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Die Frösche – Zehn Plagen II

Ein kritischer Einwurf angesichts allgemeiner Lockerungsübungen

 

„Als aber der Pharao merkte, dass er Luft gekriegt hatte, verhärtete er sein Herz und hörte nicht auf sie, wie der Herr gesagt hatte.“ (Ex 8,11)

Aus dem Unheil zu lernen, fällt dem Menschen schwer. In einer der ersten Corona-Andachten stellte ich die Frage: Sind wir wie der Pharao?

Das große Unheil ist vorübergezogen. Alles ist noch einmal glimpflich abgegangen, obwohl die Ängste und Sorgen groß waren. Der Pharao hält wieder das Heft in der Hand.

Sobald das Unheil einigermaßen gebändigt ist, muss die Welt wieder so weiterlaufen wie zuvor. Das gälte es erst einmal zu beweisen, dass wir aus der Krise etwas gelernt haben.

Die Sehnsucht nach Lockerungen der Einschränkungen ist groß. Mir geht es da nicht anders als so Vielen. Die Abstandsregeln für Gottesdienste und im persönlichen Leben, die Einschränkungen für unser Alltagsleben zehren auch an meinen Nerven, je länger es dauert.

Und doch frage ich mich: Hat sich die Lage wirklich schon so weit entspannt? „Ist die Luft wirklich schon rein?“ Als der Gestank der toten Frösche fortgezogen war und der Pharao Luft gekriegt hatte, legte sich bei ihm der Schalter schnell wieder um. Alles wird wie zuvor. Die Israeliten müssen bleiben – als Unfreie, die in seinen Diensten stehen.

Die Froschplage ist Plage Nummer zwei. Bekanntlich folgt da noch was. Ich wünsche es uns anders. Aber ich wünsche uns die Einsicht, dass wir uns weiter mit Vorsicht treffen, wo immer wir uns begegnen.

Freiheit ist das Ziel in dieser uralten Geschichte. Aber das ist keine beliebige Freiheit, in der jeder tun und lassen kann, was er will. Gott ist es, der zu neuem Leben befreit. Diese Freiheit ist gebunden an einen Gott, der uns in die Verantwortung ruft, nicht nur auf uns selbst zu sehen, sondern auch auf den anderen. Die Gefahr ist nicht gebannt. Das zeigt uns derzeit vor allem der Blick in die Welt.