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Gottesdienst am 14. Februar

Kollekte mit Herz! – Ein ungewöhnliches Bild bot sich den Kirchenvorstehern, als sie einmal neben den Münzen ein Herzchen fanden. Am Valentinstag und dem Sonntag Estomihi geht´s auch im Gottesdienst um das liebende Herz. 

 

 

Lesung

1 Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. 2 Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts. 3 Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und meinen Leib dahingäbe, mich zu rühmen, und hätte der Liebe nicht, so wäre mir’s nichts nütze. 4 Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, 5 sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, 6 sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; 7 sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. 8 Die Liebe höret nimmer auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird. 9 Denn unser Wissen ist Stückwerk und unser prophetisches Reden ist Stückwerk. 10 Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. 11 Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war. 12 Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin. 13 Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

(1. Korinther 13,1-13)

 

Predigt

Liebe Gemeinde,

heute, am Valentinstag geht’s um die Liebe… Wie schön! Da hat auch unsere Lesung, das Hohelied der Liebe, so gut dazu gepasst. Und auch das Wochenlied spricht uns aus den Herzen: ‚Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich.‘ Ach schee!

Doch am Mittwoch, da ist Aschermittwoch. Und mit dem Aschermittwoch beginnt die Passionszeit, die Fastenzeit. Ach, aber der Gedanke an Fasten und Passion ist lange nicht so schön, wie der Gedanke an die Liebe. Doch der Prophet Jesaja fordert uns heraus, diese Gedanken mal etwas zu verfolgen. Fasten und die Liebe… Wie passt das zusammen? Hört auf den Predigttext, wie er beim Propheten Jesaja aufgeschrieben ist. Ich lese aus dem 58. Kapitel die Verse 1-9:

1 Rufe getrost, halte nicht an dich! Erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkündige meinem Volk seine Abtrünnigkeit und dem Hause Jakob seine Sünden! 2 Sie suchen mich täglich und begehren meine Wege zu wissen, als wären sie ein Volk, das die Gerechtigkeit schon getan und das Recht seines Gottes nicht verlassen hätte. Sie fordern von mir Recht, sie begehren, dass Gott sich nahe. 3 »Warum fasten wir und du siehst es nicht an? Warum kasteien wir unseren Leib und du willst’s nicht wissen?« Siehe, an dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter. 4 Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein. Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr jetzt tut, wenn eure Stimme in der Höhe gehört werden soll. 5 Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem man sich kasteit, wenn ein Mensch seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet? Wollt ihr das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der HERR Wohlgefallen hat? 6 Das aber ist ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg! 7 Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut! 8 Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird deinen Zug beschließen. 9 Dann wirst du rufen und der HERR wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich.

Lasst uns in der Stille um den Segen des Wortes Gottes beten!  [Stille]

Herr, öffne unsere Ohren und Herzen für dich und dein Wort und tue meine Lippen auf, dass mein Mund deinen Ruhm verkündige. Amen.

 

Liebe Gemeinde,

in unserm Predigttext finden wir einen Spiegel, der uns vor Augen führt, wie wir Menschen gestrickt sind. Offensichtlich neigt der Mensch dazu, vieles berechnend anzugehen und sich die Frage nach dem Nutzen zu stellen. Was habe ich davon, wenn ich…? Wenn ich dieses oder jenes tue, dann muss doch… Auch Gott gegenüber, wie unser Predigttext weiß: 3 Warum fasten wir und du siehst es nicht an? Warum kasteien wir unseren Leib und du willst’s nicht wissen?

Wenn ich schon fromm lebe und mich bemühe, Gottes Willen ernst zu nehmen, dann muss sich das doch auch lohnen. Wir wissen meist sehr genau, wie wir in unserem Glauben getragen sein möchten. Wir wissen, was wir meinen zu brauchen. Wie wir bitte vor Schwerem bewahrt werden möchten und wie Gott helfen sollte. Wir haben unsere Bilder von Gottes Segen im Kopf und davon, wie wir seine Macht und Größe gerne erfahren würden.

Schnell sind wir dabei, mit Gott zu rechten, wenn wir unsere Vorstellungen nicht erfüllt sehen: Warum verbirgst du dich, Gott? Warum schreitest du nicht ein? Oder mit Worten des Predigtwortes: 3 Warum fasten wir und du siehst es nicht an? Warum kasteien wir unseren Leib und du willst’s nicht wissen?

 

Liebe Gemeinde,

unser Predigttext spricht in eine Zeit, in der Fasten unter bestimmten rituellen Vorgaben zu erfolgen hatte. Diese Vorgaben wurden von den Angesprochenen peinlich genau eingehalten. Gleichzeitig aber stritten sie, unterdrückten ihre Arbeiter und schreckten nicht vor Gewalt zurück. Fasten – außen hui, innen pfui.

Mit Demut, Buße und Rückbesinnung auf Gott, einem Umkehren und nach Gottes Willen fragen, hatte es nichts mehr zu tun. Fasten als leere, religiöse Hülle. Toller Schein und keinerlei Sein. Korrekt ausgeführte Rituale als nutzlose Frömmigkeitsübung. Inhaltlich ausgehöhlt, sinnentleert. Die Fastenden hatten ihr Herz vergessen.

Der Prophet hatte Gottes Mahnung dem Volk Israel auszurichten. Doch seine Fastenkritik gilt auch uns heute. Denn hinter dieser Kritik steht die Frage, was in unserem Leben Schein und Sein ist. Und auch bei uns stimmen Anspruch und Wirklichkeit nicht immer überein.

In jeder Gemeinde sind ähnliche Dinge zu beobachten: eifersüchtiges aufeinander Schauen, Lästerei, Tratschen, Machtspielchen, Überheblichkeiten und manch einer schaut abschätzig auf den Glauben der anderen. Zwar möchten wir ein Leben leben, das Gott gefällt, aber wir übersehen dabei oft, wie wir uns anderen gegenüber verhalten.

 

Liebe Gemeinde,

Gott will Recht und Gerechtigkeit und keine Scheinheiligkeit. Die Liebe zu Gott muss in die Liebe zum Nächsten münden. Und so soll mein Fasten (also das innige Zuwenden meines Herzens zu Gott) in verschwenderische Liebe meinem nächsten Gegenüber ausufern. Innere Einkehr, Hinwendung zu Gott muss sich ausdrücken in tätiger Liebe:

6 Das aber ist ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg! 7 Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!

Okay, Jesaja, das ist konkret! Aber was heißt das für uns im Hofer Land im Jahr 2021? Die zu Unrecht gebundenen und Bedrückten: sind das nicht die vielen, die ich nach einer ersten Begegnung in eine Schublade gesteckt habe? Die, denen ich keine Chance gebe, weil ich Vorurteilen mehr glaube, als mich selbst zur Wahrheitssuche aufzumachen. Menschen, die unter meinen Ansprüchen leiden, die unfrei sind, weil ich sie vereinnahme.

Wem begegne ich nicht offen? Wessen Blick weiche ich aus oder versuche gar, eine Begegnung zu vermeiden? Wem geben wir keine Chance, weil er oder sie nicht unsere Moralvorstellungen entsprechen oder wir einen anderen Frömmigkeitsstil pflegen? Fragt Gott danach, was bei Euch persönlich dran ist!

Woran hungert unser Gegenüber? An Einsamkeit oder zu wenig Aufmerksamkeit? Fehlen gute Worte und Zuwendung? Oder es fehlt eine helfende Hand. Vielleicht fehlt ein Lächeln oder ein Gebet, weil die Worte fehlen. Manchmal fehlt auch nur ein offenes Ohr – ganz ohne Ratschläge. Oder es fehlt ein Freund, der einkauft. Und manchmal fehlt auch wirklich das Brot, ein Ei oder ein Schälchen Mehl.

Lasst uns also einander aufmerksam und wohlwollend begegnen! Reißt die Mauern nieder, die wir um unsere Herzen gebaut haben, denn ohne Mauern kann man sich leichter begegnen. Gerade auch in einer Zeit, in der Distanz das Schlagwort ist. Auch mit räumlicher Distanz können wir einander nahe kommen mit einem offenen Blick und vorurteilsfreien, liebenden Herzen. Amen.

 

Segen

Ihr sollt in Freuden ausziehen
und im Frieden geleitet werden.
(Jes 55, 12a)

So geht nun in diesen Sonntag und in die
neue Woche unter dem Segen des Herrn!

Der Herr segne euch und behüte euch.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch
und sei euch gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch
und gebe euch + Frieden.

 

Liebe, die du mir zum Bilde – EG 401