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Abendgottesdienst am 10. Mai – Kantate

Singt dem Herrn ein neues Lied! Der erleichterte Dank der Geretteten, das mächtige Loblied der Geschöpfe Gottes, das besänftigende Harfenspiel und der mutige Gesang, der Kerkermauern sprengt – sie alle vereinen sich zu einem vielstimmigen Lob Gottes. Dort, wo sein Name besungen wird, ist Gott ganz nah…

 

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Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Räumlich getrennt, aber doch verbunden durch unseren Herrn und Heiland Jesus Christus feiern wir diesen Gottesdienst am vierten Sonntag nach Ostern. ‚Kantate‘ heißt dieser Sonntag – ‚singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder!‘ Ja, Gott tut Wunder! Lasst uns die Wunder Gottes bewusst neu entdecken – zum Beispiel in der wunderbaren Pracht der Blüten, die wir in dieser Jahreszeit erblicken.

Lied: Die beste Zeit im Jahr ist Mai‘n (EG 319,1-4)
(Text: Martin Luther; Melodie: Böhmische Brüder 1544, Strassburg 1577, Karl Lütge 1917, Satz: Jürgen Pfiester 2011)

  1. Die beste Zeit im Jahr ist mein,
    da singen alle Vögelein,
    Himmel und Erde ist der voll,
    viel gut Gesang, da lautet wohl.
  2. Voran die liebe Nachtigall
    macht alles fröhlich überall
    mit ihrem lieblichen Gesang,
    des muss sie haben immer Dank.
  3. Vielmehr der liebe Herre Gott,
    der sie also geschaffen hat,
    zu sein ein rechte Sängerin,
    der Musika ein Meisterin.
  4. Dem singt und springt sie Tag und Nacht,
    seins Lobes sie nicht müde macht:
    den ehrt und lobt auch mein Gesang
    und sagt ihm einen ewgen Dank.

Besinnung

Vor unserem himmlischen Vater dürfen ablegen,
was uns beschäftigt und bedrängt,
was uns Angst macht und uns die Kehlen zuschnürt.
In seiner Gegenwart dürfen wir aufatmen und
Kraft schöpfen für Herausforderungen, die vor uns stehen.
Wir dürfen zur Ruhe kommen in turbulenter Zeit.

Ich lade sie ein zu ein paar Momenten der Stille mit den folgenden Gedankenimpulsen.

Die vergangenen Tage lasse ich in mir nachklingen:
Bilder und Stimmungen,
Worte und Gesten.

Ich nehme wahr, was in mir ist:
Sehnsucht und Hoffnung,
Angst und Befürchtungen.

Vor dir, Gott, lege ich all das ab.
Ich öffne mich dir und bitte dich:
schenke mir Bilder und Worte aus deiner Fülle.
Lass mich neu auf dich schauen und hören
und schenk mir die Kraft deiner Auferstehung
und die Zuversicht des Glaubens.
Dir sei Dank dafür.
Amen.

Wir beten Psalm 98

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.
Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm.
Der Herr lässt sein Heil kundwerden;
vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.
Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel,
aller Welt Enden sehen das Heil unseres Gottes.

Jauchzet dem Herrn, alle Welt, singet, rühmet und lobet!
Lobet den Herrn mit Harfen, mit Harfen und mit Saitenspiel.
Mit Trompeten und Posaunen jauchzet vor dem Herrn, dem König!

Das Meer brause und was darinnen ist,
der Erdkreis und die darauf wohnen.
Die Ströme sollen frohlocken und alle Berge seien fröhlich
vor dem Herrn; denn er kommt, das Erdreich zu richten.
Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit
und die Völker, wie es recht ist.
Amen.

Lied: Jubilate Deo omnis terra (EG 617)
Jubilate Deo omnis terra. Sevite Domino in laetitia.
Alleluja, alleluja, in laetitia. Alleluja, alleluja, in laetitia.
(deutsch: Jauchzet dem Herrn alle Welt, dienet dem Herrn mit Freuden.
Kanon, Jaques Berthier, Taizé 1981)

 

Verkündigung

 

Predigttext aus dem zweiten Buch der Chronik, Kapitel 5, Verse 2-14:
2 Da versammelte Salomo alle Ältesten Israels, alle Häupter der Stämme und die Fürsten der Sippen Israels in Jerusalem, damit sie die Lade des Bundes des Herrn hinaufbrächten aus der Stadt Davids, das ist Zion. 3 Und es versammelten sich beim König alle Männer Israels zum Fest, das im siebenten Monat ist. 4 Und es kamen alle Ältesten Israels, und die Leviten hoben die Lade auf 5 und brachten sie hinauf samt der Stiftshütte und allem heiligen Gerät, das in der Stiftshütte war; es brachten sie hinauf die Priester und Leviten.
6 Aber der König Salomo und die ganze Gemeinde Israel, die bei ihm vor der Lade versammelt war, opferten Schafe und Rinder, so viel, dass es niemand zählen noch berechnen konnte. 7 So brachten die Priester die Lade des Bundes des Herrn an ihre Stätte, in den innersten Raum des Hauses, in das Allerheiligste, unter die Flügel der Cherubim, 8 dass die Cherubim ihre Flügel ausbreiteten über die Stätte der Lade. Und die Cherubim bedeckten die Lade und ihre Stangen von oben her. 9 Die Stangen aber waren so lang, dass man ihre Enden vor dem Allerheiligsten sah, aber von außen sah man sie nicht. Und sie war dort bis auf diesen Tag. 10 Und es war nichts in der Lade außer den zwei Tafeln, die Mose am Horeb hineingelegt hatte, die Tafeln des Bundes, den der Herr mit Israel geschlossen hatte, als sie aus Ägypten zogen.
11 Und die Priester gingen heraus aus dem Heiligtum – denn alle Priester, die sich eingefunden hatten, hatten sich geheiligt, ohne dass man auf die Abteilungen geachtet hätte –, 12 und alle Leviten, die Sänger waren, nämlich Asaf, Heman und Jedutun und ihre Söhne und Brüder, angetan mit feiner Leinwand, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen. 13 Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem Herrn. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den Herrn lobte: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke, als das Haus des Herrn, 14 sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des Herrn erfüllte das Haus Gottes.

Herr, öffne unsere Herzen und Sinne für dich und dein Wort. Amen.

Lied: Wunderbarer König (EG 327,1-4)
(Text und Melodie: Joachim Neander 1680)

  1. Wunderbarer König, Herrscher von uns allen,
    lass dir unser Lob gefallen.
    Deine Vatergüte hast du lassen fließen,
    ob wir dich schon oft verließen.
    Hilf uns noch, stärk uns doch;
    lass die Zunge singen,
    lass die Stimme klingen.
  2. Himmel, lobe prächtig deines Schöpfers Taten
    mehr als aller Menschen Staaten.
    Großes Licht der Sonne, schieße deine Strahlen,
    die das große Rund bemalen.
    Lobet gern, Mond und Stern,
    seid bereit, zu ehren
    einen solchen Herren.
  3. O du meine Seele, singe fröhlich, singe
    singe deine Glaubenslieder;
    was den Odem holet, jauchze, preise, klinge;
    wirf dich in den Staub darnieder.
    Er ist Gott Zebaoth,
    er nur ist zu loben
    hier und ewig droben.
  4. Halleluja bringe, wer den Herren kennet,
    wer den Herren Jesus liebet;
    Halleluja singe, welcher Christus nennet,
    sich von Herzen ihm ergibet.
    O wohl dir! Glaube mir:
    endlich wirst du droben
    ohne Sünd ihn loben.

 

Predigt

Gnade sei mit Euch
und Friede von Gott unserem Vater
und dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Gemeinde,
die Worte des Predigttextes setzen Bilder in meinem Kopf in Gang…

Ich stelle mir vor, welch ein Gewusel zur Tempelweihe geherrscht haben muss. Nicht chaotisch, sondern feierlich und beeindruckend sieht die Szene in meinem Kopfkino aus. Unzählige Menschen, mittendrin König Salomo und alle Priester und Leviten. Ich bekomme Gänsehaut, als der Predigttext von der Musik und dem Gesang berichtet. Ein gewaltiger Chor, der so perfekt seine Instrumente und Stimmen beherrscht, dass es klingt, als höre man eine Stimme. Und als absoluter Höhepunkt kommt Gott und zieht in den neuen Tempel ein. Ehrfurcht ergreift mich…

Findet man Gott an einem Ort, an einem Heiligtum?

Wo ist Gottes Ort? Wohnt er nicht eigentlich im Himmel?

Hat er einen Raum, einen Platz, hier auf Erden, an dem ich ihn finden kann?

Und wie sieht der rechte Gottesdienst aus?

Diese Fragen stellen sich gerade besonders – in Zeiten von Corona, in denen kein gemeinsamer Gottesdienst möglich ist. Und auch jetzt mit den beschlossenen Lockerungen: ist das ein Gottesdienst, wenn man nicht singen darf? Braucht es das Gebäude Kirche, um einen würdigen Gottesdienst feiern zu können? Braucht es die körperliche Anwesenheit im Kirchenschiff, um Gott zu loben und unsere Anliegen als Gemeinde gemeinsam vor Gott bringen zu können?

Nun, einerseits würden wir sicher sagen, dass auch jeder an seinem Ort Gott loben und zu ihm beten kann – andererseits fehlen uns natürlich die Gemeinschaft, die Musik und v.a. auch die gemeinsame Mahlfeier, das Zusammenkommen um den Tisch unseres Herrn Jesus.

Unser Predigttext regt uns an, über Gottesdienst und Gotteslob nachzudenken und da fällt mir zunächst der ehrfürchtige und ernsthafte Umgang mit Gottesdienst in diesem Text auf. Es geht nicht um eine einfache Einweihung eines neuen Gebäudes. Es geht in diesem Gottesdienst vielmehr darum, ein Augenmerk auf das Besondere, das Heilige zu legen. Es geht darum, Gott zu loben, ihm Dank zu sagen für das, was er an seinem Volk alles getan hat. Und es geht auch um die Vergegenwärtigung, dass Gott zwar unverfügbar ist, aber sich doch auch festlegt, seinem Volk nahe sein zu wollen.

Denn trotz seiner gewaltigen Herrlichkeit und uneingeschränkten Göttlichkeit ist Gott seinem Volk seit dem Auszug aus Ägypten doch nahe und gegenwärtig. Und als sichtbares Zeichen dafür, dass Gott mit seiner Güte und Freundlich­keit mitten in seinem Volk gegenwärtig ist, hatte das Volk Israel die Bundeslade, in der die beiden Gesetzestafeln aufbewahrt wurden. Sie war die sichtbare Erinnerung an den Bund, den Gott mit Israel schloss. Wie gut, dass Gott uns Menschen sichtbare Zeichen seiner Nähe zur Vergewisserung schenkt. Auch das Abendmahl ist ein solches Zeichen und dient uns zur Vergegenwärtigung der Nähe Gottes. Deshalb ist es im Moment auch besonders schmerzlich, dass wir uns eben nicht einfach um den Tisch des Herrn versammeln dürfen.

Ein zweiter Punkt, der mich zum Nachdenken anregt, ist Vers 13: Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem Herrn.

Gewaltig und beeindruckend muss dieses Gotteslob gewesen sein und auch wir kennen sicher Beispiele dafür, wenn uns Musik nachhaltig berührt und beeindruckt hat. Aber ich glaube, es wäre zu kurz gesprungen, wenn man diesen Vers nur dahingehend lesen würde, dass die Musiker und Sänger damals einen guten Job gemacht haben. Was mich bewegt, ist die Einmütigkeit und Einheit, die aus diesem Vers spricht.

Wie segensreich es sein kann, wenn die Gemeinde einmütig und vereint Gott lobt und ihm dankt, ihn ehrt und anbetet, führt uns der zweite Teil des Verses vor Augen: Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den Herrn lobte: ‚Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig‘, da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke, als das Haus des Herrn, sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des Herrn erfüllte das Haus Gottes.

Liebe Gemeinde,

Gott wohnt dort, wo sein Name geheiligt wird, wo ihm Lob gesungen und er angebetet wird.

Gott wohnt dort, wo wir als seine Gemeinde eins werden, wir eine Sprache sprechen und Gott die Ehre geben. Er wohnt dort, wo Zwietracht oder Missstimmungen keinen Platz haben, wo wir über unterschiedliche Glaubensprägungen hinausblicken und wo unterschiedliche Gaben zu seiner Verherrlichung eingesetzt werden.

Gott ist gerade auch dann da, wenn einer selbst keine Worte findet, aber sich Worte entleiht aus einem Lied, einem Psalm, einem Gebet. Gott ist gerade auch dann da, wenn Glaubensgeschwister eins werden und in der Fürbitte für jemanden eintreten. Gott ist da, wenn wir räumlich getrennt, aber verbunden in Jesus Christus diesen Gottesdienst feiern.

Möge Gott uns diese Zeit segnen und uns besonders begegnen.

 

Und der Friede Gottes,
der höher ist, als alle menschliche Vernunft
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus.
Amen.

 

Lied: Wie lieblich ist der Maien (EG 501,1-4)
(Text: Martin Behm (1604) 1606. Melodie Johann Steurlein 1575; geistlich Nürnberg 1581. Satz: Jürgen Pfiester)

  1. Wie lieblich ist der Maien aus lauter Gottesgüt,
    des sich die Menschen freuen, weil alles grünt und blüht.
    Die Tier sieht man jetzt springen mit Lust auf grüner Weid,
    die Vöglein hört man singen, die loben Gott mit Freud.
  2. Herr, dir sei Lob und Ehre für solche Gaben dein!
    Die Blüt zur Frucht vermehre, lass sie ersprießlich sein.
    Es steht in deinen Händen, dein Macht und Güt ist groß;
    drum wollst du von uns wenden Mehltau, Frost, Reif und Schloss.
  3. Herr, lass die Sonne blicken ins finstre Herze mein,
    damit sich´s möge schicken, fröhlich im Geist zu sein,
    die größte Lust zu haben allein an deinem Wort,
    das mich im Kreuz kann laben und weist des Himmels Pfort.
  4. Mein Arbeit hilf vollbringen zu Lob dem Namen dein
    und lass mir wohl gelingen, im Geist fruchtbar zu sein;
    die Blümlein lass aufgehen von Tugend mancherlei,
    damit ich mög bestehen und nicht verwerflich sei.

 

Gebet und Segen

 

Wir beten

Dreieiniger Gott,
du hast uns zum Loben und Danken befreit.

Wir bitten dich für alle, die dein Evangelium verkünden
in Wort und Musik: beflügele sie durch deinen Geist.

Wir bitten dich für unsere Gemeinde:
lass unser Singen und Beten deiner Verherrlichung dienen.

Wir bitten dich für Verantwortliche in Politik und Wirtschaft
um Weisheit und Besonnenheit für ihre Entscheidungen,
und dass sie das Wohl aller Menschen im Blick haben.

Wir bitten dich für alle, die in dieser besonderen Zeit am Limit arbeiten
um Kraft, Ausdauer und Liebe zu den Menschen, mit denen sie zu tun haben.

Wir bitten dich für Kranke, Verzagte, Trauernde und Ruhelose:
schenke ihnen deine Nähe und den Zuspruch, den sie brauchen.

Für unsere Verstorbenen bitten wir,
dass du sie einstimmen lässt in das himmlische Lob.

Für uns alle bitten wir:
begegne uns mit deiner Gegenwart
und lass in uns ein neues Lied wachsen,
das dich lobt und ehrt und uns neue Kraft schenkt.

Dir sei Ehre in Ewigkeit.
Amen.

Vaterunser

Lied: Der Mond ist aufgegangen (EG 482,1.2.7)
(Text: Matthias Claudius 1779; Melodie: Johann Abraham Peter Schulz 1790. Satz: Jürgen Pfiester)

  1. Der Mond ist aufgegangen,
    die goldnen Sternlein prangen
    am Himmel hell und klar.
    Der Wald steht schwarz und schweiget,
    und aus den Wiesen steiget
    der weiße Nebel wunderbar.
  2. Wie ist die Welt so stille
    und in der Dämmrung Hülle
    so traulich und so hold
    als eine stille Kammer,
    wo ihr des Tages Jammer
    verschlafen und vergessen sollt.
  3. So legt euch denn ihr Brüder
    in Gottes Namen nieder;
    kalt ist der Abendhauch.
    verschon uns Gott, mit Strafen
    und lass uns ruhig schlafen.
    Und unsern kranken Nachbarn auch!

Sendung und Segen

Geborgen in Gottes Nähe und unter dem Segen unseres Herrn
gehen wir getrost in diesen Abend und in die neue Woche.

Der Herr segne Euch und behüte Euch.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Euch und sei euch gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf Euch und gebe Euch Frieden.
Amen.

Der Winter ist vergangen
(Text und Melodie: um 1600; Satz: Jürgen Pfiester)

 

Herzlichen Dank an alle Mitsängerinnen und Mitsängern: Milly Müller, Jonas Kaufmann, Michael Grell und Dekanatskantorin Sophia Lederer sowie an Tobias Schwarz, der unseren Gesang für diesen Gottesdienst aufgenommen hat.