraufhin das Denken und Handeln.

Jesus lebte seinen Jüngern ein anderes Verhalten vor, ein Verhalten, dass seiner Art, seinem Geist entspricht: Feindschaft überwinden und stattdessen den Frieden und die Liebe Gottes zu den Menschen bringen.

Wir, liebe Gemeinde, stehen unter der Herrschaft der Liebe. Wir stehen unter der Herrschaft des Christus. Und so müssen wir nicht das tun, was nach allgemeiner Auffassung gerechtfertigt ist, sondern das, was der Art Jesu entspricht. Wir dürfen auf Ungerechtigkeiten mit Barmherzigkeit antworten. Mit Vergebung anstelle von Vergeltung, mit Liebe anstelle von Rache.

Das ist freilich nicht leicht. Aber heilsam. Für uns selbst, aber auch für unser Gegenüber. Ein Zitat von Bruce sagt: ‚Einen Feind wird man am besten dadurch los, dass man ihn zum Freund gewinnt.‘

Nun ja, es ist ja wohl schon schwer genug, auf Rache zu verzichten, aber jetzt auch noch Freundlichkeiten für jemanden aufbringen, der sich mir gegenüber wie ein Feind verhält? Paulus, ist das dein Ernst?

Ja, liebe Gemeinde, Paulus meint das wirklich ernst.

20 … »wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln« 21 Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Das Bild vom Anhäufen glühender Kohlen auf dem Haupt eines Widersachers will uns zeigen, dass ein solches Verhalten Wirkung zeigen wird. Auch, wenn sich nicht sofort eine Wesensänderung einstellt, so hat der Betroffene doch eine Berührung mit etwas Neuem und er wird durch dieses Tun zu einem Berührten, Bewegten, Erstaunten, vielleicht auch Beschämten, aber jedenfalls zu einem Gesegneten. Es kann eine Einladung zur Umkehr sein und Versöhnung möglich werden.

Liebe Gemeinde,
Gottes Gnade und die Liebe Christi, die wir selbst erfahren haben, wollen wir auch an andere weitergeben. Gnade ist unverdient. Gnade ist eine Gunst, die uns geschenkt wird.

Wenn wir einem Feind etwas zu trinken oder zu essen geben, entschuldigen wir damit seine Taten nicht, aber wir achten, vergeben und lieben ihn. Trotz seiner Sünden – genauso, wie Jesus es mit uns tut. So werden wir mit hineingenommen in das Liebeswerk Christi, das allen Menschen gilt. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist, als alle menschliche Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Predigtlied – Lass uns in deinem Namen, Herr (EG 634,1-4)

Lass uns in deinem Namen, Herr,
die nötigen Schritte tun.
Gib uns den Mut, voll Glauben, Herr,
heute und morgen zu handeln.

Lass uns in deinem Namen, Herr,
die nötigen Schritte tun.
Gib uns den Mut, voll Liebe, Herr,
heute die Wahrheit zu leben.

Lass uns in deinem Namen, Herr,
die nötigen Schritte tun.
Gib uns den Mut, voll Hoffnung, Herr,
heute von vorn zu beginnen.

Lass uns in deinem Namen, Herr,
die nötigen Schritte tun.
Gib uns den Mut, voll Glauben, Herr,
mit dir zu Menschen zu werden.

 

Gebet und Segen

 

Fürbittengebet

Barmherziger, gnädiger Gott,
du stärkst uns in der Liebe
und wendest unseren Weg zum Guten.
So bitten wir dich:

Für deine Kirche,
dass sie deine frohe Botschaft zu den Menschen trägt
und sie getröstet werden.

Wir bitten für unser Land und unsere Gesellschaft:
Gib allen, die Ver­antwortung tragen, Kraft und Willen,
immer wieder neu das Gute zu suchen.

Wir bitten für Familien und Partnerschaften:
Gib, dass wir achtsam und behutsam
mit den uns anvertrauten Menschen umgehen.

Wir bitten für Menschen in den Krisengebieten dieser Welt:
Hilf den Hungernden, den Verfolgten,
den Opfern der Kriege, den Flücht­lingen.

Bringe zurecht, was wir nicht vermögen.
Segne unser Tun zum Wohl der Nächsten.
Damit wir leben und handeln aus deiner Liebe,
heute und in Ewigkeit.
Amen.

Vaterunser

Sendung und Segen
‚Lebt in der Liebe, wie Christus uns geliebt hat!‘  (Epheser 5, 2)
So geht nun in diesen Sonntag und in die neue Woche unter dem Segen unseres Herrn!

Der Herr segne euch und behüte euch.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch
und sei euch gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch
und gebe euch + Frieden.
Amen.