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Erntedankfest

Wir feiern die Fülle des Lebens. Das Wunder des geteilten Lebens, die Vermehrung der Gaben stehen im Mittelpunkt unseres Gottesdienstes zu Erntedank. Wir feiern noch einmal im Garten des Museums Alte Wagnerei.

 

„Danke für den schönen, erfrischenden Erntedankgottesdienst. Da hat die Entenbrust zu Mittag doppelt gut geschmeckt. Dem ganzen Team nochmal herzlichen Dank für die Mühe!!!“
„Ich finde das sehr schön. Aber am tollsten finde ich, dass ihr Bäume habt, auf denen Mundnasenschutz wächst.“
“Es war ein schöner und letzter Gartengottesdienst in diesem Jahr. Das schreit fürs nächste Jahr nach Wiederholung!“

 

Zum Eingang

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Erntedankfest feiern wir die Fülle des Lebens. Die Erntegaben sind ein Zeichen dafür. Wir feiern Gottesdienst – noch einmal im Garten, in Gottes freier Natur. Wir bringen unseren Dank in Gebet und Loben vor Gott.

Lied EG 508 – Wir pflügen und wir streuen
(Aufnahme: Jugendbachchor und Bachchor Kronstadt)

Psalm 104
Wir beten:
Lobe den Herrn, meine Seele!
Herr, mein Gott, du bist sehr herrlich;
du bist schön und prächtig geschmückt.
Licht ist dein Kleid, das du anhast.
Du breitest den Himmel aus wie einen Teppich;
der du das Erdreich gegründet hast auf festen Boden,
dass es bleibt immer und ewiglich.
Du feuchtest die Berge von oben her,
du machst das Land voll Früchte, die du schaffest.
Du lässest das Gras wachsen für das Vieh
und Saat zu Nutz den Menschen,
dass du Brot aus der Erde hervorbringst,
dass der Wein erfreue des Menschen Herz
und sein Antlitz schön werde vom Öl
und das Brot des Menschen Herz stärke.
Herr, wie sind deine Werke so groß und viel!
Du hast sie alle weise geordnet,
und die Erde ist voll deiner Güter.
Es warten alle auf dich,
dass du ihnen Speise gebest zur rechten Zeit.
Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie;
wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt.
Verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie;
nimmst du weg ihren Odem, so vergehen sie und werden wieder Staub.
Du sendest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen,
und du machst neu die Gestalt der Erde.
Die Herrlichkeit des Herrn bleibe ewiglich,
der Herr freue sich seiner Werke!
Lobe den Herrn, meine Seele! Halleluja!

 

Confiteor

In Liedern, Gebeten und mit unseren Erntegaben
geben wir Gott von dem zurück, was wir ihm verdanken.
Jahr und Jahr erhält er unser Leben.

Heute bringen wir in der Stille alles vor ihn,
was uns gelungen ist und was und geschenkt wurde.

Stille

Ihm, dem wir alles Gute verdanken,
vertrauen wir auch all das an,
was wieder heil werden muss.
All das, was uns verstummen lässt,
und das, woran wir leiden.
All das, was unsere Welt in Aufruhr versetzt
und das, was uns im Blick auf die Zukunft Sorge bereitet.

Herr, erbarm dich über uns.

Kyrie eleison – Christe eleison – Kyrie eleison. Amen.

Gott hat sich über uns erbarmt.
Er rief uns ins Leben und bewahrt es auch.
Wer an ihn glaubt und getauft ist,
der wird selig werden.
Das verleihe Gott uns allen.
Amen.

Lobpreis
Wir preisen Gott für seine Güte
und singen ihm unser Loblied:
Allein Gott in der Höh sei Ehr

Gebet des Tages
Lasst uns beten:
Gütiger Gott,
du lässt die Früchte des Feldes gedeihen, Zeichen deiner Liebe,
die Himmel und Erde, Zeit und Ewigkeit umfängt:
Gieß deinen Segen aus über die ganze Welt,
dass in den Früchten der Erde deine Güte erfahren
und das Verlangen geweckt werde nach den ewigen Gaben.
Durch unsern Herrn Jesus Christus, deinen Sohn,
der mit dir und dem Heiligen Geist verherrlicht wird
von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

 

Verkündigung

Lesung – 5. Mose 8,7-18
Mose sprach zum Volk: Der Herr, dein Gott, führt dich in ein gutes Land, ein Land darin Bäche und Quellen sind und Wasser in der Tiefe, die aus den Bergen und in den Auen fließen, ein Land, darin Weizen, Gerste, Weinstöcke, Feigenbäume und Granatäpfel wachsen, ein Land darin es Ölbäume und Honig gibt, ein Land, wo du Brot genug zu essen hast, wo dir nichts mangelt, ein Land, in dessen Steinen Eisen ist, wo du Kupfererz aus den Bergen haust. Und wenn du gegessen hast und satt bist, sollst du den Herrn, deinen Gott, loben für das gute Land, das er dir gegeben hat. So hüte dich nun davor, den Herrn, deinen Gott zu vergessen, sodass du seine Gebote und seine  Gesetze und rechte, die ich dir heute gebiete, nicht hältst. 
Wenn du nun gegessen hast und satt bist und schöne Häuser erbaust und darin wohnst und deine Rinder und Schafe und Silber und Gold und alles, was du hast, sich mehrt, dann hüte dich, dass dein Herz sich nicht überhebt und du den Herrn, deinen Gott, vergisst, der dich aus Ägyptenland geführt hat, aus der Knechtschaft und dich geleitet hat durch die große furchtbare Wüste, wo feurige Schlangen und Skorpione und lauter Dürre und kein Wasser war, und ließ dir Wasser aus dem harten Felsen hervorgehen und speiste dich mit Manna in der Wüste, von dem deine Väter nichts gewusst haben, auf dass er dich demütigte und versuchte, damit er dir hernach wohltäte.
Du könntest sonst sagen in deinem Herzen: Meine Kräfte und meiner Hände Stärke haben mir diesen Reichtum gewonnen. Sondern gedenke an den Herrn, deinen Gott; auf dass er hielte seinen Bund, den er seinen Vätern geschworen hat, so wie es heute ist.

Glaubensbekenntnis

Lied EG 502 – Nun preist alle, Gottes Barmherzigkeit

Predigt

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde,

heute feiern wir die Fülle des Lebens. Sie wird zu allererst deutlich am geschmückten Altartisch. Die Erntegaben weisen uns darauf hin: Auch in diesem Jahr haben wir allen Grund, Gott zu danken.

Ein kleiner Bilderreigen von unserem Äpfelbaum im Kirchgarten zeigt, wie er im Frühjahr voller Blütenpracht stand, im Spätsommer sich die gelbroten Äpfel wie Trauben aneinander schmiegten und nun im Herbst die roten Äpfelchen uns fast reif entgegen lachen.

 

Die Fülle des miteinander geteilten Lebens spiegelt sich für mich auch in den zahlreichen Bilderreigen von Freunden und Bekannten, die ich mir alltäglich auf dem Smartphone ansehen kann: Bilder aus der Ferne, aber in diesem Jahr vor allem Bilder aus der Heimat und näheren Umgebung. Sie zeigen, wie reich wir beschenkt sind an Gutem und was wir vor der Haustüre haben: Schöne Details in Naturaufnahmen, Rundblicke in die Landschaft, interessante Fundstücke am Wegesrand – miteinander geteilte kleine Wunder des Alltags, mit denen wir einander eine Freude bereiten.

Vom Wunder des geteilten Lebens und der Dankbarkeit dafür ist auch im heutigen Predigttext die Rede. Er steht im Markusevangelium im 8. Kapitel, die Verse 1 bis 9:

Als wieder eine große Menge da war und sie nichts zu essen hatten, rief Jesus die Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Mich jammert das Volk, denn sie harren nun schon drei Tage bei mir aus und haben nichts zu essen. Und wenn ich sie hungrig heimgehen ließe, würden sie auf dem Wege verschmachten; denn einige sind von ferne gekommen.
Seine Jünger antworteten ihm: Woher nehmen wir Brot hier in der Einöde, dass wir sie sättigen?
Und er fragte sie: Wie viele Brote habt ihr?
Sie sprachen: Sieben.
Und er gebot dem Volk, sich auf die Erde zu lagern. Und er nahm die sieben Brote, dankte, brach sie und gab sie seinen Jüngern, dass sie sie austeilten, und sie teilten sie unter das Volk aus.
Sie hatten auch einige Fische; und er sprach den Segen darüber und ließ auch diese austeilen. Und sie aßen und wurden satt. Und sie sammelten die übrigen Brocken auf, sieben Körbe voll.
Es waren aber etwa viertausend und er ließ sie gehen.

 

Liebe Gemeinde,

jeder kennt das: „Eigentlich hab ich nichts großartig mehr im Kühlschrank.“ Und dann bekommt man doch noch etwas ganz Leckeres aus den paar Resten heraus. Das Wenige nicht als Mangel zu sehen, gelingt uns nicht immer. Manchmal sehen wir das Glas eben halb leer und nicht halb voll. „Woher nehmen wir das Brot, das wir bräuchten für die Vielen, hier in der Einöde?“  

Manchmal genügt aber das Wenige. Dankbar ist Jesus für die sieben Brote. Er spricht dieses Dankeschön vor Gott aus. Wie in einem Tischgebet, das wir sprechen, bevor wir miteinander essen. Wir holen den Herrn der Welt mit hinein. Wir teilen das Essen miteinander, wir teilen uns einander mit in Rede und Widerrede. So erleben wir dankbar, wie wir an Leib und Seele uns einander Gutes tun können.

Unter dem täglichen Brot, das wir teilen, können wir mit Luthers Auslegung zur Vaterunserbitte alles verstehen, was „not tut für Leib und Leben“. Die älteren unter uns haben das in ihrem Konfirmandenunterricht auswendig gelernt: Essen, Trinken, Kleider Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromme Eheleute, fromme Kinder, fromme Gehilfen, fromme und treue Oberherren, gute Regierung, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen. Im Danken für das Brot schillert also das ganze Leben in seiner Vielfalt und Fülle. Es ist wie bei den Bildern erfüllten Lebens, die wir austauschen und miteinander teilen.

In diesem Jahr haben wir besonders zu danken für gute Regierung in unserem Land. Auch wenn die Entscheidungen nicht leicht fielen, wenn es unterschiedliche Meinungen gab, wenn Freiheiten eingeschränkt blieben, können wir doch dankbar sein, dass wir im Vergleich zu vielen anderen Ländern – auch in unserer unmittelbaren Nachbarschaft – bisher glimpflich durch die Krise gekommen sind.

Dankbar dürfen wir auch sein für 30 Jahre Frieden und Freiheit in unserem Land. Voneinander geteilt war das Leben jahrzehntelang. Wie wir es miteinander teilen können, mussten wir erst lernen und es birgt immer noch manche Herausforderung. Ich erinnere mich an manches Gespräch aus der Studienzeit in Halle, in denen ich als Wessi neben den Ossis ganz andere Erfahrungen aus der Kindheit mitbrachte. Neben so mancher romantischen Erinnerung wurde auch das Leben unter den beiden unterschiedlichen Systemen ganz selbstverständlich ausgetauscht. Manchmal wurde dabei das Wunder des jetzt miteinander geteilten Lebens spürbar, ohne die Differenzen dabei ganz zu vergessen.

Dankbar dürfen wir auch sein für gut Wetter. Ein Konfirmand meinte am Freitag: „Sie haben doch schon vor längerer Zeit mal gesagt: Das war jetzt der letzte Gottesdienst im Garten.“ Und jemand meinte: „Naja, steht ja nochmal im Kirchenboten, dass das Erntedankfest im Garten gefeiert wird.“ Bisher habe das dann ja immer funktioniert mit dem Wetter. Woraufhin noch jemand anders fragte: „Ach, der Kerngbote wird wohl jetzt auch dem Petrus gschickt?“ – Dankbar dürfen wir in diesem Jahr sein, dass unsere Gebete erhört wurden. Miteinander durften wir das Wunder geteilten Lebens in Gottes freier Natur feiern.

Aber freilich gab es hinterher nichts zu essen – anders als in der Geschichte aus dem Evangelium. Kein Brot, das wir teilen durften. Oft standen wir aber noch lange beieinander – ein Schluck Wasser und ein kleiner Happen wären schon manchmal gut gewesen. Wir hielten uns an die Regeln und verzichteten konsequent. Gerade wegen des Verzichtes durften wir noch einmal deutlicher erfahren, worauf es ankommt: Das Wunder der miteinander geteilten Zeit des Lebens.

Diese Erfahrung mag auch die so verschiedenen Menschen bewegt haben, die sich versammelt hatten, um Jesus zu hören. Dankbarkeit breitete sich in ihren Herzen aus. Dankbarkeit darüber, dass sie Jesus, das Brot des Lebens in ihrer Mitte hatten. Er hatte sich ihnen mitgeteilt in Rede und Widerrede. Er hatte sich ihnen ganz selbst geschenkt im Teilen des Brotes. Da steht der Himmel offen. Das Wunder des miteinander geteilten Lebens wird leiblich erfahrbar in einem Bissen Brot.

Jesus lädt ein. Eine Einladung ist immer etwas Freudiges. Jemand zeigt mir: „Du bist mir wichtig! Ich will meine Zeit mit Dir teilen. Ich nehme dich als Gesprächspartner ernst.“ Oft gehört auch ein gutes Essen dazu. So können wir einander uns selbst schenken in Rede und Widerrede, im Teilen des täglichen Brotes, dass uns von Gott geschenkt ist. Die Fülle des Lebens wird im besten Falle sichtbar im miteinander geteilten Leben, vor allem auch im Hören auf das, was den anderen bewegt oder belastet. Dann wird aus dem Bissen Brot, den Jesus mit uns teilt, Mitfühlen und geteilte Lebensfreude.

Auf dem Teilen liegt Segen. Jesus segnet die Fische. Einander gutes Tun und von Gott das Gelingen erwarten, das bedeutet Segen. Diesen Segen werden wir brauchen in der kommenden Zeit, wenn das Miteinander wieder mehr eingeschränkt werden sollte. Es ist gut, wenn immer noch ein Rest übrigbleibt. Es ist gut, wenn am Ende die Körbe noch gefüllt sind mit Brocken oder Gesprächsfetzen, die wir neu aufnehmen können und wollen. Mit Ideen, die wir noch mit Leben füllen wollen beim nächsten Mal. Fortsetzung folgt. Denn es ist nie alles gesagt. Das Ende ist offen. Aber es liegt schon der Segen auf diesen aufgesammelten Resten. Es liegt auch der Segen auf dem Nicht-Gesagten, dem Schweigen, der niemals ganz aufzuarbeitenden Trauer, dem Leid, das nur schwer zu ertragen ist.

Das alles wird die Fülle des gelebten und geteilten Lebens heute nicht trüben. Sie steht uns vor Augen in unserem geschmückten Altar. Sie steht uns vor Augen in zahlreichen Bildern des Reichtums, der nicht nur vordergründig ist, sondern uns immer wieder einmal tief im Herzen berührt. Darum sind wir heute zuallererst dankbar für das gemeinsame Leben, das uns reich macht. Aber wir bleiben auch hoffnungsfroh, welche Wunder geteilten Lebens uns unter dem Segen des Herrn noch bereitet werden.

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Lied EG 322 – Nun danket all und bringet Ehr

 

Gebet und Segen

Fürbittengebet

Lasst uns beten:

Wir danken dir, Gott – für alles, was du uns zum Leben gibst:
Für das Zusammenleben mit anderen Menschen;
für alle, die uns nahe stehen und uns ihre Zuwendung erfahren lassen;
für die Menschen, denen wir begegnen und die unser Leben bereichern; 
für alle Gemeinschaft, die Einsamkeit überwindet,
für die Freude, wie wir erfahren und weitergeben können.

Gott, Geber aller Gaben, wir bitten dich:
Gib uns Kraft, die uns gestellten Aufgaben zu erfüllen,
die Herausforderungen der Pandemie weiter zu meistern,
lass uns nicht vergessen, unseren Wohlstand zu teilen 
und uns für Gerechtigkeit und Frieden in der Welt einzusetzen.
Schenke allen, die in Wirtschaft und Politik Verantwortung 
tragen, Weisheit, die Probleme der Zukunft zu bewältigen.
Befähige uns, mit den Gütern der Erde gerecht und verantwortlich umzugehen,
damit alle Menschen würdig und zufrieden leben können.

Gib den Menschen, die in der Landwirtschaft tätig sind,
und die unsere Lebensmittel herstellen,
Kraft und Ausdauer für ihre tägliche Arbeit.
Gib den Menschen, die in Schulen und KiTas arbeiten,
Geduld in ihrem Dienst und trotz aller Umstände
Freude an ihrer täglichen Arbeit.

Gott, du gibst uns in deiner Güte und Barmherzigkeit mehr,
als wir bitten und verstehen können.
Hilf uns, dass wir nie aufhören, dir zu danken,
dich zu loben und dich zu bitten.
Durch Jesus Christus, unseren Herrn. 
Amen.

Vaterunser

Sendung und Segen

So geht hinaus in diesen Sonntag
und in die neue Woche
unter dem Segen unseres Herrn:

Der Herr segne euch und behüte euch.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch
und sei euch gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch
und gebe euch Frieden.
Amen.

Lied EG 321 – Nun danket alle Gott