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Gottesdienst am 14. März

Gottesdienst zum Sonntag Lätare, dem 4. Sonntag in der Passionszeit von Pfarrer Dr. Matthias Westerhoff.

 

Zum Eingang 

Seid herzlich gegrüßt zum Sonntag Lätare im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der Herr sei mit Euch.

Lätare heißt zu Deutsch „Freue dich!“: „Freuet euch mit Jerusalem“ heißt es beim Propheten Jesaja (Jes. 66,10a.12a), „und seid fröhlich über die Stadt, alle die ihr sie lieb habt. Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom.“

Lasst uns beten mit Worten des 84. Psalms:

2 Wie lieblich sind deine Wohnungen, HERR Zebaoth!
3 Meine Seele verlangt und sehnt sich
nach den Vorhöfen des HERRN;

mein Leib und Seele freuen sich
in dem lebendigen Gott.

4 Der Vogel hat ein Haus gefunden
und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen –
deine Altäre, HERR Zebaoth, mein König und mein Gott.

5 Wohl denen, die in deinem Hause wohnen;
die loben dich immerdar.

6 Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten       
und von Herzen dir nachwandeln!

7 Wenn sie durchs dürre Tal ziehen, /          
wird es ihnen zum Quellgrund,
und Frühregen hüllt es in Segen.

8 Sie gehen von einer Kraft zur andern
und schauen den wahren Gott in Zion.

9 HERR, Gott Zebaoth, höre mein Gebet;    
vernimm es, Gott Jakobs!

10 Gott, unser Schild, schaue doch;
sieh an das Antlitz deines Gesalbten!

11 Denn ein Tag in deinen Vorhöfen
ist besser als sonst tausend.

Ich will lieber die Tür hüten in meines Gottes Hause
als wohnen in den Zelten der Frevler.

12 Denn Gott der HERR ist Sonne und Schild; /
der HERR gibt Gnade und Ehre.
Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen.

13 HERR Zebaoth, wohl dem Menschen,
der sich auf dich verlässt!

Ehre sei dem Vater und dem Sohn
und dem Heiligen Geist

Wie im Anfang so auch jetzt und alle Zeit
und in Ewigkeit. Amen.

Lasst uns beten:

Gott, unser Halt in der Angst,
unsere Zuversicht im Zweifel,
unser Trost in der Traurigkeit:
Wecke in uns die Freude,
dass du nahe bist in Jesus Christus, unserem Bruder.
Ihm sei Ehre alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.

 

Predigt

Den Predigttext für den heutigen Sonntag Reminiscere lesen wir beim Evangelisten Johannes im 12. Kapitel:

20 Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest. 21 Die traten zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa war, und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollen Jesus sehen. 22 Philippus kommt und sagt es Andreas, und Andreas und Philippus sagen’s Jesus. 23 Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. 24 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. 25 Wer sein Leben lieb hat, der verliert es; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird’s bewahren zum ewigen Leben. 26 Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren (Joh 12,20-26).

Liebe Gemeinde,

wo bin ich? Auf dem absteigenden Ast, weil ich älter werde? Im Schoße meiner Familie, in der heiligen christlichen Kirche, am Rande des Abgrunds, auf dem Holzweg, oder im Schlaraffenland, weil ich eine Glückssträhne habe, auf der Intensivstation, weil ich beatmet werden muss, auf Tauchstation während des Distanzunterrichts, weil ich mich mit etwas ganz anderem beschäftige, als was der Lehrer will, der aus seiner Kachel auf dem Bildschirm auf mich einredet, oder bin ich einfach auf der Suche?

Das Evangelium hat eine Antwort, die das Ziel einer Suche beschreiben könnte: „Wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein.“ Wo Jesus ist, das ist ein Ort, an dem man sein kann, heißt es. Es ist irgendwie ein ehrenvoller Platz, weil es heißt: „Wenn jemand mir dient, wird ihn der Vater ehren.“ Möglicherweise nicht ein Platz, an dem man Applaus erhält, aber bei dem man etwas ist in den Augen dessen, der Himmel und Erde geschaffen hat. An diesem Platz hätte man eine bestimmte Stellung, die sich demütig „Diener“ nennt. Wir kennen den Ausdruck aus der Politik, wo wir von Staatsdienern sprechen oder von Ministern, denn ein Minister ist wörtlich ein Diener. Wenn dann einer der Diener sich selbst bedient, heißt es gleich: Sie sind alle keine Diener – weil man’s selbst nicht sein will in seiner Stellung, an seinem Ort. Denn es will diese Berufsbezeichnung nicht recht gefallen. Ein Diener hat so etwas Gedrücktes, Unterwürfiges, sein Kopf klemmt irgendwie zwischen seinen Schultern. Er denkt nicht selbst. Es erscheint nicht erstrebenswert, da sich wiederzufinden, wo Jesus ist, denn wer wollte schon so sein, gedrückt, fremdbestimmt.

Wir denken an James, den Miss Sophie in „Dinner for One“ herumkommandiert, der schließlich betrunken das Wasser aus der Blumenvase trinkt und dessen schlingernde Runden um den Tisch vom Lachen der Zuschauer quittiert werden.

Das ist also der Diener, eine Lachnummer, das möchte niemand sein. Aber vielleicht ist es etwas Anderes, nach dem Zeugnis des Johannesevangeliums ein sinnvolles Ziel einer Suchbewegung, mit welcher die Geschichte anhebt.

Griechen wollen Jesus auf dem Fest, es handelt sich um das Passafest, sehen. Sind sie neugierig. „Alle Athener hatten nichts anderes im Sinn, als etwas Neues zu hören“, weiß der Schreiber der Apostelgeschichte und „die Griechen fragen nach Weisheit“, so schätzt sie der Apostel Paulus ein.

Natürlich sind wir erstens keine Griechen, und zweitens, dass wir hier in der Kirche etwas zu suchen hätten und etwas finden könnten, das glauben wir nicht. Hier kann man nur die alten Geschichten von Gott hören, die man schon immer gehört hat und es gibt eigentlich nichts zu suchen. Ostern gibt es wieder etwas zu suchen: versteckte Eier und es ist eine Freude für Kinder und sogar Jugendliche Kinder werden dabei wieder zu Kindern. Aber dass erwachsene Menschen etwas suchen, das scheint uns ohnehin sonderbar. Man sollte gefestigt sein, und man erwartet das von Gott, dass er einen festigt, aber ein Suchender sein, irgendwie gehört das unserer Meinung nach zur Pubertät und wenn man da durch ist und seinen Weg gefunden hat, wie es heißt, dann ist Schluss mit dem Suchen, spätestens mit der Heirat und dem Kinderkriegen.

Aber schon daran, dass Menschen mitten im Leben zu Trinkern werden, merkt man, dass sie etwas suchen. In der Geschichte aus dem Evangelium sind es irgendwelche namenlose Griechen, welche sich auf einer spirituellen Auszeit befinden. Sie sind angereist zu dem Hauptfest des Judentums, dem Passafest und haben dann in der Heiligen Stadt von diesem Jesus Wind bekommen und ohnehin auf der Suche nach etwas Heiligem wollen sie ihn gerne sehen. Der Jünger Philippus aus Galiläa, der offenbar des Griechischen mächtig ist, macht den Dolmetsch und sie tragen das Anliegen Jesus vor. Aber wie es so seine Art ist, gibt es keine Antwort, die man wie eine bestellte Ware abholen kann. Es ist eine Antwort, in die er uns hineinzieht.

Die Griechen möchten gerne den Sehsinn befriedigen und in dem, was sie sehen, etwas Göttliches finden: Von harmonischen Maßen ist der Parthenon auf der Akropolis, wohlgestaltet stellten sie die Sportler der olympischen Spiele und ihre Götter dar. Der unsichtbare Gott der Juden, von dem es kein Götterbild gibt, war in der Alten Welt eine Ausnahme, so geheimnisvoll wie schwer begreiflich, und obwohl sie zu diesem unsichtbaren Gott gekommen waren, wollten sie doch lieber einen schönen Menschen sehen, vielleicht einen geistig schönen Menschen.

Seine Antwort besagt, dass da keine schöne Gestalt ist, vielmehr verliert einer seine Gestalt: Das Weizenkorn fällt in die Erde und erstirbt. Es gibt keine Gestalt festzuhalten. Manche mögen ihren Vater, ihre Mutter nicht mehr sehen, wenn sie sterben oder gestorben sind, sie wollen sie so in Erinnerung behalten, wie sie im Leben gewesen sind und ihr geliebtes Bild nicht durch den Tod beleidigt wissen. Jesu Rede gibt zwar den Anschein, als wäre ein schönes Bild festzuhalten: „jetzt ist die Stunde gekommen, in welcher der Menschensohn verherrlicht wird“, und es sieht schon fast so aus, als gäbe es einen herrlichen Menschen zu sehen, aber diese Herrlichkeit stellt sich heraus als ein Zersetzungsprozess. Das Weizenkorn fällt in die Erde und erstirbt. Das Wintergetreide ist schon gesät und das kleine Grün ist schon gesprosst. Das Sommergetreide wird noch gesät, wenn der Boden seine Froststarre verliert und wieder warm wird und der Landwirt macht sich die Mühe mit der Hoffnung auf Ernte. Das Saatgetreide, das er sät, sieht er nie wieder, seine Reste zerfallen, aber was daraus wächst, das wird sich sehen lassen können und die Freude der Ernte wird groß sein, wenn er das goldene Korn durch seine Finger laufen lässt und es dabei so schön rauscht.

Auf eine Weise passt sich Jesus den Griechen an, die irgendetwas Sinnvolles suchen auf diesem Fest. Denn er spricht in Worten der Weisheit. „Und so lang du das nicht hast, dieses Stirb und Werde, bist du nur ein trüber Gast auf der dunklen Erde“, dichtete Goethe in einem Gedicht, das er „Selige Sehnsucht“ nannte.Der weise Mann lehrt uns auf die Naturgesetze achten und die Weisheit lehrt uns, das Buch der Natur aufzuschlagen und sich einzuschwingen in die Rhythmen der Natur. Menschliche Weisheit geht so weit, dass einer zugibt: Von dieser Lebensphase muss ich mich jetzt verabschieden. Wenn die Partnerin gestorben ist, ist man wieder allein. Der Ehemann ist gestorben. Der Witwer wurde geboren.

Aber dass ein anderer dieses „Stirb und Werde“ lebt und ich durch die Heilige Taufe in seiner Geschichte drin bin, das ist dann doch etwas Eigenes. Denn in der vielen Frucht“ erkenne ich mich selbst. Die Weisheit besteht nicht in meinem Tod, vielmehr in seinem Tod. Denn daraus entsteht Frucht, das bin ich, das ist ein Wir, eine Gemeinschaft derer, die gefunden haben, dass aus seinem Tod ihr Leben herauswächst.

Wo befinde ich mich? Auf meinem Erbteil, würde ich sagen: „Mir ist ein schönes Erbteil geworden“, sagt der Psalm. Denn sein Testament ist viel Frucht. Da finde ich mich wieder. Das ist mein Erbe, etwas zu sein, das sich seinem Tode verdankt. Mein Erbteil wäre: Zeuge der Auferstehung zu sein, so nach dem aufgeregten, atemlosen Ausspruch der Maria Magdalena: „Ich habe den Herrn gesehen.“ Das wäre also der Dienst, Zeuge der Auferstehung zu sein. Damit wäre den Menschen gedient.  Ja, Zeuge der Auferstehung zu sein, das ist ein schöner Dienst. Es ist nicht so, dass einem da der Kopf zwischen den Schultern klemmt oder dass man herumkommandiert wird wie James von Miss Sophie. Es ist die Kraft, einmal etwas anders sehen zu können und damit der Menschheit zu dienen.

Auch das ist wieder Weisheit. Hallo, ihr Griechen, ihr wollt einen wunderschönen Jesus sehen? Erkennt erstmal Euch selbst. Es gibt am Schluss dieser Geschichte Selbsterkenntnis: Wo ich bin, da wird auch mein Diener sein. Wo Jesus ist, ist da, wo die Erntefreude ist, und da bin ich, und ich selber entdecke mich als Diener der Botschaft von der Auferstehung. Wo kann ich Hoffnung geben?, wäre dann mein Lebensthema und damit bleibt es eine Suche. Denn dieser Diener und diese Dienerin hat keine Agenda abzuarbeiten, vielmehr das Reich Gottes zu suchen, für seine Mitwelt.

Amen.

 

Gebet und Segen 

Lasst uns beten:

Christus, du hast dich vergessen, damit sich der Vater unser erinnert,
Du kündest an, dass Du verherrlicht wirst
und wirst vergänglich wie ein Saatkorn, von dem nichts übrig bleibt
außer seinem Ertrag,
und darin erkenne ich mich und erkennen wir uns,
und viele kennen wir nicht.
Gib uns klare Augen und einen wachen Geist, dass wir sehen, wer auch zu dem großen Ertrag aus dem einen Korn gehört. Lasst uns rufen:
Erhöre uns Gott.

Gemeinde: Erhöre uns Gott.

Gib deiner Kirche und deiner Gemeinde den Mut der Freiheit,
sich selbst aufs Spiel zu setzen,
dass wir gute Mitspieler werden mit unserer Nachbarschaft,
dass deine Frucht sichtbar werde,
denn du bist gekommen, dass sie das Leben haben und volle Genüge.
Wir rufen:

Gemeinde: Erhöre uns, Gott.

Wir bitten dich für Menschen, die sich festhalten,
dass sie sich loslassen und werden wie die Kinder,
die auf den guten Vater hoffen
und mithoffen für ihren nahen und fernen Nächsten.
Wir rufen:

Gemeinde: Erhöre uns, Gott.

Gib deiner Gemeinde Zuversicht,
dass die kleine Zahl dich nicht schreckt.
Lass uns Zeugen deines Lebens sein
und lass Frucht aufgehen, reichlich, auch unter uns.
Wir rufen:

Gemeinde: Erhöre uns, Gott.

Du bist das Weizenkorn,
das starb, um Frucht zu bringen.
In dieser Zeit, in der die Armen noch weiter wegrücken
von den Reichen und der Graben tiefer wird,
wem darf ich mich mitteilen,
wem sollen wir uns mitteilen?
Von deiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.
Es muss doch für alle etwas da sein.
Dir sei Lob und Dank in Ewigkeit. Amen.

Amen.

Vater unser …

Der HERR segne dich und behüte dich;
Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
Der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. Amen.