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Gottesdienst am 5. April – Palmsonntag

Die Hände, die eben noch Palmzweige schwingen, sind schon zu Fäusten geballt.
Jesu Tod am Kreuz ist der Schlüssel, der Menschen das Leben bringt.
Sein Weg ins Dunkel war ein Weg ins Licht.
Im Geschlagenen, im Verachteten war Gott ganz nah.
Nur wenige erkannten das –
wie die Frau, die den Todgeweihten wie einen König salbte…

 

Zum Eingang

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Räumlich getrennt, aber doch verbunden durch unseren Herrn und Heiland Jesus Christus feiern wir diesen Gottesdienst am Palmsonntag, der die Karwoche eröffnet.

Wir beten Psalm 102 (EG 778)
Herr, höre mein Gebet
und lass mein Schreien zu dir kommen!
Verbirg dein Antlitz nicht vor mir in der Not,
neige deine Ohren zu mir;
wenn ich dich anrufe, so erhöre mich bald!

Denn meine Tage sind vergangen wie ein Rauch,
und meine Gebeine sind verbrannt wie von Feuer.
Ich bin wie die Eule in der Einöde,
wie das Käuzchen in den Trümmern.

Ich wache auf und klage
wie ein einsamer Vogel auf dem Dache.
Meine Tage sind dahin wie ein Schatten,
und ich verdorre wie Gras.

Du aber, Herr, bleibst ewiglich
und dein Name für und für.
Du wollest dich aufmachen und über Zion erbarmen;
denn es ist Zeit, dass du ihm gnädig seist,
und die Stunde ist gekommen.

Denn er schaut von seiner heiligen Höhe,
der Herr sieht vom Himmel auf die Erde,
dass er das Seufzen der Gefangenen höre
und losmache die Kinder des Todes,

dass sie in Zion verkünden den Namen des Herrn
und sein Lob in Jerusalem,
wenn die Völker zusammenkommen und die Königreiche,
dem Herrn zu dienen.

Amen.

 

Wir singen das Lied EG 11, 1-3 & 5-7 Wie soll ich dich empfangen
Auch wenn dieses Lied eigentlich ein Adventslied ist, so nimmt es doch den Einzug Jesu nach Jerusalem in den Blick und schlägt eine Brücke zu unseren jetzigen Plagen.

 

 

Verkündigung

Predigttext aus dem Markusevangelium: Kapitel 14, Verse 1-11
Herr, öffne unsere Herzen und Sinne für dich und dein Wort. Amen.

 

Predigt
Gnade sei mit Euch
und Friede von Gott unserem Vater
und dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Gemeinde,
was für eine Geschichte!

Markus bettet diese intensive Begegnung Jesu mit der namenlosen Frau zwischen Verse ein, die uns in menschliche Abgründe sehen lassen. Das Mordkomplott ist bereits in vollem Gange. Hass und Ränkespiele, Verrat und Verkauf überschatten die Oase der Zuwendung und Liebe. Über die Verse 3-9 ist heute eigentlich nur zu predigen, aber ich wollte sie mit ihrem düsteren Prolog und Epilog vorstellen, denn hier an diesen wenigen Versen wird deutlich, zu welch starken Gefühlen und gewaltigen Ausbrüchen der Mensch fähig ist. Krassere Gegensätze gibt es kaum.

Doch fokussieren wir uns nun auf den eigentlichen Predigttext, der ‚Salbung in Bethanien‘…  Eine Frau ohne Namen wird zur Hauptakteurin. Es ist nicht wichtig, wie sie heißt. Aber es ist umso wichtiger, was sie tut. Sie tritt inmitten einer Männerrunde an Jesus heran, gießt Nardenöl über seinen Kopf und salbt ihn damit. So, wie man einen König salbt. In einer demütigen Geste erweist sie Jesus Ehre. Durch ihre zeichenhafte Handlung macht sie aus dem Wanderprediger Jesus, der auf einem Esel in Jerusalem eingezogen ist, den Herrn und König des Volkes Israel, den Messias – das heißt: ‚der Gesalbte‘. Vielleicht unbewusst legt die Frau mit ihrer Handlung ein gewaltiges Bekenntnis ab: ‚Du, Jesus, bist Herr! Du bist Gott, bist der Christus!‘

Vom verwendeten Öl schreibt Markus, dass es unverfälscht und kostbar war. Unverfälscht, das meint rein, echt, nicht verdünnt oder gestreckt. Kostbar, das heißt teuer, ein Schatz, das Beste, was es gibt… Für mich ist die Charakterisierung des Öls auch eine Charakterisierung der Liebe, die die Frau an Jesus in dieser Situation erweist. Ihre Liebe für Jesus ist ebenso wie das Öl rein, echt und unverfälscht. Mit dieser Salbung drückt sie ihre ganze Liebe und Hingabe aus. Ganz ohne Worte drückt sie aus, was sie im Herzen glaubt und spürt. Sie schenkt Jesus das, was ihr kostbar und teuer ist. Sie schenkt ihm ihr Ein und Alles, ihren Schatz: ihr Herz. Und zwar völlig und ganz – nicht nur ein wenig. Ganz und gar. Alles. Keine Kompromisse. Liebe ist überfließend, Liebe ist verschwenderisch…

Klar, dass das die überraschte und überrumpelte Meute der Jünger und Gäste auf den Plan ruft. Nach der ersten atemlosen Erstarrung finden sie zur Sprachfähigkeit zurück: ‚Was ist denn das für ein ungebührliches Verhalten? Und was soll diese Verschwendung? Das Geld hätte man intelligenter, nachhaltiger und effektiver einsetzen können!‘

Ja, es war ein ganz schöner Batzen Geld, den die Frau da eingesetzt hat – ein Jahresgehalt eines Tagelöhners (vorausgesetzt, er hätte jeden Tag Arbeit gehabt). Also wirklich nicht unerheblich… Und ja, man hätte das Geld vielleicht anders einsetzen können. Aber es geht hier ja nicht um die Frage, welcher Spendenzweck der richtigere gewesen wäre. Es geht überhaupt nicht um das Geld oder den geldwerten Gegenwert des Nardenöls.

Doch ich will die aufgeheizte Stimmung der Gemüter in Bethanien nutzen und möchte gerne zurückfragen: was ärgert Euch denn eigentlich so an dieser Situation? Und ich will die Frage nicht nur rhetorisch nach Bethanien schicken. Vielmehr will ich sie an uns hier und heute adressieren: was bringt euch so auf die Palme, wenn ihr euch in die Geschichte hineinversetzt? Kann es sein, dass ihr euch ärgert, weil euch die Liebestat der Frau den Spiegel vorhält?

Liebe Gemeinde,
diese Begebenheit in Bethanien fordert uns heraus.

Einerseits wollen wir unseren Glauben nüchtern und nicht schwärmerisch leben. Mit handfesten, diakonischen Taten. Helfend und nach realistischen Lösungen suchend. Andererseits sehen wir hier ein Beispiel für vollkommen hingebungsvolle Liebe, die nach Ausdruck sucht. Liebe, die überschwänglich ist und sich aus tiefem Herzen Bahn bricht. Eine Liebe, die nicht nach Konzepten und Strategien fragt, sondern einfach liebt und das tut, was dran ist. Wie kann das zusammengehen? Geht das überhaupt oder sind das nicht zwei völlig gegensätzliche Konzepte, die da im Widerstreit stehen (müssen)?   

Nun, es ist wohl so, dass individueller Glaube keine Tat der Liebe ersetzt. Und umgekehrt ist es ebenso: diakonisches Engagement ist nicht automatisch identisch mit Glauben, noch kann es die persönliche Beziehung zu Gott ersetzen. Verstehen wir es recht: das Eine ersetzt das Andere nicht. Es geht nicht um ein ‚entweder – oder‘. Liebe wird im Tun konkret.

Und genau so ist auch Jesu Antwort zu verstehen, die er im Vers 7 gibt: ‚Ihr habt allezeit Arme bei Euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit.‘ Jesus akzeptiert hier nicht gleichgültig und achselzuckend die Tatsache, dass es Arme auf der Welt gibt. Vielmehr spornt er die Jünger damals und auch uns heute an, der Armut entgegenzuwirken und Notleidenden helfend beiseite zu springen mit dem, was wir vermögen zu tun. Aber: zum Helfen gehört auch die Liebe – die Liebe zu dem, der uns fähig macht, zu helfen und die Liebe zu dem, dem ich meine Hilfe schenke. In diesem Zusammenhang möchte ich auch auf das Hohelied der Liebe im 1. Korintherbrief Kapitel 13 verweisen.   

Liebe Gemeinde,

ja, die Aufgaben sind groß. Verbesserungswürdige Situationen auf dieser Erde gibt es unzählige. Fragen und Fehler sind auch zu erwarten. Doch bei all den Aufgaben müssen wir nicht versuchen, alles mit eigener Kraft zu lösen. Wer sich auf die eigene Kraft verlässt, wird sich überfordern und unter dem zusammenbrechen, was wir uns aufbürden.

Die Frau in Bethanien hat ihren Blick an dem ausgerichtet, was im Leben trägt. Sie schenkt ihre Liebe, ihr Herz und ihren Glauben dem, der ihre Bürden mitträgt. Sie verlässt sich auf den Christus, den Messias und wirft mit ihrer ganzen Hingabe ihr Leben auf den, der das Leben ist.

Sie salbt Jesus mit ihrem Herzen zum König. Und mit ihren Händen salbt sie zugleich seinen Leib zu seinem Begräbnis. Es ist ein Bekenntnis ohne Worte:
Der Herr der Welt ist der, der, in einer Futterkrippe zu Welt kam.
Der Herr der Welt ist der, der auf einem Esel in Jerusalem einzog.
Der Herr der Welt ist der, der durch den Tod ins Leben geht
und uns so Anteil an diesem Leben schenkt.

Schenken wir ihm unser Herz. Amen.

 

Und der Friede Gottes,
der höher ist, als alle menschliche Vernunft
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus. Amen.

 

Wir singen das Wochenlied EG 91, 1-5 Herr stärke mich, dein Leiden zu bedenken
Aufnahme von einem Fernsehgottesdienst 

 

Gebet und Segen

 

Wir beten

Wir halten dir unsere Herzen hin, Jesus Christus.
Unsere Sehnsucht, unsere Gebete, alles, was uns beschäftigt.

Wir beten
für die Kranken
für die, denen keine Medizin helfen kann,
für die, die einsam sterben,
für die, die unter der Last dieser Tage zusammenbrechen.
Komm zu ihnen mit deiner Liebe.

Wir beten
für die Menschen,
die in Krankenhäusern und Pflegeheimen arbeiten,
in Feuerwachen, Polizeistationen und in Apotheken,
in Kindertagesstätten und Supermärkten,
in Laboren und in Ställen,
in Ämtern, Gemeinden und Regierungen.
Komm zu ihnen mit deiner Freundlichkeit und behüte sie.
Schenke Weisheit, Kraft und Mut für weitsichtige Entscheidungen.

Wir beten
für die Menschen,
die in der Sorge dieser Tage in Vergessenheit geraten:
für Flüchtlinge, Hungernde, Einsame,
für Opfer von häuslicher Gewalt, Verwirrte und Missbrauchte,
Komm und rette sie.

Wir beten
für Arbeitgeber und Arbeitnehmer,
für Selbstständige und Angestellte,
für die, deren Existenz nun durch den Stillstand des öffentlichen Lebens bedroht ist,
Komm und zeige neue Möglichkeiten und Wege.

Wir beten
für uns alle,
lass uns innehalten, stille werden und umkehren zu dir.
Erbarme dich über uns, gnädiger Gott!

Wir danken dir
für den Glauben,
für Zeichen der Liebe und Verbundenheit,
für freundlichen Worte und Musik.

Wir danken dir
für dein Wort und deine weltweite Kirche.
Du gehst mit uns durch diese Zeit.
Heute, in diesen Tagen der Passion
und jeden neuen Tag.

Amen.

Vaterunser

 

Sendung und Segen
Lebt in der Liebe,
so wie Christus euch geliebt hat!
Geht in diese Karwoche unter dem Segen unseres Herrn:
Der Herr segne Euch und behüte Euch.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Euch
und sei euch gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf Euch
und gebe Euch Frieden.

Amen.

 

Alle Teile des Gottesdienstes in einem Hörstück: