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Gottesdienst am 2. August

Den Gottesdienst am 2. August feiern wir mit Pfr. Dr. Matthias Westerhoff in unserer St. LeonhardkircheHier zum  Mitfeiern als Gottesdienst zu Hause auf unserer Homepage.

 

Zum Eingang

Seid herzlich willkommen im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und feiern Sie den 8. Sonntag nach Trinitatis mit. Sie brauchen eine Kerze, eine Bibel und ein Gesangbuch und es kann losgehen.

Das Motto für den heutigen Sonntag steht im Epheserbrief im 5. Kapitel: „Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit“ (Epheser 5,8b und 9)

Wir singen das Morgenlied 449,1-4 Die güldne Sonne

Besinnung
Wir wollen zugeben: wir waren blind für die Güte Gottes und sein Erbarmen.
Kyrie eleison. – Herr, erbarme dich.
Christe eleison. – Christus erbarme dich.
Kyrie eleison. – Herr, erbarme dich.
Aber der den Blinden die Augen aufgetan hat
und die Füße der Lahmen fest gemacht hat,
dass sie wieder gehen und den Armen das Evangelium predigt,
der hat auch für uns Gedanken des Friedens.

Ehre sei Gott in der Höhe. – und auf Erden Fried und den Menschen ein Wohlgefallen. Glorialied 179.1 Allein Gott in der Höh …

 

Verkündigung 

Tagesgebet
Lasst uns beten:
Lieber Gott, in deinem Licht
gedeihen Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit.
Bewege unsere Herzen, deinem Licht zu folgen.
Stärke unsere Kraft, der Finsternis zu wiederstehen.
Das bitten wir im Heiligen Geist
heute und allezeit. Amen.

Wir lesen eine alttestamentliche Lesung bei dem Propheten Jesaja im zweiten Kapitel: Jesaja 2,1-5.

Lasst uns den Glauben bekennen: „Ich glaube an Gott, den Vater …“

Lied 262,1-6 Sonne der Gerechtigkeit

 

Predigt 
Wir lesen den Predigttext im Evangelium nach Johannes im neunten Kapitel (Johannes 9,1-7).

Liebe Gemeinde, liebe Freunde, liebe Brüder und Schwestern,

„Wir“ – ein vereinnahmendes Wort. „Wir sind Papst“, titelte die Bildzeitung am 20. April 2005, einen Tag nach der Wahl Joseph Kardinal Ratzingers zum Papst. Mich hat keiner gefragt, ob ich auch zu diesem „Wir“ gehören möchte.

Jesus fragt auch nicht. Er sagt: „Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat“ (Johannes 9,4). Er war soeben im Gespräch mit seinen Jüngern. Diese wollten gerade das Rätsel des bösen Geschicks, des Unglücks und des Schicksals gelöst haben.

Aber Jesus hat keine Lust, für seine Jünger die letzten Fragen des Daseins zu lösen. Das ginge ja ganz prima, wenn man die Theorie des Karma aufstellt. Warum ist der da blind? Schlechtes Karma halt. Aber auf diese Ebene begibt sich Jesus nicht, es wäre eine sachliche Ebene, eine Ebene, von der aus man auf die Welt schaut und sagt: „Aha, deshalb.“ Aber so würde man Menschen bloß als Objekte der  Vernunft betrachten, als Fallbeispiele für das Schicksal, aber es wäre keine Liebe in einem solchen Blick auf die Welt. Kein Wunder, dass sich Jesus nicht auf Spielchen einlässt.

Er will überhaupt keine Zuschauer. Er vereinnahmt: „Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat“. Also weg von den müßigen Gedanken und hin zur fröhlichen Tat. „O ihr Guten! auch wir sind tatenarm und gedankenvoll!“, dichtete Friedrich Hölderlin in einer Ode an die Deutschen vor mehr als 200 Jahren.

Im Folgenden spielen zwar die Jünger keine Rolle mehr. Die ganze Aktion macht Jesus allein, dass er auf die Erde spuckt, einen Brei macht und das dann auf die Augen des Blinden streicht und den Auftrag zur Waschung in dem besagten Teich gibt,

Aber in dem „Wir“ sind wir eben doch mit dabei, die Jünger damals, deren Diskussionsfreude er so rüde abwürgt und wir, die wir’s heute lesen.

À propos lesen: Wir halten’s für unverzichtbar und unbedingt wichtig, dass solches in der Kirche öffentlich verlesen wird, eben damit aus Zuschauern Ergriffene werden und aus Ergriffenen fröhliche Geber. Auch diese Blindenheilung gehört zu den „Zeichen“, wie im Johannesevangelium die lieben Wunder heißen. Zeichen sind dazu da, dass sie uns etwas zeigen und uns auf einen Weg bringen. Was wir mit diesen Zeichen machen sollen, warum wir die Geschichten dieser Zeichen lesen und sie verlesen sollen, das schreibt hinten in seinem Buch der Evangelist Johannes selbst:

„Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr, weil ihr glaubt, das Leben habt in seinem Namen“ (Joh 20,31).

Glauben wäre zunächst einmal ganz elementar, glauben, dass es gut ist, dass wir da sind. Ich sage jetzt dauernd „wir“, weil, wenn Jesus vereinnahmt, es immer gleich ein paar mehrere sind. Aber weil unser Selbstgefühl immer von Niedergeschlagenheit und Mutlosigkeit bedrückt ist, sagen wir nicht, wir glauben an uns selbst, vielmehr: als Schafe der Herde des guten Hirten sagen wir: Wir glauben, dass der gute Hirte es gut findet, dass wir da sind.

Als solche Schafe des Guten Hirten glauben wir natürlich: „We are the Champions of the world.“

„Ich habe meine Zeche bezahlt,
in schöner Regelmäßigkeit
Ich hab meine Zeit abgesessen.
Aber ich hab kein Verbrechen begangen,
und schlimme Fehler
habe ich auch ein paar gemacht,
ich habe meine Portion Sand
ins Gesicht geschleudert bekommen
Aber ich hab’s überlebt.
Und ich muss weitergehen und weiter und weiter und weiter.“

So sang Freddy Mercury, frei ins Deutsche übersetzt, im Jahre 1977.
Und so geht’s weiter:

„We are the champions, my friends. And we’ll keep on fighting ‚til the end“ Wir sind die Anwärter für den Sieg, meine Freunde,
Und wir werden weiterkämpfen bis zum Ende.

Wenn der Sänger sich hinstellt und das der begeisterten Menge vorsingt, dann tritt er wie ein Jesus auf, der zum Glauben reizt. Ein kämpferischer Glaube wird vorgestellt, eines einsamen Kämpfers und zuletzt fällt er ins Wir zurück und natürlich sind an dieser Stelle die Zuhörer und die Gruppe der Musiker zu einem einzigen Wir verschmolzen. 

In diesen Rock-Song mag jeder seine eigenen Ziele eintragen, woran er für sich selbst glauben und wofür er kämpfen will, trotz aller Rückschläge, aber die Zeichen, von denen das Johannesevangelium ein paar wohldosiert erzählt, diese Wunder, sollen zu einem Glauben anreizen, der für einen anderen glaubt: Jesus sagt: „Es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm.“

Das wäre eine Tat, welche das Schicksal durchbricht und auch die Frage, wer denn an dem Übel Schuld trägt, überflüssig macht, weil sie niemand mehr stellt.

So ist Jesus Licht der Welt, dass keiner mehr danach fragt, wie er einen Menschen, eine Situation beurteilen soll. Das einzige, was interessiert, wie etwas Heilvolles daraus entstehen kann. Also in der ganz schlichten Frage, wie jetzt und hier zu helfen ist, entscheidet sich, dass Gott da ist, dass es Licht wird und dass die Finsternis nicht überhand nimmt.

Die Werke Gottes sind, so wird es dargestellt, ganz lächerlich schlichte Werke, wie, wenn einer auf die Erde spuckt, einen Brei aus dem Staub und der Spucke mit dem Finger anrührt und dann dem Blinden auf das Auge streicht. Es ist eine Berührung, die man zur Zeit eher vermeidet.

Die Werke Gottes bestehen also gar nicht darin, dass er den einen blind geboren sein lässt und andere wiederum sehen. Das wäre die Betrachtung der Allmacht Gottes und seines unergründlichen Willens. Und die Leute sind dann neunmal klug und sagen: Man muss es nehmen, wie es kommt. Das ist nicht Jesu Welt. Er fragt nach dem Heilvollen in diesem Moment, der ihn zufällig mit diesem Blinden zusammenbringt.

Wir glauben an Jesus und lassen uns durch dieses Zeichen, von dem wir heute lesen, zum Glauben anreizen: In einer Situation, von der wir denken: Es ist zappenduster, ist das Licht schon da. Wer nimmt es wahr? Wer glaubt für einen Menschen, der von Attacken von Schizophrenie geplagt wird, dass er trotzdem studieren, ins Berufsleben eintreten und eine Frau finden kann?

Seltsam, Jesus spricht von einem Zeitfenster. Das ist der Tag. Auf einmal wird es Nacht und man kann nichts mehr ausrichten. Das verstehen wir nicht, weil wir ja einfach das Licht anschalten können und wissen, dass man in einer Nachtschicht (fast) genauso gut arbeiten kann wie am Tage. Aber zu seiner Zeit war es mit dem Anbruch der Nacht schlicht stockfinster und jede Art der Arbeit musste eingestellt werden, das Gebet ausgenommen.

Jesus war eine begrenzte Zeit auf Erden und wirkte diese Zeichen, Dann wurde er ihnen weggenommen, und die Jünger lebten abgeschottet und in Angst bis ihnen der Auferstandene erschien.

Eine Zeitlang ist ein Mensch ansprechbar auf Gott. Einige der neuen Konfirmanden sagten letzten Sonntag, sie wollten mehr über Gott erfahren. Das hat mich sehr angerührt, denn das spricht dafür, dass es ein Zeitfenster im Leben gibt, in dem einen Menschen die Frage interessiert, wer Gott für uns ist, wenn alles noch so offen, weich und ungeformt im Gemüt des Menschen ist.

Jahre später wird die Frage: „Was hat Gott mir zu sagen?“ zugedeckt durch die Frage nach dem Erfolg im Beruf und in der Liebe. Das Haus wird gebaut und die „Werke Gottes“ interessieren nicht mehr. Aber es kann sein, dass man blind wird und am Mitmenschen und seiner Situation, die zum Helfen herausfordert, einfach vorbeigeht.

Plötzlich passiert etwas, das die Frage nach Gott wieder aufbrechen lässt. Etwas im Menschen lässt sich nicht abspeisen mit Beruf und Liebe. Plötzlich wird die Blindheit schmerzlich bewusst. Das Verlangen nach Durchblick entsteht.

Aber es muss jemand da sein, der den Anstoß gibt. Es müsste jemand da sein, der für den Mitmenschen an Jesus glaubt und erleuchtet von dem Glauben eine Lebenschance sieht.

Jesus hat sich gegen die Zuschauer-Mentalität seiner Jünger durchsetzen müssen und gegen ihre Frage nach dem schlechten Karma. So möge sich auch bei uns der Glaube durchsetzen an Jesus, an das Licht der Welt jetzt in dieser Zeit, in der so viele Angst haben vor einem Geschick, in dem sie sich eine Krankheit einfangen, die sie nicht mehr los werden. Lasst uns Beistand leisten in Kraft, Liebe und Besonnenheit.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

Lasst uns das Lied 550,1.4.5 singen: Licht, das in die Welt gekommen

Gebet und Segen

Fürbittengebet
Wir beten:
In der Freude über Gottes Schöpfung und unser Dasein lasst uns beten:
Um Liebe zu allen Geschöpfen, dass wir die Schönheit, aber auch das Seufzen des Geschaffenen wahrnehmen.
Lasst uns beten:
Gott, du Quelle des Lebens,
hilf uns, mit den Elementen der Erde so umzugehen,
dass wir mit Rohstoffen und Energie einander helfen und beistehen,
und Mutter Erde nicht ausbeuten.
Amen.

Für alle Arbeit der Hände und des Geistes,
dass sie Gutes schaffe, damit die Werke Gottes offenbar werden.
Gott, du Quelle des Lebens,
hilf uns, die Würde aller Arbeitenden
und derer, die unentgeltlich arbeiten, zu achten.
Schenke Licht im Verstand,
dass wir Arbeitnehmer und besonders ausländische
auf dem Bau, in der Erntearbeit, in der fleischverarbeitenden Industrie nicht ausbeuten.
Hilf uns zu gerechten Wirtschaftsstrukturen.
Auf dich, Gott, vertrauen wir.
Amen.

Für alle, die forschen und schreiben, dass sie aufklären
und Licht in die Höhle finsterer Machenschaften bringen.
Gott, du Ursprung der Freiheit,
behüte die, welche Wahrheit ans Licht bringen
vor den Anschlägen ihrer Feinde.
Hilf Künstlern und Kunstschaffenden,
dass sie den Nagel auf den Kopf treffen
und uns den Spiegel vorhalten.
Auf dich, Gott, vertrauen wir.
Amen.

Für alle, die aufgrund einer körperlichen und seelischen Behinderung in manchen Möglichkeiten begrenzt sind
und dafür auch andere Chancen haben als andere.
Gott, du Quelle der Freude,
wer hat Freude daran, für einen Menschen zu glauben,
dessen Lebenslicht durch Attacken von Schizophrenie verdüstert wird, dass auch er studieren und ein erfülltes Leben führen kann?
Wer empfindet mit einem Menschen mit Behinderung mit
und lässt sich durch sein Licht erleuchten?
Auf dich, Gott, vertrauen wir.
Amen.

Gott, du liebst alles, was lebt,
und dir zum Lob geschehe all unser Tun.
Dich preisen wir heute und an jedem Tag.
Dir sei Ehre in Ewigkeit.
Amen.

Wir beten Vaterunser

und lassen uns den Segen zusprechen:
Der Herr segne dich und behüte dich;
der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
Der Herr erhebe sein Angesicht über dich
und gebe dir Frieden. Amen.