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Gottesdienst am 7. Februar

Von der Vielfalt, die der Samen des Wortes Gottes hervorruft, ist heute im Gottesdienst am Sonntag Sexagesimae, 60 Tage vor Ostern, die Rede. Hören Sie hier die Predigt vom 7. Februar.

 

 

Predigt

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

 

Liebe Gemeinde,

unter dem Apfelbäumchen liegen noch immer ein paar kleine Äpfel. Einige wenige hängen auch noch an den Ästen. Im Herbst habe ich nicht alle abgeleert. Einige waren mir einfach zu klein. Ich dachte, die Vögel wollen auch noch was haben im Winter.

Weihnachten hingen sie noch. Wie kleine Christbaumkugeln schimmerten sie im Licht. Mich reute es fast ein wenig, dass ich sie nicht doch noch abgeleert hatte, so schön sahen sie jetzt aus. Später kamen dann doch die Vögel und pickten an ihnen herum bis sie herunterfielen. Das war wiederum ein schönes Schauspiel.

Manchmal muss man etwas aus der Hand geben, um etwas zu gewinnen. Davon erzählt Jesus in einem Gleichnis, dem Evangelium für den heutigen Sonntag.

Und es begab sich danach, dass er von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf zog und predigte und verkündigte das Evangelium vom Reich Gottes; und die zwölf waren mit ihm, dazu etliche Frauen, die er gesund gemacht hatte von bösen Geistern und Krankheiten, nämlich Maria, genannt Magdalena, von der sieben Dämonen ausgefahren waren, und Johanna, die Frau des Chuza, eines Verwalters des Herodes, und Susanna und viele andere, die ihnen dienten mit ihrer Habe.

Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus jeder Stadt zu ihm eilten, sprach er durch ein Gleichnis: Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges an den Weg und wurde zertreten und die Vögel unter dem Himmel fraßen´s auf. Und anderes fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. Und anderes fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten´s. Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!

(Lukas 8,1-8)

 

Liebe Gemeinde,

dieses Gleichnisbild ist ganz einfach zu verstehen und unmittelbar einsichtig: Gottes Wort fällt auf fruchtbaren Boden. Nicht überall geschieht das gleichermaßen. Wir machen selbst bei unserem Tun immer wieder die Erfahrung, dass etwas daneben geht, auch wenn wir es mit besten Absichten angefangen haben. Manches Korn geht nicht auf, weil da nicht der richtige Untergrund vorhanden ist, auf dem es gedeihen kann. Da können die besten Absichten vorhanden sein, da kann es Liebe und Vertrauen sein, die wir einem anderen schenken, aber wo das alles nicht erwidert wird, da bleibt alle Gabe leere Gabe.

Auch mit dem Wort Gottes erfahren wir es so. Nicht alles, was wir in der Predigt hören, fällt auf fruchtbaren Boden. Für manches gibt es in unserem Leben keinen Resonanzboden, wo etwas widerhallt und wir uns bestätigt finden. Im schlimmsten Falle ist es so, dass wir dann alles als sinnlos betrachten, was wir hören.

Wenn wir auf die große Versammlung um Jesus schauen, dann stellt sich sogar noch zugespitzter die Frage: Welche von den Vielen werden denn die sein, bei denen sein Wort auf fruchtbaren Boden fällt. Sind es die, die bereits um ihn sind, die Jünger, die Zwölf, oder können da auch ganz andere dazu kommen, bei denen dieses Wort ebenso auf fruchtbaren Boden fällt?

Auf einmal ist das mit dem Gleichnisbild nicht mehr so ganz eindeutig, wie es anfangs schien. Da bohrt die Frage: Bleibt die Mehrheit vom Reich Gottes ausgeschlossen? Schon Martin Luther fand, dass dies Gleichnis „gar schrecklich ist, weil nur ein Teil von vieren selig wird.“

Freilich: Die Saatverluste sind in dem Gleichnis breit ausgemalt. Viel mehr noch in der nachfolgenden Deutung, die die Evangelien entfalten. Die so verstandenen drei Viertel erhalten schnell ein Übergewicht und erdrücken den Blick auf den guten, fruchtbaren Teil. In der Auslegung über die Anbaumethoden in der antiken Welt ging man lange Zeit davon aus, dass die reiche Aussaat des Bauern erst nachträglich untergepflügt wurde und dabei auch Unkraut und Trampelwege mit verschwanden, auf die der Same fiel. So bestünde auch eine Hoffnung für die Samenkörner, die zunächst auf dem Weg landeten.

Archäologische Miniaturfelder aus dem Palästina des ersten Jahrhunderts vermitteln dagegen ein viel einfacheres Bild, das die Not der Bauern spiegelt. Die Parzellen waren klein, der Mensch war darauf angewiesen, seinen Boden in vollem Umfang zu nutzen. Da waren felsige Stücke dazwischen, auf denen nichts wuchs und Flecken mit Unkraut, das sich immer wieder in den Vordergrund drängte. Freilich war da auch der weitaus umfangreichere Bereich, auf dem das Korn wuchs und vielfache Frucht brachte. Wir dürfen uns also keinen Bauern, der unwirtschaftlich dachte und arbeitete vorstellen und den Samen unnütz auf Felsen und Weg streute. Vielmehr waren es die unvermeidlichen Verluste, mit denen man zu leben hatte. Der Großteil wuchs auf fruchtbarem Feld.

Hat man ein solches Acker-Bild vor Augen, dann ist das Gleichnisbild gleich nicht mehr „so gar schrecklich“. Es bringt vielmehr Vielfalt zum Ausdruck und macht ziemlich nüchtern Grenzen deutlich, die menschlichem Tun gesetzt sind.

Auf diese Vielfalt weist uns auch Lukas in seinem Evangelium hin. Es waren zunächst die Zwölf mit ihm unterwegs, der enge Kreis der Jünger. Dazu gehörten auch etliche Frauen. Drei von ihnen werden hier sogar mit Namen genannt. Wer daran denken möchte, dass das Wort Gottes zunächst in dem engen Kreis der 12 Jünger auf fruchtbaren Boden fallen würde, der sieht sich sogleich in Frage gestellt durch den Zusatz, dass schon dieser Kreis nicht auf Männer begrenzt war, vielmehr die Frauen für Lukas wie selbstverständlich zu denen gehörten, die etwas zur Verbreitung des Wortes beizutragen hatten.

Sie dienten mit ihrer Habe. Sie setzten sich ein und ließen es nicht nur bei dem bloßen Wort. Sie taten, das, was notwendig war. Sie bereicherten mit ihrem Tun das Feld, auf dem das Reich Gottes gedieh und ließen es bereits zu biblischen Zeiten vielfältiger erscheinen, als es beim ersten Blick vor Augen stand.

Gleichzeitig ist von den Zwölfen bekannt, dass sie zwar das Wort Gottes hörten, aber auch scheiterten. Dass bei ihnen das Wort Gottes auf fruchtbaren Boden fiel, aber sie nicht immer in der Lage waren, diesem Wort zu vertrauen. So mahnt uns das Gleichnis vom Sämann, nicht allzu vorschnell eine Schublade zu ziehen und einzuteilen. Es mahnt uns, uns immer wieder selbst in Frage zu stellen, ob das Wort Gottes, das wir hören, uns wirklich zur Seligkeit führt, oder ob wir es nur für uns selbst festhalten wollen.

An denen, die vermeintlich nicht von Anfang an schon dazu gehörten, ließe sich lernen: Wir dürfen auch einmal etwas aus der Hand geben und es gewähren lassen. Es ist Gott, der wachsen lässt. Ich stelle mir dabei nicht ein Ackerfeld vor, in dem vier Teile voneinander streng getrennt sind, sondern ein Feld, wie das der palästinischen Landwirte zur Zeit Jesu, auf dem für Vielfältiges der Nährboden zum Wachsen bereitet ist.

Ich stelle es mir so vor: Es ist dieses Reich Gottes, von dem Jesus erzählt, die Gemeinschaft derer, die einander Vertrauen schenken in dem Wort; die Gemeinschaft derer, die an ihren Ansprüchen auch einmal scheitern dürfen; die Gemeinschaft derer, die im Miteinander und der Vielfalt ihres Gottvertrauens auf einem Wege sind. Dann bleibt diese Gemeinschaft im Reich Gottes offen für die, von denen wir nicht erwartet hätten, dass sie zu uns gehören und sich zum Segen vieler einbringen wollen.

Manchmal muss man etwas aus der Hand geben, um etwas zu gewinnen. Der Same kann aufgehen, dort, wo wir es nicht erwarten. Tu deine Arbeit. Lass gerne etwas daneben gehen. Die Vögel werden es dir danken.

Wer weiß: Vielleicht trägt der Vogel das Samenkorn an einen anderen Ort, wo es wächst, wurzeln schlägt und Frucht bringt. So wird Gott das Seine tun und die Früchte im Reich Gottes mehren. Sein Wort wird nicht wieder leer zurückkommen.

Amen.

 

Segen