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Gottesdienst am 24. Mai – Exaudi

Am Sonntag Exaudi feiern wir Gottesdienst in der Erwartung des Heiligen Geistes. Ob in der St. Leonhardkirche oder zu Hause, seien Sie uns herzlich willkommen.

 

Zum Eingang

 

Im Namen des Vater, der Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Wir feiern Gottesdienst am Sonntag Exaudi. In unseren Kirchen und zu Hause. Der Gottesdienst zwischen Himmelfahrt und Pfingsten steht unter der Bitte um das Kommen des Heiligen Geistes.

 

Vorbereitungsgebet
Wir kommen aus der vergangenen Woche,
als Menschen, die in Beziehung zu anderen Menschen stehen, die Geliebt werden und lieben;
als Menschen mit Berufen, von denen wir Erholung und Ruhe suchen;

Wir kommen aus der vergangenen Woche,
mit Sorgen und Gedanken über unser Leben und unsere Welt,
mit der Erfahrung des Scheiterns, weil wir das, was wir uns vorgenommen haben, nicht geschafft haben,
und mit der Hoffnung, dass Gott uns ansieht und berührt.

Wir sehnen uns danach, frei zu sein,
frei von Lasten und Leiden,
frei von Schuld, von Angst und Sorge.

Du, Gott, kannst uns befreien zu neuem Leben. So beten auch wir zu dir: Gott sei uns Sündern gnädig!

Der Allmächtige Gott erbarme sich unser. Er vergebe uns unsere Sünde und führe uns zum ewigen Leben. Amen.

Gott erbarmt sich über uns. In Jesus Christus hat er uns Anteil am ewigen Leben gegeben. So können auch wir getröstet und ermutigt leben. Amen.

 

Psalm 27
Der Herr ist mein Licht und mein Heil;
vor wem sollte ich mich fürchten?
Der Herr ist meines Lebens Kraft;
vor wem sollte mir grauen?
Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe;
sei mir gnädig und antworte mir!
Mein Herz hält dir vor dein Wort:
„Ihr sollt mein Antlitz suchen.“
Darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz.
Verbirg dein Antlitz nicht vor mir,
verstoße nicht im Zorn deinen Knecht!
Denn du bist meine Hilfe; verlass mich nicht
und tu die Hand nicht von mir ab,
du Gott meines Heils!
Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich,
aber der Herr nimmt mich auf.
Herr, weise mir deinen Weg
und leite mich auf ebener Bahn
um meiner Feinde willen.
Gib mich nicht preis dem Willen meiner Feinde!
Denn es stehen falsche Zeugen wider mich auf
und tun mir Unrecht.
Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde
die Güte des Herrn im Lande der Lebendigen.
Harre des Herrn!
Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn!
Amen.

Lied EG 455,1-3 – Morgenlicht leuchtet

 

Verkündigung

 

Lesung aus dem Evangelium des Johannes im 16. Kapitel, die Verse 5 bis 15:
Jesus sprach zu seinen Jüngern:
Jetzt gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat;
und niemand von euch fragt mich: Wo gehst du hin?
Doch weil ich dies zu euch geredet habe,
ist euer Herz voll Trauer.
Aber ich sage euch die Wahrheit:
Es ist gut für euch, dass ich weggehe.
Denn wenn ich nicht weggehe,
kommt der Tröster nicht zu euch.
Wenn ich aber gehe, werde ich ihn zu euch senden.
Und wenn er kommt,
wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde
und über die Gerechtigkeit und über das Gericht;
über die Sünde: dass sie nicht an mich glauben;
über die Gerechtigkeit: dass ich zum Vater gehe
und ihr mich hinfort nicht seht;
über das Gericht: dass der Fürst dieser Welt gerichtet ist.
Ich habe euch noch viel zu sagen; 
aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen.
Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit,
wird er euch in aller Wahrheit leiten.
Denn er wird nicht aus sich selber reden;
sondern war er hören wird, das wird er reden,
und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen.
Er wird mich verherrlichen;
denn von dem Meinen wird er´s nehmen
und euch verkündigen.
Alles, was der Vater hat, das ist mein.
Darum habe ich gesagt:
Er nimmt es von dem Meinen
und wird es euch verkündigen.

 

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde,

jeder kennt das alte Sprichwort „Scherben bringen Glück.“ Es wird oft ein wenig im Trotz ausgesprochen. Denn wenn etwas zu Bruch gegangen ist, dann ist das – zumindest im ersten Moment – ärgerlich.

Noch viel schlimmer ist es, wenn im Leben etwas zu Bruch gegangen ist: Eine Freundschaft, die uns viel bedeutete; ein Ehebruch oder ein Zwist unter Geschwistern. Solche Situationen als Glück zu verstehen, wird oft nicht einmal bei einem tieferen Blick einleuchten.

Vor den Scherben des ersten Tempels stand einst der Prophet Jeremia. Dort, wo das Allerheiligste, die Tafeln mit den Geboten waren, herrschte nur noch gähnende Leere. Verkohlte Balken, herumliegende Steine und Mauerreste kündeten von der goldenen Zeit davor.

Jeremia hebt eine Scherbe auf. Er nimmt sie mit sich fort aus den Trümmern. Sie soll seine Erinnerung sein an den Ort, der einmal das religiöse Zentrum des Landes war.

Später schreibt Jeremia im 31. Kapitel des Prophetenbuches die folgenden Zeilen:

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr,
da will ich mit dem Haus Israel
und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen,
nicht wie der Bund gewesen ist,
den ich mit ihren Vätern schloss,
als ich sie bei der Hand nahm,
um sie aus Ägyptenland zu führen,
mein Bund, den sie gebrochen haben,
ob ich gleich ihr Herr war, spricht der Herr,
sondern das soll der Bund sein,
den ich mit dem Hause Israel schließen will
nach dieser Zeit, spricht der Herr:
Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben
und in ihren Sinn schreiben,
und ich will ihr Gott sein,
und sie sollen mein Volk sein.
Und es wird keiner den anderen
noch ein Bruder den anderen lehren
und sagen: „Erkenne den Herrn.“,
denn sie sollen mich alle erkennen,
beide, Klein und Groß, spricht der Herr;
denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben
und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

 

Liebe Gemeinde,

die Scherbe ist das Zeichen des zerbrochenen alten Bundes Gottes mit den Menschen. In Israel wurde der Verlust des Tempels als eine große Katastrophe angesehen. Das Allerheiligste hatte keinen festen Ort mehr. Man konnte sich dort nicht mehr so versammeln wie zuvor. Das trieb Manche in die Verzweiflung.

Jeremia jedoch findet eine Antwort, die weit über diese Situation hinausträgt. Er ist fest davon überzeugt, dass Gottes Bund immer noch gilt, auch wenn Vieles in Schutt und Asche liegt. Gottes Bund gilt, auch über den Bruch hinfort. Er hält seine Scherbe noch immer in der Hand, als er schreibt: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben.  Der Bund Gottes mit dem Menschen hängt nicht an diesem besonderen Ort. Er besteht fort – zuallererst in den Herzen und Sinnen der Menschen.

Als die Köditzer 1638 vor den Trümmern ihrer Kirche standen, da mag sie das auch ganz ähnlich umgetrieben haben. Kirchliches Leben fand weiterhin statt, nur an anderer Stelle. Damals war es die Mühle unten am Bach, die, weil sie unzerstört geblieben war, als Stätte des Gottesdienstes diente. Eine große Gemeinde wird sich dort nicht haben versammeln können, stelle ich mir immer vor. Ohnehin war durch die Kriegsjahre die Bevölkerung stark geschrumpft. Doch der Wille weiter gemeinsam zu feiern, blieb vorhanden.

Gottes Treue wurde so neu erfahren. Das gab die Kraft, das Werk des Wiederaufbaus anzugehen. Der treue Gott ist nicht einen bestimmten Ort gebunden. Er ist nicht auf das Heiligtum festgelegt. Er ist vielmehr auch ganz persönlich, in den Herzen erfahrbar. Er ist ein Gott, der zu uns kommt – so wie er zu Israel aus der Wüste herkam und das Volk aus der Sklaverei in die Freiheit zu führen.

So zeigt sich Gott auch heute nicht nur in unseren Kirchengebäuden, die nun besonderen Nutzungsbedingungen unterliegen. Er zeigt sich auch bei unseren Gottesdiensten unter dem freien Himmel wie auch, wenn wir Gottesdienst zu Hause mit dem Handy oder am PC feiern.

Die Scherbe des Jeremia ist ein Bruchstück, das davon kündet, was einmal war. Ihre scharfen Kanten machen uns bewusst, dass es schmerzliche Einschnitte gibt im Leben. Manche Wunden bleiben, auch wenn schon lange Zeit vergangen ist.

Die Scherbe des Jeremia ist aber auch ein Hoffnungsstück. Sie muss ergänzt werden, um wieder vollständig zu werden. Die Brüche werden sichtbar bleiben, wo Neues an Altem angesetzt wird, wird man es sehen. Aber das kann dennoch gut zusammenpassen.

Das schreib dir in dein Herze, du hochbetrübtes Heer,
bei denen Gram und Schmerze, sich häuft je mehr und mehr.
Seid unverzagt, ihr habet, die Hilfe vor der Tür;
der eure Herzen labet und tröstet, steht allhier.

Das zerbrochene und nicht vollendete im Leben wird zum Hoffnungsträger. Wenn wir ins Erzählen kommen, fällt uns oft ein, was uns fehlt, was wir verloren haben, für immer. Oder wir verfallen in einen Jammerton über das, was uns beschwert. Wie wäre es, wenn wir die Scherbe von Hand zu Hand weiter reichten. Wie wäre es, wenn wir uns damit gegenseitig ermutigten, indem wir von den Dingen erzählen, die uns nicht gelungen, an denen wir leiden. Es könnte sein, dass sich uns unvermittelt ein Trost einstellt. Die Hilfe ist vor der Tür, näher als wir je erahnt.

Am Sonntag Exaudi richtet sich unsere Hoffnung auf das Kommen dieses tröstlichen Geistes. Der Geist fügt zusammen, was in uns zerbrochen ist. Der Geist hält unsere Gemeinschaften zusammen, auch wenn sie Bewährungsproben ausgesetzt sind. Geist ohne Gemeinschaft ist schwerlich denkbar und erfahrbar.

Wo etwas Altes aufgebrochen ist, können sich ganz neue Wege auftun. Diesen Geist, der uns auf neue Wege führt, erwarten wir voller Geduld und Hoffnung.

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Lied EG 136 – O komm, du Geist der Wahrheit

 

Gebet und Segen

 

Fürbittengebet

Herr Jesus Christus,
du hast uns deinen Geist verheißen,
damit wir in ihm leben,
lehre uns recht um ihn zu bitten,
schenke uns Geduld im Warten,
und lass und gewiss werden, dass dein Geist kommt.

Herr Jesus Christus,
du hast uns deinen Geist verheißen,
der versöhnt und nicht spaltet,
lass uns daran immer erinnern, wenn wir im Streit miteinander liegen,
in der Familie,
in der Gemeinde,
oder wo auch immer wir sind.

Herr Jesus Christus,
du hast uns deinen Geist verheißen,
schenke dort Versöhnung, wo Krieg und Vertreibung herrschen,
schenke Frieden in der Welt.

Herr Jesus Christus,
du hast auch denen deinen Geist verheißen,
die schwach und verzweifelt sind,
tritt du für sie ein und stärke sie,
du hast deinen Geist verheißen für alle,
die um einen lieben Menschen trauern,
tröste du sie und richte sie auf.

Herr Jesus Christus,
du hast deinen Geist verheißen, denen,
die krank sind, befreie sie zu neuem Leben,
die einsam sind, verbinde und führe zu neuer Gemeinschaft,
die ratlos sind, schenke Zuversicht ins Leben.
Amen.

Vaterunser

 

Segen
Der Herr segne euch und behüte euch.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch + Frieden.
Amen.