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Gottesdienst am 22. März – Lätare

Momentan ist es unmöglich gemeinsam Gottesdienst in der Kirche zu feiern. Pfr. Dr. Matthias Westerhoff hat für uns Gottesdienst und Predigt zum Sonntag Lätare, 22. März, vorbereitet. Sie können hier lesen, eine persönliche Andacht feiern, die Gebete sprechen und sich die Lieder anhören oder sogar selbst dazu singen. Zum Schluss gibt´s noch ein ein Schmankerl: ein paar Fragen – nicht nur für Konfirmanden! Wir wünschen Ihnen einen gesegneten Sonntag.  

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. (Man kann sich dabei auch bekreuzigen.)
Heute feiern wir den vierten Sonntag in der Passionszeit, welcher den Namen „Lätare“ trägt, zu Deutsch „Freue dich“. Man solle jetzt nicht Trübsal blasen, sagte mein ältester Sohn.

Wir singen Lied 98 „Korn, das in die Erde.“
Mit Kinderchor: https://www.youtube.com/watch?v=54HyDvOFa7g
Bloß Orgel zum Selbersingen: https://www.youtube.com/watch?v=0a-emQKnwYA

Wir beten:
Lieber Gott,
Halt unseres Lebens bist du in Angst.
du bist uns Zuversicht in Zweifel.
Du bist uns nahe in Traurigkeit.
Stecke uns an mit deiner Freude,
die uns begegnet in Jesus Christus, unserem Bruder.
Ihm sei Ehre alle Zeit und in Ewigkeit.

Wir lesen das Evangelium: Johannes 12,20-24
und bekennen den Glauben.

Dann lesen wir den Predigttext Jesaja 66,10-14
und folgende Predigt

Liebe Gemeinde,

I

Freude kann etwas ganz Kleines hervorzaubern, zum Beispiel wenn in der Fichte vor dem Fenster ein Gimpelmännchen sitzt, auch bekannt unter der Bezeichnung Dompfaff, mit seinem schwarzen Käppchen und seinem leuchtend roten Bauch.

Freude macht ein überraschender Besuch und wenn es nur der Besuch eines hübschen Vogels vor dem Fenster ist. Es ist die unerwartete Erscheinung von etwas Wunderschönem. Natürlich weiß man, mehr oder weniger, dass es diesen Vogel gibt, hat schon einmal eine Abbildung gesehen, aber wenn er dann da ist und keck sein Köpfchen zuwendet mit seinem schwarzen Kegelschnabel, dann ist das ein wunderbarer Moment der Freude, die man auch gerne seinem Mitmenschen mitteilt.

II

Der heutige Sonntag heißt „Laetare“, das heißt auf Deutsch „Freue dich“. Der Predigttext für den heutigen Sonntag ist aus dem Propheten Jesaja genommen, von ganz hinten aus diesem dicken Prophetenbuch und es ist die Stelle, aus der man den Namen für den heutigen Sonntag herausgezogen hat. „Freut euch über Jerusalem und jubelt in ihr alle, die sie lieben.“

Jerusalem ist für uns weit weg. Die Aufforderung „Freut euch mit Jerusalem“ können wir nicht unbedingt nachvollziehen. Aber wer schon einmal dort war, als Tourist im Lande Israel, wird die Stadt nicht mehr vergessen, das habe ich aus Gesprächen mit denen, die dort waren, erkannt. Wer Jerusalem besucht hat, kann etwas empfinden für diese Stadt, die heute den Gläubigen von drei Religionen heilig ist, den Juden, den Christen und den Muslimen.

Den Juden, weil die Stadt seit den Tagen des Königs David Hauptstadt eines geeinten Reiches war und besonders, weil unter seinem Nachfolger, Königs Salomo der Tempel gebaut wurde, ein Ort, an dem man die Gegenwart Gottes verehrte. Heute beten Juden aus aller Welt an einer Mauer, welche die Terrasse stützt, auf welcher einmal der Tempel stand. Man nennt sie die Klagemauer und sie stecken Zettel mit Gebetsanliegen in die Ritzen zwischen den großen Kalksteinen. Den Trauernden ruft der Prophet zu: „Freut euch mit ihr mit Freuden, alle, die ihr über sie trauert“ (Jes 66,10).

Den Christen ist die Stadt heilig, weil Jesus die letzte Woche seines irdischen Lebens in ihr verbracht hat. Als er mit seinen Jüngern ankam, von Osten her, müssen sie diesen unvergleichlichen Blick gehabt haben auf den Tempel, „mit schönen Steinen und Weihegaben geschmückt“ (Lukas 21,5). Er lieh sich einen Esel aus und ritt auf ihm in die Stadt ein. Die Leute riefen ihm zu: „Gebenedeit sei der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe“ (Mt 21,9). Man zeigt noch heute einen Saal, in dem Jesus sein letztes Abendmahl gefeiert haben soll und über dem leeren Grab wurde eine Kirche erbaut, welche die Griechen Tempel der Auferstehung nennen.

Den Muslimen ist die Stadt heilig, weil der Legende nach Mohammed von Mekka aus des Nachts auf einem wunderbaren Reittier namens Burak nach Jerusalem gereist ist und dort eine Himmelfahrt erlebt hat, bei der ihn Gott etwas von seinen Wundern sehen ließ (Koran Sure 17 „die Nachtreise“,1). Gen Jerusalem gewandt beteten die Muslime zuerst, bevor die Gebetsrichtung nach Mekka hin orientiert wurde. Noch heute steckt Muslimen die Eroberung Jerusalems durch die Kreuzfahrer im Jahr 1099 in den Knochen. Und wer unter den Muslimen heutzutage die Abendländer und ihren Hochmut hasst, nennt sie „die Kreuzfahrer“.

III

Ein Wunder, dass es diese Stadt heute noch gibt. So oft ist sie erobert und zerstört worden, wurden ihre Bewohner exiliert oder massakriert. Welche Stadt wäre so alt und so völkerverbindend? Wie wir heute etwas für diese Stadt empfinden könnten, das kann uns Jesus lehren: Als er die Stadt sah, weinte er über sie (Lukas 19,41) und er redete sie an: „Du hast die Zeit nicht erkannt, in der du besucht worden bist“ (Lukas 19,44).

Es gab einen Besuch. Jesus zog ein als Friedensherrscher. Er randalierte im Tempel, trieb die Verkäufer von Opfertieren hinaus. Der Tempel sollte ein Bethaus sein, keine Räuberhöhle. Aber der Besuch wurde dann doch nicht erkannt, nicht wahrgenommen. Aber er liebte die Stadt, sonst hätte er nicht über sie geweint.

Trotzdem soll es heute anders sein: Uns mitzufreuen, werden wir aufgefordert. Die Freude soll sein wie die eines Säuglings, der an der Brust seiner Mutter gestillt wird: „Freut euch, weil ihr saugt und euch sättigt an der Brust ihres Trostes, weil ihr schlürft und euch labt an der Zitze ihres Überflusses“ (Jes 66,11).

Als eine junge Mutter wird uns die Stadt vorgestellt, die ihre Kinder stillt und sie erfahren dabei Trost und Überfluss. Wonneproppen nennt man so ein Kind, das gestillt wird und dabei dick wird, weil es ja noch nicht krabbeln kann und sich noch wenig bewegt.

Und es verschwimmt so, wer hier tröstet, die Stadt oder es ist Gott selbst, weil er sagt: „Wie einen, den seine Mutter tröstet, so will ich euch trösten und an Jerusalem werden ihr getröstet werden.“ Laetare, der heutige Sonntag, wird gerne als das „kleine Ostern“ bezeichnet, auf der Halbzeit zwischen Aschermittwoch und Ostern. Den Trost haben die Jünger erfahren, als der Auferstandene zu ihnen hereintrat und sagte: „Friede sei mit euch“ (Johannes 20,21). Das war in Jerusalem. Reichtum, Überfluss wie von fetter Muttermilch erfuhren die Jünger am Pfingsttag, als der Geist mit Sturmgebraus und Flammen auf sie kam und sie nun gleich selbst von dem Überfluss des Geistes mitteilten und in den Sprachen Gott lobten, welche die Muttersprachen waren von allen Volksgruppen, die zu einem Wallfahrtsfest nach Jerusalem gekommen waren.  

Auch aus dem heutigen Evangelium hören wir von Reichtum und Fruchtbarkeit. Die Voraussetzung davon ist, dass das Weizenkorn in die Erde fällt und stirbt. „Wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht“ (Johannes 12,24). Dass Jesus starb, wurde Grund zur Freude für alle, die gebunden waren und von Stricken des Todes überwältigt. So soll auch unser ganzes Sein und Wesen von der Trauer zur Freude gewendet werden.

IV

Futtern wie bei Muttern wird den lieben Kindern beim Propheten Jesaja verheißen. Was es bei Mutter Kirche zu futtern gibt? Momentan gar nichts, wie es scheint. Die Orgel schweigt. Die Bänke sind leer. Sie waren auch vorher nicht besonders voll, jetzt sind sie leergeräumt wie das Regal für Toilettenpapier im Supermarkt. Kein heiliges Abendmahl wird ausgeteilt. Es war schon an Oculi ziemlich trocken, weil der Wein aus hygienischen Gründen verweigert wurde. Trotzdem, das heilige Abendmahl ist auch mobil. Der Pfarrer braucht bloß angerufen werden und er kommt und bringt es ins Haus. Denn es heißt: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet“ (Jesaja 66,13).

Aber seltsam unverständlich ist es, dass sogar dem Krankenhausseelsorger der Weg ins Krankenhaus verwehrt wird, jetzt, wo man ihn so dringend bräuchte. Vielleicht müsste man auch über uns weinen, weil wir die Zeit nicht erkennen, in der wir besucht werden.

Aber es soll keiner ungetröstet sterben. Es kann ja auch die Krankenschwester ein Vaterunser beten oder den 23. Psalm rezitieren. Wozu sonst gibt es bei Mutter Kirche Konfirmationsunterricht und werden in ihr junge Menschen konfirmiert, dass sie das Wort weitergeben, wenn Not am Mann ist.

Wenn man bedenkt, eine Stadt, die so viel Leid erlitten hat und so viele Narben an ihrem Leib trägt wie Jerusalem, wenn diese Stadt als junge Mutter mit üppigen Brüsten dargestellt wird, das ist doch eine Ermutigung für einen Menschen mit biographischen Brüchen.  Auch wenn die Lebenslinie nicht geradeaus verlaufen ist, vielmehr Zeiten des Schmerzes kennt und Zeiten, in denen man fast gar nichts mehr war, so soll doch gerade der Mensch, der weiß, was das ist, „ein geängsteter Geist“, ein „geängstetes, zerschlagenes Herz“ (Psalm 51,19), trösten. Gerade ein solcher Mensch wird heute berufen, zu stillen, Trost zu spenden, den Strom des Friedens anzuzapfen, auf dem Arm zu tragen. Es heißt ja „Ihr sollt an Jerusalem getröstet werden“ (Jesaja 66,13), also an einer Stadt, die so viel mitgemacht hat, von der sooft nichts mehr übrig war und die doch so viele Völker verbindet.

Wenn jetzt einer stirbt, so soll er wissen, so darf sie wissen: Die Tore dieser Stadt stehen offen. Denn seit der Zeit, in der das Christentum geboren wurde, nannte man den Ort, wo Gott wohnt und wo es den Tod nicht mehr gibt, und wo er die Tränen trocknet, Jerusalem. „Aber das Jerusalem, das droben ist, das ist die freie; das ist unsere Mutter“, schrieb einmal der Apostel Paulus (Galater 4,26). Auch wenn das himmlische Jerusalem unter uns vergessen ist und man eher reden hört von einem „Ort, an dem er es besser hat“ oder den Kindern erzählt wird, Opa schaue von einer Wolke herab, so wollen wir uns doch an Jerusalem trösten, wo Gott alle Tränen abwischen wird und der Tod nicht mehr sein wird, noch Leid noch Geschrei, wie Johannes, der Seher der Offenbarung schreibt (Offenbarung 21).

Der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Dann singen wir Lied 398 In dir ist Freude.
Sehr schön, aus der Nürnberger Sebalduskirche ist https://www.youtube.com/watch?v=P1mog6POXNY

Wir beten:
Christus ist das Weizenkorn, das starb, um Frucht zu bringen.
Von dieser Frucht leben wir.
Dass er allen daran Anteil gebe, die ihrer bedürfen,
dazu rufe er Arbeiter in die Ernte.
Lasst uns rufen: Erhöre uns, Gott.

Gemeinde Erhöre uns, Gott.

Wir bitten dich für unser Volk uns seine Regierung um Weisheit,
dass ein jeder dazu beiträgt, den anderen zu schützen oder ihn aufzumuntern.
Hilf, dass wir jeden Tag aus deiner Hand nehmen, auch wenn wir nicht planen können.
Lasst uns rufen: Erhöre uns, Gott.

Gemeinde Erhöre uns, Gott.

Wer soll den Spargel stechen, wenn die Grenzen dicht sind
und die Arbeiter aus Osteuropa und Südosteuropa nicht mehr kommen? Wir bitten dich, dass wir bei aller Vorsicht die Solidarität nicht vergessen. Wir bitten dich in diesen Tagen besonders für unsere italienischen Brüder und Schwestern.
Lasst uns rufen: Erhöre uns, Gott.

Gemeinde Erhöre uns, Gott.

Lieber Gott,
wir bitten dich für einen Menschen, der soziale Kontakte liebt
und sich jetzt fühlt wie auf einer Eisscholle, um das Gespräch, das ein gutes Buch bietet.
Lasst uns rufen: Erhöre uns, Gott.

Gemeinde Erhöre uns, Gott.

Wir bitten dich für alle, die in Krankenhäusern arbeiten, Ärzte und Pflegekräfte, die sich jetzt selbst gefährden. Wir bitten dich auch für die wenigen Ärzte und Helfer, welche Arbeit tun für Flüchtlinge auf griechischen Inseln.
Lasst uns rufen: Erhöre uns, Gott.

Gemeinde Erhöre uns, Gott.

Wir bitten dich um Helfer für alte Menschen beim Einkaufen,
dass sie die Hilfe auch annehmen
und dass sie bewahrt werden in ihrem hohen Alter.
Wir bitten dich für Menschen, die ohne ihre Verwandten sterben, dass sie doch jemanden finden, der sie tröstet.
Lasst uns rufen: Erhöre uns, Gott.

Gemeinde Erhöre uns, Gott.

Du bist das Weizenkorn,
das starb, um Frucht zu bringen.
Dein Wort und Sakrament sind Frucht, wir sind Frucht,
geboren aus der Heiligen Taufe.
dir sei Lob und Dank in Ewigkeit. Amen.

Vater unser …

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der heilige Geist. Amen.

 

 

Fragen (nicht nur) für Konfirmandinnen und Konfirmanden:

  1. Wie heißt der heutige Sonntag und was heißt das auf Deutsch?
  2. Woher kommt die Melodie des Liedes „Korn, das in die Erde“?
  3. Aus welchem Evangelium ist die Evangelienlesung für den heutigen Sonntag?
  4. Warum muss das Weizenkorn sterben? (Johannes 12,24)
  5. Aus welchem Prophetenbuch ist der Predigttext?
  6. Woher kommt denn der Name für diesen Sonntag?
  7. Woran merkt man, dass Jesus Jerusalem liebte?
  8. Mit was für einem Menschen wird die Stadt Jerusalem verglichen?
  9. Wie will Gott trösten? (Jesaja 66,13)
  10. Was meinst du: Aus welchem Land kommt der Komponist der Melodie von Lied 398?

Wer die Antwort auf diese Fragen an mich schickt, bekommt eine „Unterschrift“.

Euer Pfarrer Dr. Matthias Westerhoff