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Gottesdienst am 25. Oktober

Was ist richtig? Was ist falsch? Gerade jetzt ist Weisung notwendig, sind Regeln zum guten Leben angesagt. Der 20. Sonntag nach Trinitatis kommt diesem Bedürfnis entgegen und zeigt Wege zum guten Leben auf. Wir feiern Gottesdienst in der St. Leonhardkirche. Fühlen Sie sich uns verbunden, wenn Sie hier Predigt und Gebet lesen und hören.

 

Predigt 


Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde!

Es ist eine Diskussion, die in Wellen immer wieder kommt: die Sache mit den Ladenöffnungszeiten und die Frage, ob es zeitgemäß ist, den Sonntag als Tag zu verteidigen, an dem die Arbeit ruhen soll. Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Argumente, die man auf den Tisch legen kann, wenn es um einen verkaufsoffenen Sonntag geht.

Unser Predigttext möchte uns jedenfalls anregen, über den Sinn und Hintergrund und unseren Umgang mit dem Feiertag, dem Tag des Herrn nachzudenken. Hört aus dem 2. Kapitel des Markusevangeliums die Verse 23 – 28:

23 Und es begab sich, dass er am Sabbat durch ein Kornfeld ging, und seine Jünger fingen an, während sie gingen, Ähren auszuraufen. 24 Und die Pharisäer sprachen zu ihm: Sieh doch! Warum tun deine Jünger am Sabbat, was nicht erlaubt ist? 25 Und er sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, als er in Not war und ihn hungerte, ihn und die bei ihm waren: 26 wie er ging in das Haus Gottes zur Zeit Abjatars, des Hohenpriesters, und aß die Schaubrote, die niemand essen darf als die Priester, und gab sie auch denen, die bei ihm waren? 27 Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen. 28 So ist der Menschensohn ein Herr auch über den Sabbat.

Soweit die Worte der Heiligen Schrift. Lasst uns in der Stille um den Segen des Wortes Gottes beten!

[Stille]

Herr, öffne unsere Herzen und Sinne für dich und dein Wort und tu meine Lippen auf, dass mein Mund deinen Ruhm verkündige! Amen.

 

Liebe Gemeinde,

Jesus und seine Jünger wurden von der damaligen Gesellschaft genau unter die Lupe genommen. Ihr Reden und Handeln wurde genau verfolgt. Von Armen, Kranken und Geknechteten, von Reichen und Einflussreichen, von einfachen und gelehrten Menschen, von Normalos und Radikalen. Heute wir würden wir es nicht viel anders machen, wenn wir erforschen wollten, was Jesus für ein Typ ist und ob man ihm die Reden abnehmen kann. Vielleicht würden wir der kleinen Gruppe um Jesus auf Instagram folgen, um ja nichts zu verpassen. Schließlich würden wir ja auch wissen wollen, ob er authentisch ist. Ob er wirklich das meint, was er sagt oder ob er vielleicht doch nur ein guter Schauspieler ist…

Auch die Pharisäer sahen ganz genau hin und prüften, wie Jesus und seine Jünger mit den Geboten Gottes umgehen… Damit Gottes heilige Gebote auch wirklich eingehalten werden konnten, wurden immer detaillierte und verfeinerte Ausführungsbestimmungen verfasst. Mit diesen Bestimmungen aber verschwamm immer mehr der Sinn dieses Gebots. Gott hat die zehn Gebote als gute Ordnung für das Zusammenleben gegeben. Doch nun geht es nur noch um das akribische, buchstabengetreue Befolgen unzähliger Bestimmungen. Ist das wirklich noch Gottes Wille? Sklavisches Befolgen? Knechtschaft in einem anderen Sinn?

Ich denke, es ist gut, wenn wir einmal in das Buch Mose sehen und dort nachlesen, was Gott eigentlich geboten hat. Ich lese aus dem 2. Buch Mose im 20. Kapitel die Verse 1-2 und 8-11:

1 Und Gott redete alle diese Worte: 2 Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. […] 8 Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest. 9 Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. 10 Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. 11 Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn.

 

Liebe Gemeinde,

der Sabbat wurde von Gott zu einem besonderen, einem heiligen Tag gesetzt. Ein Ruhetag vom täglichen Geschäft. Ein Tag, an dem der Mensch Atem holen und sich besinnen kann. Ein Tag, an dem die Seele Zeit geschenkt bekommt. Ein Tag, an dem sich Mensch und Gott in besonderer Weise begegnen können. Am Ruhetag Gottes sollen alle in den Genuss der Ruhe und Freiheit kommen. Seine Gebote gelten für bfreite Menschen:

2 Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe.

Liebe Gemeinde,

das Sabbat-, das Feiertagsgebot verstehen auch wir heute oft falsch. Und es geht dabei auch gar nicht um die Frage Sabbat oder Sonntag – was ist der richtige Feiertag? Vielmehr geht es um die Einstellung zu unserem Sonntag. Denn oft heißt es ja: Naja, am Sonntag darf man halt nicht arbeiten… Aber müsste es nicht eigentlich so heißen: am Sonntag müssen / brauchen wir nicht arbeiten.

Denn am Sonntag dürfen wir in Gottes Nähe Atem holen für die anderen sechs Tage der Woche, an denen wir arbeiten und oft keine Zeit, keinen Gedanken für Gott haben, weil uns die Arbeit und die Sorgen fest im Griff haben. Am Sonntag aber dürfen wir aufatmen und wir dürfen teilhaben an der göttlichen Ruhe. Es ist der Tag, an dem wir uns mit Gott an der Vollendung seiner guten Schöpfung freuen können. Und es ist der Tag, an dem wir uns dankbar erinnern, dass Gott Jesus vom Tod auferweckt hat und an uns einst genauso handeln wird.

Am Sonntag wird mir klar: ich kann auch heute existieren – ganz ohne Arbeit – weil Gott mich erhält. Durch seine Gnade kann ich leben. Und Gottes Gnade ist es auch, die mir die Fähigkeit zur Arbeit schenkt. Am Sonntag aber schenkt er mir die Freiheit, ganz auf Gottes Wort zu hören.

Gott hat uns unendlich viel mehr gegeben, als wir durch unsere tägliche Arbeit erreichen können. Was wir sind, das sind wir aus Gott. Und so dürfen wir am Sonntag heraustreten aus unserem Alltag und unserem inneren Menschen, unserer Seele Ruhe gönnen. Weil es Gottes Ruhetag ist, hat dieser Tag eine besondere Würde. Es ist ein Tag, an dem Zeit ist für die Begegnung mit Gott.

Es ist ein Tag, an dem wir uns von Gott zusagen lassen:

Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus der Knechtschaft geführt habe! Ich habe dich geschaffen – und zwar sehr gut! Egal, wie dich andere sehen. Ich selbst habe dich ausgestattet mit deinen Begabungen, Talenten und Fähigkeiten. Du bist mein geliebtes Kind! Du bist geliebt, egal, was Du die ganze Woche über geleistet und wie viel Du gearbeitet hast! An jedem Sonntag werden wir daran erinnert, dass wir keine Sklaven unseres Alltags sind, sondern geliebte Kinder des allmächtigen Gottes.

Und so ist auch jeder Sonntag ein kleines Stück Neuschöpfung, das in uns die Vorfreude auf das Reich Gottes weckt. Wir dürfen uns neue Kraft, neuen Mut, neue Perspektiven, neue Ideen aus der Begegnung mit Gott schenken lassen. Gottes Segen befähigt uns, in seinem Sinn zu leben und zu arbeiten.

 

Liebe Gemeinde,

Jesus regt mit seiner Aussage in unserem Predigttext dazu an, wieder neu über das Gebot der Sabbatheiligung nachzudenken. Wie begehen wir ihn richtig, den Ruhetag des Herrn? Jesus wendet sich nicht gegen das Gebot Gottes und er will es auch nicht aufheben oder aushebeln, wenn er sagt:

27 […] Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen. 28 So ist der Menschensohn ein Herr auch über den Sabbat.

Es geht Jesus um die Einstellung, die Herzensstellung zu diesem Gebot. Letztlich geht es um die Herzensstellung zum Urheber dieses Gebots, um die Herzenshaltung gegenüber Gott, meinem Schöpfer.

 

Liebe Gemeinde,

die Pharisäer beachteten die Buchstaben des Gesetzes auf‘s Genaueste. Ihr Ziel war es, mit ihrem Leben nicht an Gottes Gebot zu scheitern. Das sklavisch-akribische Befolgen aller Bestimmungen wird dadurch zu einem inhaltsleeren Gottesdienst.

Die Jünger hingegen verbringen ihren Sabbat mit Jesus, dem Sohn Gottes. Also mit Gott selbst. Sie setzen sich seiner Nähe aus, hören auf seine Worte und feiern so den wahren Gottesdienst, auch wenn sie in den Augen der Welt das Sabbatgebot brechen.

Ich wünsche uns, dass wir heute ganz bewusst Gottes Nähe suchen. Dass wir uns beschenken lassen von Gottes Gnade und Liebe. Mit Kraft, Mut und Weisheit dürfen wir gestärkt in den Alltag zurückkehren. Von Gott inspiriert und begabt, das zu tun, was dran ist – in der Arbeit, in der Schule, im Studium, in der Küche, in der Nachbarschaft, beim Einkaufen, im Bus oder wo auch immer Sie sind.

Und der Friede Gottes, der höher ist, als alle menschliche Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Gebet

Allmächtiger Gott, lieber himmlischer Vater,
Du bist die Quelle des Lebens.
Du schenkst uns den Sonntag als Tag der Ruhe,
der Lebensfreude und der Freiheit.
Wir bitten dich: Lass uns zur Ruhe kommen,
auch dann, wenn die Arbeit noch nicht fertig ist.
Hilf, dass wir in der Freiheit der Kinder Gottes
unser Leben einteilen in Zeiten der Arbeit
und Zeiten der Ruhe.

Schenke uns, dass wir den Rhythmus der Woche
genauso genießen wie den Wechsel von Tag und Nacht,
von Anstrengung und Erholung.

Wir bitten dich um Augenmaß, Kreativität und Langmut
für den Umgang mit steigenden Coronazahlen.
Herr, erbarm dich und lass die Infizierten schnell genesen.
Hilf, die Ausbreitung des Virus einzudämmen.
Schenke Ärzten und Pflegepersonal
einen wachen Verstand und Liebe zu ihren Patienten.
Bewahre sie vor Überarbeitung und Überforderung.

Du bist der Befreier der Menschen.
Du schenkst uns den Sonntag
als Vorgeschmack auf deine Ewigkeit.
Wir bitten dich für die Menschen, die in Not leben.
Für alle, die unter Hunger, Krieg & Ungerechtigkeit leiden.
Steh ihnen bei mit Deiner heilenden Kraft
und lass sie Wege zurück zum Leben finden.
Wecke in uns die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen,
füreinander da zu sein und miteinander zu leben.

Du bist der Herr Deiner Kirche.
Du schenkst uns jeden Sonntag
die Gemeinschaft deiner Gemeinde.
Wir bitten dich für die Menschen, die hier leben,
die, die glauben und die, die zweifeln.

Hilf uns, miteinander zu leben und zu wachsen;
schenke, dass wir einander wertschätzen.
Hilf uns, Dir nachzufolgen.

Amen.