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Epiphanias – 6. Januar

Sterne leuchten am dunklen Himmel. Sie sind verlässlich da. Sterne leuchten auch in unsren Fenstern. Sie verschwinden nun bald wieder. Von verschiedenen Sternen ist heute die Rede: dem Stern, den die Weisen sahen im Morgenland, dem Morgenstern, dem Stern über Betlehem. Was hat es mit diesen Sternen auf sich? Wir feiern das Fest der Erscheinung Jesu Christi, Epiphanias.

 

Wie schön leuchtet der Morgenstern

Nehmen Sie sich die Zeit
und hören Sie diese wunderbare Aufnahme des Chorals
aus der gleichnamigen Bachkantate (BWV 1)
des Chors und Orchesters der Bachstiftung St. Gallen:
Wie schön leuchtet der Morgenstern

 

 

Lesung

Das Evangelium für den Epiphaniastag steht 
bei Matthäus im 2. Kapitel, die Verse 1-12:

Da Jesus geboren war zu Bethlehem in Judäa
zur Zeit des Königs Herodes,
siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland
nach Jerusalem und sprachen:
Wo ist der neugeborene König der Juden?
Wir haben seinen Stern aufgehen sehen
und sind gekommen, ihn anzubeten.
Als das der König Herodes hörte, erschrak er
und mit ihm ganz Jerusalem,
und er ließ zusammenkommen
alle Hohepriester und Schriftgelehrten des Volkes
und erforschte von ihnen,
wo der Christus geboren werden sollte.
Und sie sagten ihm: Zu Bethlehem in Judäa;
denn so steht geschrieben durch den Propheten:
„Und du, Bethlehem im Lande Juda,
bist mitnichten die kleinste unter den Fürsten Judas;
denn aus dir wird kommen
der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.“
Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich
und erkundete genau von ihnen,
wann der Stern erschienen wäre,
und schickte sie nach Bethlehem und sprach:
Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein;
und wenn ihr´s findet, so sagt mir´s wieder,
dass auch ich komme und es anbete.
Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin.
Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen,
ging vor ihnen her,
bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war.
Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut
und gingen in das Haus und sahen das Kindlein
mit Maria, seiner Mutter,
und fielen nieder und beteten es an
und taten ihre Schätze auf
und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.
Und da ihnen im Traum befohlen wurde,
nicht wieder zu Herodes zurückzukehren,
zogen sie auf einem anderen Weg wieder in ihr Land.

 

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde,

der Morgenstern ist ein besonders hell leuchtender Planet am frühen Himmel, noch bevor die Sonne aufgeht. Er ist sozusagen ein Bote der Verheißung des aufgehenden Lichtes. In ihm steckt die Hoffnung darauf, dass es bald in ganzer Fülle erscheint. Auch wenn er das Dunkel des Nachthimmels nur schwach erhellt, ist er deutlich sichtbar. Sein Licht scheint schon bevor das große Licht die Welt erhellt.

Einen ganz anderen Stern oder eine ganz andere Sternenkonstellation sahen einst die Weisen aufgehen, als sie sich aufmachten, den besonderen König zu finden. Der Stern wurde ihr Begleiter auf dem langen Weg nach Jerusalem, dann nach Bethlehem zu dem Stall. Der Stern begleitet auch uns. In unseren Fenstern, auf unseren Christbäumen, in unseren Kirchen. Er ist Zeichen für den Christus, der für uns geboren ist. Und er ist ein Zeichen für das Licht, das mit seinem Kommen die Welt erfüllt.

Von diesem aufgehenden Licht erzählt auch Jesaja in wunderbar verheißungsvollen Worten, die uns allen sehr vertraut sind. Hört den Predigttext aus dem 60. Kapitel des Propheten:

Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir!

Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.
Und die Völker werden zu deinem Lichte ziehen und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht. Hebe deine Augen auf und sieh umher: Diese alle sind versammelt, kommen zu dir. Deine Söhne werden von ferne kommen und deine Töchter auf dem Arm hergetragen werden. Dann wirst du es sehen und vor Freude strahlen, und dein Herz wird erbeben und weit werden, wenn sich die Schätze der Völker am Meer zu dir kehren und der Reichtum der Völker zu dir kommt. Denn die Menge der Kamele wird dich bedecken, die jungen Kamele aus Midian und Efa. Sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen und des Herrn Lob verkündigen.
(Jes 60,1-6)

  

Liebe Gemeinde,

mache dich auf, werde licht! – Diese fünf Worte sprechen unmittelbar an. Nicht nur in der dunklen Jahreszeit, aber jetzt besonders. Sie begleiten uns in der Advents- und Weihnachtszeit. Sie stehen darum noch einmal am Beginn dieser Epiphaniaszeit, in der wir ja die Botschaft von Weihnachten erst richtig begreifen lernen und in den Alltag hinübertragen. Möge das zunehmende Licht auch uns erleuchten, erwärmen und begeistern. Das wünschen wir uns gerade besonders. Was für ein Alltag wird uns in den nächsten Wochen erwarten?

„Wird alles gut!“ wie in dem Heilwort aus fernen Kindertagen? Ein Wort, das uns die Seele gewärmt hat und über manches Leid hinweg zu trösten vermochte. Entzaubert ist es dem Erwachsenen längst. Und doch verwendet er es immer noch gerne: „Wird alles gut!“ Gerade, weil die Welt so anders ist.

Wird alles gut, – dort, wo das Licht Christi uns jetzt scheint? – Dies Jahr steht unter dunklen, grauen Vorzeichen. Wir wünschen uns etwas mehr Planbarkeit und Stabilität für unseren Alltag. Doch es legt sich die Sorge wie ein grauer Wolkenschleier über unser Gemüt. Erfüllen sich die Hoffnungen, die mit dem Impfstoff verbunden sind? Wird alles noch schlimmer, wenn das Virus mutiert? Wie lange müssen wir noch stillhalten und dürfen immer nur dieselben Menschen sehen? Wann dürfen wir wieder als Gemeinde miteinander singen? Wann unsere Angehörigen ohne Beschränkungen im Heim besuchen? Wann miteinander feiern und unbeschwert fröhlich sein?

Solche Fragen – und als oberste die nach unserer eigenen Gesundheit – stehen im Kontrast zu der aufmunternden Botschaft des Lichtes. Sie sind eher Zeichen des nächtlichen Himmels, der uns noch umfängt. Dieses Dunkel aber ist im Schwinden, so ruft es Jesaja auch uns zu. Das Licht ist schon da. Es kommt zu dir. Mache Du Dich daher auch auf! Werde licht! Licht für die Welt.

Wird da nicht ein bisschen viel von uns auf einmal verlangt? – Das Licht scheint schon. Es ist zwar noch dunkel, aber es ist schon da. Es ist klar sichtbar wie der Morgenstern vor dem Aufgang der Sonne. So bist auch Du schon da. Ein Geschöpf des großen Gottes, wie das Kind in der Krippe. Du hast Talente und Gaben, die andere brauchen werden. Setze Sie ein. Sei Du selbst eine kleine Flamme, Licht für andere!

Das Licht scheint uns schon. Manchmal muss man aufs Geradewohl losgehen, wie die Weisen. Sie folgten einem Stern, wussten aber nicht, wohin die Reise gehen sollte. Kurz vor dem Ende der Reise gab es sogar noch eine Planänderung. Nicht Jerusalem, sondern Betlehem war das Ziel. Diese unerwartete Planänderung brachte die Weisen nicht einmal aus der Ruhe. „Da zogen sie hin“, heißt es – ohne lange Umschweife und fanden das Kind in dem Stall.

Wohin uns die Reise dieses neuen Jahres bringen wird, wissen wir nicht. Aber wir haben uns selbst. Wenn wir uns selbst als Geschöpfe Gottes sehen, die einander ermutigen, dann tragen wir ein klein wenig von dem Licht weiter in die Welt. Dann wird es in dieser Welt immer heller und das Dunkle, das uns noch umgibt, weicht ein wenig von uns. Ja, es ist zwar noch da, aber es macht uns nichts mehr aus, dass es noch da ist, weil wir das Dunkel mit unserem Licht erhellen.

Dein Licht ist schon in die Welt gekommen. – In Jesus Christus in dem Kind in der Krippe. Nicht alles wird einfach gut werden, aber im besten Fall bekommt alles für uns einen Sinn. Nicht alle Hoffnungen werden sich erfüllen. Vielleicht sogar nur sehr wenige. Manchmal kommt es überraschend anders, als wir es gehofft haben und es wird trotzdem sehr gut. So wie die Weisen ihren Frieden fanden im Stall, zufrieden mit sich und der Welt, so sollen wir das Licht annehmen und es weitertragen; ja selbst zum Licht werden für andere.

Wie könnten wir Licht sein für Andere? – Am Epiphaniastag denken wir in besonderer Weise an unsere Partnerkirchen in aller Welt. In diesem Jahr geht die Kollekte unseres Gottesdienstes nach Tansania und unterstützt Menschen, die Vorsorgeuntersuchungen zur Behandlung von Krebserkrankungen benötigen. Spezialisten von hier sollen ihr Wissen mit den Ärzten dort teilen und so zum Licht werden für die Menschen dort.

Licht sein für Menschen können wir auch hier in unseren Kirchen, wenn wir miteinander Gottesdienst feiern unter schwierigeren Bedingungen. Wenn auch nicht so viele kommen und hier vor Ort mitfeiern, so wissen doch die, die zu Hause mitfeiern, dass wir da sind. Und wir, die wir hier feiern wissen, dass da noch welche zu Hause mithören und mitfeiern. So haben wir aneinander Anteil und können uns gemeinsam ermutigen lassen.

Licht sein für die Welt können wir ganz einfach, indem wir unsere Sterne noch ein wenig leuchten lassen, damit das Licht auch draußen noch ein wenig weiter scheint. Der Weihnachtsbaum verlässt bald unsere Wohnzimmer, aber der Stern darf – wie hier in der Kirche – noch ein paar Wochen weiter leuchten in die eigentliche Weihnachtszeit, die Epiphaniaszeit hinein. Manchmal genügen die kleinen Zeichen, die uns aufmerksam machen auf das Licht, das für uns schon begonnen hat zu leuchten.

In diesem Licht steckt eine wundervolle Verheißung. Sie gilt auch – trotz manch dunkler Vorboten – für uns in diesem Jahr. Gottes Licht, Jesus Christus ist da. Von seinem Licht können wir uns selbst begeistern lassen und zur Flamme werden, die andere erwärmt und begeistert. Lassen Sie uns das Licht Christi weiter verbreiten in diesem Jahr, damit unsere Welt heller werde.

Amen.

 

Segen

In diesen dunklen Tagen
wollen wir uns die frohe Botschaft
vom aufgehenden Licht
gegenseitig zusprechen:

„Mache dich auf, werde licht,
denn dein Licht kommt.“

Bleibt unter dem Segen Gottes:
Der Herr segne euch und behüte euch!
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch
und sei euch gnädig!
Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch
und gebe euch Frieden.
Amen.