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Gottesdienst am 23. August

Gott durchkreuzt unser Denken und Urteilen. Wie wir mit Gott reden und über die Menschen – darum geht es in dem heutigen Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner. Wir feiern Gottesdienst im Garten der Wagnerei mit Pfarrer Michael Grell.

Zum Eingang

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Wir sind zum Gottesdienst gekommen, wie Pharisäer und Zöllner, von denen wir heute in der Predigt hören werden. Wie stehen wir vor Gott und wie sieht Gott uns an? Wir feiern Gottesdienst in seiner Gegenwart, wo immer wir an diesem Gottesdienst teilnehmen.

Eingangslied EG 449,1.3.6 – Die güldne Sonne
Die güldne Sonne voll Freud und Wonne
bringt unsern Grenzen mit ihrem Glänzen
ein herzerquickendes, liebliches Licht.
Mein Haupt und Glieder, die lagen darnieder;
aber nun steh ich, bin munter und fröhlich,
schaue den Himmel mit meinem Gesicht.

Lasset uns singen, dem Schöpfer bringen
Güter und Gaben; war wir nur haben,
alles sei Gotte zum Opfer gesetzt!
ie besten Güter sind unsre Gemüter;
dankbare Lieder sind Weihrauch und Widder,
an welchem er sich am meisten ergötzt.

Lass mich mit Freuden ohn alles Neiden
sehen den Segen, den du wirst legen
in meines Bruders und Nähesten Haus.
Geiziges Brennen, unchristliches Rennen
nach Gut mit Sünde, das tilge geschwinde
von meinem Herzen und wirf es hinaus.

 

Psalm 145 zum Eingang
Lasst uns beten mit den Worten des Psalms:

Ich will dich erheben, mein Gott, du König,
und deinen Namen loben immer und ewiglich.
Ich will dich täglich loben
und deinen Namen rühmen immer und ewiglich.
Der Herr hält alle, die da fallen,
und richtet alle auf, die niedergeschlagen sind.
Der Herr ist gerecht in allen seinen Wegen
und gnädig in allen seinen Werken.
Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen,
allen, die ihn mit Ernst anrufen.
Er tut, was die Gottesfürchtigen begehren,
und hört ihr Schreien und hilft ihnen.
Der Herr behütet alle, die ihn lieben,
und wird vertilgen alle Gottlosen.
Mein Mund soll des Herrn Lob verkündigen,
und alles Fleisch lobe seinen heiligen Namen
immer und ewiglich.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.

Wie es war im Anfang, jetzt und allezeit und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Confiteor

Herr Jesus Christus,
du bist für uns am Kreuz gestorben,
dass wir mit dir leben.

Wir bekennen dir,
dass wir dir diese Liebe zu wenig gedankt haben:
Statt dich zu loben,
haben wir über das geseufzt, was uns beschwert.
Statt dir zu gehorchen, haben wir danach gefragt, was uns nützt.
Wann werden wir die Angst los, wir könnten zu kurz kommen,
sobald wir dir nachfolgen?

Herr, vergib uns unsere Schuld
Und wandle unsere Herzen durch die Macht deiner Liebe.
Herr, erbarme dich.

Kyrie eleison
Kyrie eleison – Herr, erbarme dich
Christe eleison – Christus, erbarme dich
Kyrie eleison – Herr, erbarm dich über uns

Gnadenzusage
Gott schenkt seine Gnade uns allen.
In Jesus Christus lässt er sie uns jeden Tag neu erfahren.
Darum lasst ihm uns danken und loben in alle Ewigkeit. Amen.

Tagesgebet
Du kennst uns, Gott:
wir schätzen uns selbst zu hoch ein oder zu gering.
Zeige uns, wer wir wirklich sind.
Lass uns deinem Urteil standhalten.
Wir bitten dich um deine befreiende Gegenwart,
wenn wir jetzt beten und singen, hören und reden.
Durch Jesus Christus, unsern Bruder und Herrn.
Amen.

 

Verkündigung

Lesung – Eph 2,4-10
Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr gerettet –; und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus, damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus. Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.

Glaubensbekenntnis

Wochenlied 083,1-3 – Meine engen Grenzen

Meine engen Grenzen,
meine kurze Sicht bringe ich vor dich.
Wandle sie in Weite; Herr, erbarme dich.
Wandle sie in Weite; Herr, erbarme dich.

Meine ganze Ohnmacht,
was mich beugt und lähmt bringe ich vor dich.
Wandle sie in Stärke; Herr, erbarme dich.
Wandle sie in Stärke; Herr, erbarme dich.

Mein verlornes Zutraun, 
meine Ängstlichkeit, bringe ich vor dich.
Wandle sie in Wärme; Herr, erbarme dich.
Wandle sie in Wärme; Herr, erbarme dich.

 

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde,

„das hab ich aber jetzt aber wirklich wieder besser hinbekommen als der Kollege!“, sagt die Ehefrau zu ihrem Mann. Der reagiert auf den Kummer der Tochter über die Drei in Mathe pädagogisch nicht ganz korrekt, aber tröstend: „Ist doch nicht so schlimm, da gab´s bestimmt noch Schlechtere.“

Wir messen uns unentwegt mit anderen. Manchmal ist es nur ein bisschen Vergleichen. Manchmal aber sind wir auch schon ein bisschen gnadenlos, wenn es um das Urteil über andere geht.

Von einem, der sich mit anderen misst, die in seiner Nähe sind, ist im heutigen Evangelium die Rede. Hört die Worte Jesu aus dem Lukasevangelium im 18. Kapitel:

Jesus sagte aber zu einigen, die überzeugt waren, fromm und gerecht zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis: Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht so bin wie die andern Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme. Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zu Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig!
Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.

Liebe Gemeinde,

diese beiden Personen haben ein klares Profil. Es ist meisterhaft herausgearbeitet in diesem kurzen Textstück. Beide gehen hinauf in den Tempel, Pharisäer und Zöllner. Sie verbindet dieser Weg, der sie in die Nähe Gottes führen soll. Der Pharisäer findet seinen Platz, wo er immer ist. Nahe am Heiligtum. Dort ist er gerne und oft. Er hat lieb die Stätte dieses heiligen Hauses, wie es im Psalm 26 heißt. Und er ist ganz fest mit den Worten dieses Psalms davon überzeugt, dass er als Gerechter an diesem Ort die Nähe Gottes spüren wird. Er hat auch die religiösen Gebote gehalten. Er hat gespendet und gibt einen nicht unerheblichen Teil seines Geldes für die Armen und die Allgemeinheit.

Dagegen kann dieser Zöllner nicht bestehen, der still hinten steht. Er ist ihm heute besonders aufgefallen. So wie diese Zöllner könnte er nicht leben, wollte er nicht leben. Aber was weiß der Pharisäer schon vom Zöllner, den er nur flüchtig im Tempel wahrgenommen hat?

Der Zöllner nimmt dagegen die Welt um sich herum erst gar nicht wahr. Er ist heute in den Tempel gekommen, weil ihn irgendwas dorthin gezogen hat. Er kann nicht so genau sagen, was es ist. Er bleibt lieber hinten stehen. Er will sich nicht in den Mittelpunkt stellen. Eher fühlt er sich ein wenig fehl am Platz. Er hat sein Gesicht in sich gekehrt. Ihm kommt ein einziger Vers in den Sinn, den er noch aus dem 51. Psalm kennt. Kaum hörbar kommt er über seine Lippen.

Das Schlusswort Jesu weist den Weg: Der Zöllner ist gerechtfertigt vor Gott. Wer so betet, wie der Pharisäer, der wird vor Gott erniedrigt werden. Aber hat denn der Pharisäer in seinem Gebet nicht auch die Worte eines Psalms benutzt, die ihm vertraut waren und die ihm angemessen erschienen?

Was weiß der eine schon vom Anderen? Vermutlich nicht viel. Pharisäer und Zöllner sind in diesem Gleichnis zwei Protagonisten, die gegensätzlicher nicht stilisiert sein könnten. Tue so, wie der Zöllner, legt uns die einfache Botschaft nahe. Bekenne dich zu Gott als Sünder, der du bist, und Gott wird dich freisprechen.

Ja, aber was weiß der Pharisäer vom Zöllner wirklich? Woher weiß er denn, wie die anderen Leute wirklich sind, die er Verbrecher, Ehebrecher, Räuber nennt? Wer so verallgemeinernd von anderen Menschen spricht, begibt sich schnell in eine Gefahr. Der Pharisäer im Gleichnis benutzt diese negativen Zuschreibungen für andere Personen, die er nicht genau kennt, aber gut zu kennen meint. So macht es der, der etwas weiß über den anderen und ihn darin aufgehen und untergehen lässt. Ob der Zöllner nicht doch ein Gebet sprechen wird, das ihm entspricht und das vor Gott Gehör findet, bleibt auch dem Pharisäer verborgen. Auch wir ertappen uns dabei, dass wir vermeintlich über andere Bescheid wissen. Und doch wissen wir oft nicht, was einen Mitmenschen im Innersten bewegt. Wie er vor Gott tritt und von Gott gesehen wird, bleibt uns verborgen. Wir alle sehnen uns nach der Nähe Gottes, aber treten doch vor ihn in ganz unterschiedlicher Weise.

Tue so, wie der Zöllner. Dann wird Gott dich freisprechen und Dir nahe sein. Aber ist er nicht doch ein Heuchler, dieser Zöllner? Seine Demut wird von Jesus gelobt, aber ist sie nicht nur eine vordergründige Übung? „Seht her, wie demütig ich bin.“ Ob jemandem ein Schuldbekenntnis abgenommen wird, hängt nicht allein an den Worten, mit denen er es ausspricht. Über die Aufrichtigkeit des Schuldbekenntnisses der Evangelischen Kirche 1945 zum Holocaust und zum Dritten Reich wurde lange Jahre kontrovers diskutiert. Auch die derzeitigen Schuldbekenntnisse zu Missbrauchsfällen von den Kirchenleitungen verhallen im leeren Raum, solange ihnen keine Taten folgen. Schuld und Vergebung, wahre Versöhnung ist eine Beziehungstat. In unserem Gleichnis stiftet Gott den Anfang. Es ist der Gott, der aus der Distanz wirkt und den Zöllner nicht verwirft, obwohl er gesündigt hat. „Und er stand ferne“ und doch in einer Beziehung zu Gott.

Es ist darum weder das lange Gebet des Gerechten mit den Worten des Psalm 26, also des Pharisäers, noch das kurze Wort des Zöllners aus Psalm 51, das Gott gnädig stimmt, sondern Gottes Wort, das hier Rettung schafft. Die Rettung für uns alle liegt darin, dass Gott unser Denken durchkreuzt. Jesus sagt es mit dem Wort: Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden. Zu den beiden Protagonisten unserer Geschichte kommt also noch ein dritter hinzu: Gott selbst. Er stört auf heilvolle Weise unsere Pläne, unser Urteilen und Denken.

Aber trotzdem bleibt es ein fahler Nachgeschmack. Der Pharisäer wird am Ende nicht angenommen. Er bleibt der Unsympathische in dieser Geschichte. So wie er wollen wir nicht sein. Er lässt uns tief in sein Gebet blicken. Er beschäftigt sich mehr mit sich selbst. Gott gewinnt darin wenig Raum. Er dankt Gott. Aber dann fällt er wieder auf sich selbst zurück. Mehr als diese Oberfläche seines Gebets sehen auch wir nicht. Was ihn im Herzen dazu bewegt, allezeit die Nähe Gottes im Tempel zu suchen, bleibt uns verborgen. Wenn Menschen beten, verbietet sich eigentlich jedes Urteil. Wir können nur das Äußere beurteilen, was wir beobachten. Bei einem mag es fromme Demut sein, beim anderen frommer Hochmut. Der je eigene Glaube freilich bleibt für den Betrachter unsichtbar. Ob jemand sich zur Kirche hält, ob er eine religiöse Praxis pflegt oder um Vergebung seiner Sünden bittet, all dies sagt nichts darüber aus, ob er ein besserer oder schlechterer Mensch ist vor Gott.

Wir alle brauchen die Gnade Gottes. Wir alle sehnen uns danach, von Gott und den Menschen angenommen zu werden. Im Sinne des Gleichnisses und Jesu Mahnung. Wie wäre es, wenn wir einander mit Wertschätzung begegneten, egal wie wir unser Gebet formulieren, egal ob wir fern stehen vor Gott oder ob wir ihm uns nahe fühlen. Denn wir können so viel voneinander lernen, wenn wir miteinander – nicht übereinander – im Gespräch bleiben – von Angesicht zu Angesicht. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Lied EG 170,1-3 – Komm, Herr segne uns

Komm Herr, segne uns, dass wir uns nicht trennen,
sondern überall uns zu dir bekennen.
Nie sind wir allein, stets sind wir die Deinen.
Lachen oder Weinen wird gesegnet sein.

Keiner kann allein Segen sich bewahren.
Weil du reichlich gibst, müssen wir nicht sparen.
Segen kann gedeihn, wo wir alles teilen,
schlimmen Schaden heilen, lieben und verzeihn.

Frieden gabst du schon, Frieden muss noch werden,
wie du ihn versprichst uns zum Wohl auf Erden.
Hilf, dass wir ihn tun, wo wir ihn erspähen – 
die mit Tränen säen, werden in ihm ruhn.

Abkündigungen

 

Gebet und Segen

Fürbittengebet
Lasst uns beten:

Gott, wir bitten dich für alle,
die an ihrer Schuld und Unzulänglichkeit leiden,
dass sie erkennen: Gott wendet sich ihnen in Gnade zu;
für alle, die selbstsicher und selbstbewusst sind,
dass sie Gott als Quelle ihres Lebens und ihrer Fähigkeiten erkennen;
für alle, die im Schatten des Todes leben,
dass sie die Botschaft von der Auferstehung hören und begreifen;
lasst uns zu Gott beten: Herr, erbarme dich!

Gott wir bitten dich für alle,
die durch ihre Arbeit in der Gefahr stehen,
anderen zu schaden und sie zu übervorteilen,
dass sie sich an den Weg Gottes und seine Gebote halten;
für alle, die fest im Leben der Kirche stehen,
dass sie Gott dafür danken und nicht auf andere hinabsehen;
für alle, die herausgehobene Positionen
in unserem öffentlichen Leben haben,
dass sie sich im Dienst der anderen wissen,
lasst uns zu Gott beten: Herr, erbarme dich!

Gott, wir bitten dich für die Christen in der Welt,
dass sie die Botschaft von der Vergebung weitersagen
und Menschen einander zu Brüdern und Schwestern werden;
für die ganze Welt, dass sie frei wird
von Hass, Krieg und Ungerechtigkeit und zu Gottes guter Welt wird,
lasst uns zu Gott beten: Herr, erbarme dich!

Für alle, die krank sind an Leib und Seele,
lass sie Geduld bewahren und Heilung erfahren,
für alle, die sich sorgen angesichts der wieder zunehmenden Infektionszahlen,
zeige Wege, mit Besonnenheit die Krise zu meistern,
für alle, die nicht mehr zum Gottesdienst kommen können,
lass sie erfahren, dass Du auch bei Ihnen bist mit Deiner Nähe und Gnade.
Wir bitten: Herr, erbarme dich.

Herr, du willst nicht unsere Verurteilung, sondern unser Leben.
So schenke dein ewiges Leben uns und deiner ganzen Welt. 
Amen.

Vaterunser

Segen
So geht in diesen Sonntag
und in die neue Woche
unter dem Segen unseres Herrn:
Der Herr segne Euch und behüte Euch,
der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Euch
und sei Euch gnädig,
der Herr erhebe sein Angesicht auf Euch
und schenke Euch Frieden. 
Amen.