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Gottesdienst am 28. Juni

Am dritten Sonntag nach Trinitatis hören wir das bekannte Gleichnis Jesu von den zwei Brüdern. Der Vater hat Geduld mit seinen Söhnen. Er holt sie beide wieder in sein Haus. Wer etwas wiederholt entreißt es dem Vergessen. Wer jemanden wieder zu sich holt, gibt ihn nicht verloren.

 

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Lied EG 503,1.8
Geh aus mein Herz und suche Freud


Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Begrüßung
Ich grüße Sie zu unserem Gottesdienst am 3. Sonntag nach Trinitatis. Wer weckt in uns die Hoffnung neu? Welche Hoffnungen sind begründet, welchen können wir trauen? So fragen wir. Gibt es verlässliche Antworten in diesen Zeiten?

Wir feiern Gottesdienst in unserer St. Leonhardkirche und zu Hause – wo wir auch sind, in seiner Gegenwart.

Psalm 103
Lobe den Herrn, meine Seele,
und was in mir ist, seinen heiligen Namen!
Lobe den Herrn, meine Seele,
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:
der dir alle deine Sünde vergibt

und heilet alle deine Gebrechen,
der dein Leben vom Verderben erlöst,
der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,
der deinen Mund fröhlich macht
und du wieder jung wirst wie ein Adler.
Der Herr schafft Gerechtigkeit und Recht
allen, die Unrecht leiden.
Er hat seine Wege Mose wissen lassen,
die Kinder Israel sein Tun.
Barmherzig und gnädig ist der Herr,
geduldig und von großer Güte.
Er wird nicht für immer hadern
noch ewig zornig bleiben.
Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden
und vergilt uns nicht nach unserer Missetat.
Denn so hoch der Himmel über der Erde ist,
lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten.
So fern der Morgen ist vom Abend,
lässt er unsere Übertretungen von uns sein.
Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt,
so erbarmt sich der Herr über die, die ihn fürchten.

Ehre sei dem Vater
und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang,
jetzt und allezeit
und von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

 

Gebet
Gott des Himmels und der Erde,
du hast uns vieles anvertraut
und unvergängliches Leben verheißen
mitten in dieser vergänglichen Welt:
Schau barmherzig auf uns
und leite uns an, die zeitlichen Gaben so zu gebrauchen,
dass wir zugleich die ewigen bewahren.
Durch Jesus Christus, unsern Herrn,
der mit dir und dem Heiligen Geist lebt
und wirkt in Ewigkeit.
Amen.

Lied EG 615,1-3
Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt

 

Verkündigung

 

Lesung – Lukas 15,1-3.11-32

Es nahten sich Jesus alle Zöllner und Sünder, um ihn zu hören. Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen. Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach:

Ein Mensch hatte zwei Söhne. Und der jüngere von ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir, Vater, das Erbteil, das mir zusteht. Und er teilte Hab und Gut unter sie.

Und nicht lange danach sammelte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land; und dort brachte er sein Erbteil durch mit Prassen. Als er aber alles verbraucht hatte, kam eine große Hungersnot über jenes Land und der fing an zu darben und ging hin und hängte sich an einen Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten. Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die die Säue fraßen; und niemand gab sie ihm. Da ging er in sich und sprach: Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die Brot die Fülle haben, und ich verderbe hier im Hunger! Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße; mach ich einem deiner Tagelöhner gleich! Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater.

Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn, und er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße. Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße und bringt das gemästete Kalb und schlachtet´s; lasst uns essen und fröhlich sein! Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein.

Aber der ältere Sohn war auf dem Feld. Und als er nahe zum Hause kam, hört er Singen und Tanzen und rief zu sich einen der Knechte und fragte, was das wäre. Der aber sagte zu ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wiederhat. Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen.

Da ging sein Vater heraus und bat ihn. Er antwortete aber und sprach zu seinem Vater: Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe dein Gebot nie übertreten, und du hast mir nie einen Bock gegeben, dass ich mit meinen Freunden fröhlich wäre. Nun aber, da dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Hab und Gut mit Huren verprasst hat, hast du ihm das gemästete Kalb geschlachtet. Er aber sprach zu ihm: Mein Sohn, du bist allezeit bei mir und alles, was mein ist, das ist dein. Du solltest aber fröhlich und guten Mutes sein; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden.

 

Glaubensbekenntnis

 

Predigt

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde,

in unserer Krisenzeit ist der Ruf nach dem väterlichen Staat laut vernehmbar. Die Sorge für seine Bürger, die in Not geraten sind oder in Not geraten könnten, ist ihm wichtig. Es wurde viel Geld in die Hand genommen. Die Politiker zeigten, dass sie die Herausforderung schnell annehmen wollen.

Doch es zeigt sich auch: So väterlich sich ein Staat auch gebärden will, er kann niemals die Bedürfnisse  Einzelnen im Blick behalten. Wenn er sich auch noch so müht, es wird immer Ungerechtigkeiten geben. Wir kennen das aus unseren alltäglichen Beziehungen in der Familie, in unseren Freundschaften. Von daher können wir manche Grenzen nachvollziehen.

Dennoch klagen wir dort, wo die Mittel nicht gerecht verteilt werden, unsere Rechte ein. Darin drückt sich unsere tiefe Sehnsucht aus, dass es in dieser Welt gerecht zugehen müsse. Darin drückt sich die Not manches Einzelnen aus, die trotz großer Unterstützung im allgemeinen nicht gelindert werden konnte.

Wäre unser Staat, wäre unsere Gesellschaft doch so väterlich wie der Vater des Gleichnisses. Das würde unsere Hoffnung neu nähren.

Von einem, der den Finger in die Wunde legte, der die Ungerechtigkeit mit deutlichen Worten anklagte, aber dennoch auf Gott hoffte, sind die Worte des heutigen Predigttextes. Im Buch des Propheten Micha lesen wir ganz am Ende:

Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils, der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade! Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefe des Meeres werfen. Du wirst Jakob die Treue halten und Abraham Gnade erweisen, wie du unsern Vätern vorzeiten geschworen hast.

Liebe Gemeinde,

Micha setzt seine Hoffnung auf den einen Gott. Er trägt diese Hoffnung schon in seinem Namen. Aber Micha sieht auch, was in seiner Welt im Argen liegt. Er verschließt davor nicht die Augen. Er prangert an, wo die Mächtigen nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind und die Not ihrer Beschäftigten nicht sehen. Er verurteilt, dass sich die Reichen über das Recht leicht hinwegsetzen und ihre Wege finden, die Armen klein zu halten. Er sieht den inneren Frieden in Gefahr, darum redet er denen ins Gewissen, die ihn leichtfüßig aufs Spiel setzen um ihres eigenen Vorteils willen. Micha zielt aber nicht nur auf ein sozial- und friedenspolitisches Programm. Er mahnt den Einzelnen, auf Gott zu sehen, Liebe zu üben und demütig zu sein. Es ist dir gesagt Mensch, was gut ist.

Zu Anfang der Virus-Krise hatte es den Anschein: Das Virus ist der große Gleichmacher. Alle können in gleichem Maß betroffen sein. In medizinischer Hinsicht gilt das immer noch. Dennoch stellt sich angesichts des Fortschreitens der Pandemie immer stärker die Frage: Bringt das Virus nicht immer stärker die Strukturen der Ungerechtigkeit in dieser Welt ans Licht?

Wo Leiharbeiter zwar vielleicht noch auf legalem Wege, aber moralisch fragwürdig beschäftigt werden, ist genau das berührt, was auch Micha anprangert. Wo das Virus in den Armenvierteln Lateinamerikas oder Indiens sich ungehemmt verbreiten kann, weil die Wohn- und Lebensverhältnisse diese Verbreitung begünstigen, leiden diejenigen, die sowieso schon zu den Benachteiligten gehören. Wo wir Menschen in Flüchtlingslagern aufhalten, in denen es auch sonst an Elementarem fehlt, hat das Virus leichtes Spiel.

Ungerechte Strukturen wird es immer geben. Trotzdem ist es gut, wenn uns die Augen dafür geöffnet werden. Im Besten Fall weckt es in uns die Sehnsucht nach der Gerechtigkeit, die wir selbst nicht in der Lage sind, zu schaffen. Der Weckruf rüttelt uns auf, die Dinge nicht so hinzunehmen wie sie sind, auch wenn wir auf den ersten Blick nur wenig Konkretes tun können.

Die, die in den 80er die Botschaft des Micha „Schwerter zu Pflugscharen“ aufgegriffen haben, konnten auch nicht ahnen, dass Jahre später ihre Sehnsucht nach Frieden in Europa Wirklichkeit werden und den Kalten Krieg überwinden helfen würde.

Manchmal sind es die unscheinbaren Schritte, die neue Hoffnung nähren. Die Sehnsucht nach Gerechtigkeit ist groß. Sie hofft darauf, dass unsere irdischen Strukturen von Macht und Ohnmacht einmal ein Ende haben. Dieses Ende können wir im Lichte der Ewigkeit Gottes sehen. Darum richtet sich Micha an Gott. Er ist es, der das Recht und den Frieden bringt. Diese Verbindung steckt schon in seinem Namen.

Die Micha-Frage ist der Schlüssel. Hinter dem Namen des Propheten verbergen sich die zwei Frage-Worte „mi-wer“ und „cha-ist“. Zu ergänzen ist „el-Gott“ – Zusammen: „Wer ist wie Gott?“ Oder wie es hier im Text heißt: „Wo ist solch ein Gott?“ Der Prophet stellt in seinem Namen die Frage nach Gott, ja die Frage nach dem Gott, der zu Recht bringt und damit Hoffnung weckt.

Nichts in der Welt, kein noch so väterlicher Staat, keine noch so ausgeklügelte Weltordnung, wird all die Probleme lösen können, die es auf Erden gibt. Die Hoffnung richtet sich auf den einen Gott. Doch der richtet nicht mit starker Hand, sondern weckt Hoffnung, indem er vergibt.

Das ist schwer zu verstehen. Soll den Übeltätern auch noch vergeben werden? Soll den Missetätern, die sich an anderen vergangen haben, auch noch nachträglich Recht gegeben werden? Warum gibst du, Vater, ein Fest für den, der dein Geld mit Huren verprasst hat und lässt mich leer ausgehen?

Wo ist solch ein Gott? – Gott vergibt die Sünde. Das ist der Schlüsselsatz für mein Leben. Gott lässt mich mit mir selbst neu anfangen, weil er es mir zutraut. Er durchkreuzt damit alle meine menschlichen Vorstellungen von Recht und Gerechtigkeit. Ich selbst brauche ihn, damit ich zu meinem Recht komme. Die Welt braucht ihn, damit Menschen nicht weiter in Unrecht leben müssen.

Gott ruft alle zu sich nach Hause. Diejenigen, denen er viel zugetraut hat und die sein Vertrauen enttäuscht haben. Er schließt sie in seine Arme und holt sie wieder in sein Haus. Er lässt es aber nicht dabei. Er geht sogar nochmal hinaus und holt auch diejenigen in sein Haus, die mit ihm um des Rechtes willen hadern. Gott ruft alle zu sich nach Hause.

Dort wird miteinander gegessen und gefeiert. Das Reich Gottes gewinnt so Gestalt. Es ist lebendige Feier der Gegenwart Gottes in seinem Haus. In der Nähe des einen Gottes werden meine Vorstellungen von Unrecht und Gerechtigkeit klein, weil ich selbst es bin, der seiner Vergebung bedarf.

Das weckt neue Hoffnung. Eine Hoffnung, die sich wiederum nach außen richtet. Die Hoffnung, dass diese Welt mit ihren Strukturen von Unrecht ändern lässt. Aber nicht im Streit, sondern im Gebet, im Vertrauen zueinander und in der gegenseitigen Vergebung, wo immer wir dazu fähig sind.

Die Quelle dieser Hoffnung liegt nicht in unseren Möglichkeiten. Sie gründet in Gottes Güte und Treue. Ich möchte nicht in einer Welt leben, in der das Unrecht siegt. Ich möchte genauso wenig in einer Welt leben, die von diesem vergebenden und Hoffnung stiftenden Gott nichts weiß. Darum ist die Erinnerung, die im Namen des Micha steckt, für mich Hoffnung über diesen Tag hinaus: Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt?

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Lied EG 602,1-4
Vergiss nicht zu danken

 

Gebet und Segen

 

Fürbittengebet
Lasst uns beten:

Gott, du rufst uns in deine Nähe.
Wir danken dir für dein Wort und die Zeichen deiner Gegenwart.
Wir bitten dich für deine Kirche, für uns selbst:
Lass uns Zeichen deines Lebens und deiner Liebe sein,
Zeichen der Hoffnung für unsere Welt.
Wir rufen zu dir: Herr, erbarme dich.

Wir danken dir für die Freiheit,
mitten im Leben neu anfangen zu dürfen.
Wir bitten dich um Hilfe für alle,
die Wege für sich suchen,
sich dabei verstricken in Versagen und Schuld,
sich selbst täuschen und belügen.
Wir rufen zu dir: Herr, erbarme dich.

Gott, du erneuerst Geist und Herz.
Wir bitten dich für alle,
die keine Zukunft für sich sehen,
die einsam und verbittert sind,
die um einen Menschen trauern,
die sich vor dem eigenen Ende fürchten.
Wir rufen zu dir: Herr, erbarme dich.

Gott, du gibst uns Würde und Freiheit.
Wir bitten dich um Mut und Kraft für alle,
die um diese Würde und Freiheit kämpfen müssen,
die auf der Flucht sind und ohne Heimat,
die krank sind und in Armut leben,
und für alle, die ihnen beistehen und sich einsetzen für Gerechtigkeit.
Wir rufen zu dir: Herr, erbarme dich.

Gott, du willst uns erhören. 
Wir vertrauen auf deine Güte und Treue. 
Amen.

Vaterunser

 

Sendung und Segen

So geht in diesen Sonntag
und in die neue Woche
unter dem Segen unseres Herrn.

Der Herr segne euch und behüte euch.
Der Herr lasse sein Antlitz leuchten
über euch und sei euch gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch
und gebe euch Frieden.
Amen.