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Dritter Advent

„Er hat besucht und erlöst sein Volk.“ In unseren Häusern leuchten die Lichter und geben etwas wieder von dem hellen Schein des göttlichen Lichtes. Das mag uns Trost spenden in dieser dunklen Zeit. – Gottesdienst am dritten Advent mit Prädikantin Michaela Wilfert.

 

Lied

Die Nacht ist vorgedrungen – EG 16,1-3

 

 

Predigt

Liebe Gemeinde!

Unser Predigttext erzählt von einem alten Mann. Sein Name ist Zacharias. Er war Priester am Jerusalemer Tempel und in diesem Jahr wurde ihm die besondere Ehre zuteil, das Räucheropfer im Tempel darzubringen. Und als er seinen Dienst versah, da begegnete ihm Gabriel, der Engel Gottes, und kündigte ihm die Geburt eines Sohnes an, den er Johannes nennen sollte. Zacharias war überrascht über diese Ankündigung, denn er und seine Frau Elisabeth leben kinderlos. Seit Jahren, Jahrzehnten baten sie Gott sehnlich um ein Kind. Aber darüber wurden sie beide alt. Und Elisabeth war nun wirklich nicht mehr im gebärfähigen Alter. Entsprechend schwer tat sich Zacharias, diese Botschaft einfach zu glauben. Daraufhin verstummte Zacharias. Gabriel macht ihm klar, dass sein Mund bis zur Erfüllung der Verheißung stumm bleiben wird. Und so geschah es auch. Am Tag der Geburt bestimmte Zacharias noch per ein Schreibtäfelchen den Namen seines Sohnes – Johannes, so wie es ihm Gabriel von Gott aufgetragen hatte. Und danach konnte Zacharias wieder sprechen. Und was er da sagte, das lese ich Ihnen nun aus dem ersten Kapitel des Lukasevangeliums in den Versen 67-79:

67 Und sein Vater Zacharias wurde vom Heiligen Geist erfüllt, weissagte und sprach: 68 Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk 69 und hat uns aufgerichtet ein Horn des Heils im Hause seines Dieners David 70 wie er vorzeiten geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten, 71 dass er uns errettete von unsern Feinden und aus der Hand aller, die uns hassen, 72 und Barmherzigkeit erzeigte unsern Vätern und gedächte an seinen heiligen Bund, 73 an den Eid, den er geschworen hat unserm Vater Abraham, uns zu geben, 74 dass wir, erlöst aus der Hand der Feinde, ihm dienten ohne Furcht 75 unser Leben lang in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinen Augen. 76 Und du, Kindlein, wirst Prophet des Höchsten heißen. Denn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitest 77 und Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk in der Vergebung ihrer Sünden, 78 durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe, 79 auf dass es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

Lasst uns in der Stille um den Segen des Wortes Gottes beten! 

[Stille]

Herr, öffne unsere Herzen und Sinne für dich und dein Wort und tu meine Lippen auf, dass mein Mund deinen Ruhm verkündige. Amen.

 

Liebe Gemeinde,

neun Monate lang lebte Zacharias in der Stille. Neun Monate lang wird er immer wieder darüber nachgedacht haben, was ihm Gabriel angekündigt hat. Und er wird wahrscheinlich auch in den alten Schriften gesucht und geforscht haben. Ihr ganzes Leben lang haben er und seine Frau Gott mit ihrem Kinderwunsch in den Ohren gelegen. Doch irgendwann siegte die Realität über die Hoffnung und das Sehnen. Wo sind all die Gebete hin? Sind sie an der Zimmerdecke kleben geblieben?

Neun Monate lang konnte Zacharias zwar nicht mit den Menschen seiner Umgebung sprechen, aber sein Gespräch mit Gott versiegte nicht. Denn sie bleiben eben nicht an der Zimmerdecke kleben, die Gebete. Der Engel Gabriel hat es ihm in der Ankündigung der Geburt seines Sohnes ganz klar gesagt: ‚Dein Gebet ist erhört worden!‘

 

Liebe Gemeinde,

Zacharias kommt aus der Stille. Es war keine selbstgewählte Stille, aber es war eine Einkehr. Eine intensive Zeit des Hörens. Und eine Zeit des Vertrauens, dass Gott all das, was er zusagt, wirklich erfüllt. In seinem Lobgesang preist er Gott in geisterfüllter und kunstvoller Weise.

68 Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk […]

Zacharias sieht, wie Gott sein Volk erlösen und retten will. Und das Kind, das er in Händen hält, ist der Vorbote für diesen Besuch Gottes auf der Erde. Der Besuch Gottes läutet eine Zeitenwende ein, eine neue Zeitrechnung. Einen Neuanfang.

Wir haben es vorhin in der Lesung gehört – in der Wüste soll ebene Bahn gemacht werden, der Weg bereitet werden für Gott. Das ist es, was Zacharias aus den alten Schriften kennt und das ist es auch, was Johannes, sein Sohn, tun wird. Er will das Volk vorbereiten auf diesen Besuch Gottes. Zacharias bekommt von Gott einen Einblick in seinen Plan geschenkt und plötzlich fügt sich für ihn alles in ein vollständiges Bild von Gottes Heilsplan.

In kunstvollen Worten, ähnlich einem Psalm lobt er Gott für seine Taten. Und dann spricht er auch in prophetischer Weise über seinen Sohn und das aufgehende Licht aus der Höhe – damit ist Jesus, der Sohn Gottes gemeint:

76 Und du, Kindlein, wirst Prophet des Höchsten heißen. Denn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitest 77 und Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk in der Vergebung ihrer Sünden, 78 durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe, 79 auf dass es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

Johannes wird Jesus den Weg bereiten. Er wird das Volk zur Umkehr rufen und ihnen ‚Erkenntnis des Heils geben‘, sie also lehren, dass Buße und Umkehr nötig ist. Vergebung der Sünden ermöglichen das Heil, heil-werden an Seele und Geist. Das ist es, was Gott für die Menschen vorgesehen hat. Gott hat es sich zur Aufgabe gemacht, sein Völk zu erlösen, zu retten, es zurecht zu bringen und ihm Heil zu schenken. Er hat seinen Bund erneuert in seinem Sohn Jesus Christus. Aber warum das alles? 78 durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe,

Herzliche Barmherzigkeit ist ein Herz, das Mitleid, das Mitgefühl hat. Gott hat Mitgefühl mit jedem einzelnen Menschen. Er leidet mit jedem menschlichen Herz, mit jedem menschlichen Schicksal. Er leidet mit Dir mit, wenn Dir Kummer auf der Seele lastet, wenn Du kein Land, keinen Ausweg mehr siehst. Gottes Herz ist voller Liebe für Dich und will auch Dir Rettung schenken. Rettung aus all den furchtbaren Verstrickungen, die dein Leben dunkel machen und lähmen.

Und weil Gott diese Liebe für uns Menschen hat, schickt er Jesus. Er ist wie ein Stern, der aufgeht und die tiefschwarze Nacht erhellt. ‚Die Nacht ist vorgedrungen‘, das Lied von Jochen Klepper nimmt dieses Motiv des aufgehenden Sterns auf und kleidet es wiederum in wunderschöne Strophen: Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern. So sei nun Lob gesungen dem hellen Morgenstern! Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein. Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.

Wir haben zu knabbern an all dem, was uns Angst bereitet und uns im Herzen peinigt. Das alles wird uns auch nicht weggenommen. Aber im Licht Gottes gesehen, hat das, was uns Angst macht, weniger Macht als in der tiefen Dunkelheit unserer Gedanken. Es ist vielleicht ein wenig so, wie wenn wir etwas Unbekanntes im Dunkeln ertasten müssen. Da geht die Angst schnell mit uns durch, weil wir uns im Kopf tausend furchtbare Dinge ausmalen. Kommt uns dann aber ein kleiner Funken Licht zu Hilfe, hilft uns das, unerschrocken zu erkennen, mit was wir es eigentlich zu tun haben.

Zacharias singt Gott ein Loblied. Und er lobt ihn für das aufgehende Licht, das sein Volk besuchen wird aus der Höhe 79 auf dass es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

Er erkennt, dass sich das Volk in Finsternis und im Schatten des Todes befindet. Sie haben die Hoffnung verloren und leben ein Leben, das auf den Tod hinausläuft. Ohne Hoffnung. Leben erscheint sinnlos. Denn die Menschen leben, als gäbe es kein Morgen, keinen Nächsten, keinen Gott. Doch mit dem aufgehenden Licht aus der Höhe wird nun alles anders. Das helle Licht wird das Leben verändern. Es wird die Herzen verändern, es wird Hoffnung schenken und Frieden wird einkehren in den Herzen.

Gehen wir noch einmal zu Kleppers ‚Die Nacht ist vorgedrungen‘: Noch manche Nacht wird fallen auf Menschenleid und –schuld. Doch wandert nun mit allen der Stern der Gotteshuld. Beglänzt von seinem Lichte, hält euch kein Dunkel mehr, von Gottes Angesichte kam euch die Rettung her.

Wir Menschen bleiben nicht verschont von schweren Stunden, von Schicksalsschlägen und auch von Verfehlungen, mit denen wir an anderen schuldig werden. Aber seit Jesus Christus auf diese Erde kam, geht er mit uns mit, begleitet uns durch diese Dunkelheiten. Wir wissen unser Leid und unsere Schuld gut bei ihm aufgehoben. Er ist stets nur ein Gebet weit entfernt.

Gott will im Dunkel wohnen und hat es doch erhellt. Als wollte er belohnen, so richtet er die Welt. Der sich den Erdkreis baute, der lässt den Sünder nicht. Wer hier dem Sohn vertraute, kommt dort aus dem Gericht.

 

Liebe Gemeinde,

Gott hat sein Volk besucht und erlöst – dafür ist er auf die Erde hinabgekommen. Er hat sich entschieden, in die Dunkelheit, in menschliche Abgründe, Leid und Schuld hinabzusteigen und dabei kann er gar nicht anders, als diese Dunkelheit zu erhellen. Gottes herzliche Barmherzigkeit, sein Mit-Fühlen, sein Mit-Leiden lässt uns Menschen nicht los. Er lässt uns nicht los in unserem irdischen Leben. Er lässt uns nicht los, wenn wir sterben und er lässt uns nicht los, wenn wir einst vor Gott unserem Schöpfer und Richter stehen.

Denn Gott richtet unsere Füße auf den Weg des Friedens. Dass wir Frieden finden in Gott. Dass wir dort ankommen, wo wir hingehören. Als Gerettete und Erlöste in Gottes ewiger Nähe.

68 Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk.

Amen.

 

Segen

Jesus Christus spricht:
Friede sei mit Euch!
Wie mich mein Vater gesandt hat,
so sende ich Euch!

Lebt in der Liebe,
wie auch Christus euch geliebt hat!

So geht nun in diesen Sonntag
und in die neue Woche
unter dem Segen unseres Herrn!

Der Herr segne euch und behüte euch.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch
und sei euch gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch
und gebe euch + Frieden.

 

Die Nacht ist vorgedrungen – WDR Big Band